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MOLEcafé

Büchsenhausen in Künstlerinnenhand

#01 2009 / Andrei Siclodi

Feministische Positionen prägen 2009/10 das Fellowship-Programm des Künstlerhauses.

Das Künstlerhaus Büchsenhausen in Innsbruck ist ein postgraduales Zentrum für Produktion, Forschung und Vermittlung im Bereich der visuellen Künste. Das Künstlerhaus stellt eine Plattform zur Verfügung mit dem Ziel, die Entwicklung und Produktion künstlerischer und kunsttheoretischer Projekte in einem kritischen Kontext zu ermöglichen. Büchsenhausen bildet gleichzeitig ein Forum für den direkten Austausch zwischen lokal und überregional tätigen Fachleuten sowie eine Schnittstelle zu unterschiedlichen Öffentlichkeiten vor Ort. Das Haus vereint zwei Förderungsprogramme unter einem Dach: Es ist einerseits Austragungsort des Internationalen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie, in dessen Rahmen KünstlerInnen und TheoretikerInnen für ein Jahr nach Innsbruck kommen und hier an ihren Projekten arbeiten. Andererseits ist es Atelierhaus für in Tirol lebende KünstlerInnen, die einen Arbeitsraum in einer künstlerisch interessanten Umgebung suchen. Die Institution ist eine Einrichtung der Tiroler Künstlerschaft.
2009/10 erfährt das Fellowship-Programm eine thematische Fokussierung. In diesem Jahr stehen Projekte im Mittelpunkt, die sich mit frühem Feminismus, gegenwärtigen Sexualpolitiken in Europa, den Beziehungen zwischen feministischer Kunst und afroamerikanischer Musik sowie mit neuen Formen von Institutionskritik auseinandersetzen. Vier Künstlerinnen bestreiten das Programm. Durch die Auseinandersetzung mit der Repräsentation der Suffragetten in frühen Kinofilmen wirft Madeleine Bernstorff einen analytischen Blick auf die darin vorgefundenen Inszenierungen der Frauenrechtlerinnen mit dem Ziel, eine Vergegenwärtigung der historischen Repräsentationen zu erreichen. Ausgehend von den jüngsten Angriffen auf queere Paraden in Belgrad, Zagreb und Sarajevo geht Ana Hoffner in ihrem Projekt der Frage nach der Organisation von Sexualität im gegenwärtigen Europa nach. Dabei stellt sie auch die Frage, inwiefern die momentan stark aufkeimende Homophobie in Ländern Ost- und Zentraleuropas und der damit scheinbar ursächlich verbundene Nationalismus als Effekte globaler Umstrukturierungsprozesse gesehen werden können, in deren Mittelpunkt die Konstruktion eines einheitlichen Europas steht. Inga Zimprich beschäftigt sich mit der Institution der Vereinten Nationen, ihrem Sprachgebäude und der daraus resultierenden performativen Kraft der „unablässig tätigen globalen diplomatischen Instanz“. Ina Wudtkes Projekt Griot Girlz, das erst im Sommersemester 2010 anläuft, thematisiert die Unterrepräsentation afroamerikanischer Musik in der zeitgenössischen feministischen Kunst – als Erweiterung des Begriffs der Riot Girlz, der für feministische Kunst im (weißen) Punk- und Rockkontext steht.