Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Die unendlichen WWWeiten

#01 2009 / Albrecht Dornauer

Wenn man mit heutigem Tage zum ersten Mal einen Internetanschluss anmeldet, dann hat man bisher mehr als 85.000.000.000 Webseiten verpasst. Das ist eine ganze Menge.

Unendlich viel Wissen, Eindrücke, Bilder, Filme, Musik, ohne Ende Texte, Aufrufe, Daten und Diskussionen. Und natürlich Porno nicht zu vergessen. Tausende Communities, die sich weltweit einem gemeinsamen Interesse hingeben. Kommunizieren 24/7 also …
Communities sind die neue Familie, das Internet das neue Wohnzimmer, die neue Toilette und das neue Arbeitszimmer. Wenn man schon das Internet benützt, dann sollte man es sich so gemütlich gestalten wie möglich. Von vornherein sei erwähnt, dass es unmöglich ist, alle sinnvollen Datenbanken, Features und Erweiterungen der verschiedenen Internetbrowser und Betriebssysteme in einen Text zu bringen. Fast Voraussetzung für einen längeren Verbleib im Internet ist die Installation eines Werbeblockers. Adblocker und Pop-up-Blocker machen Seiten wieder zu dem, was sie eigentlich sind: Informationsträger abseits blinkender und funkelnder Flashgames und Werbebanner. Ein weiterer Vorteil eines Adblockers ist, dass Seiten schneller geladen werden. Sie sind also wie der Fenstervorhang in der Wohnung, der einem die grelle Neonlichtwerbung von der anderen Straßenseite erspart.
Zurück zu den verpassten Webseiten. Sollte ein(e) LeserIn dieses Artikels ernsthaftes Interesse daran haben nachzuholen, was es alles bisher so gab, dann existiert dafür eine offizielle Internetbibliothek.
Archives.org verwaltet seit 1996 Momentaufnahmen von Webseiten, Filmen, Tonaufnahmen, Bildern, Büchern, Software und Games. Die Seiten werden regelmäßig gescannt, womit man Entwicklungen nachverfolgen kann. Die Datenbank ist derzeit unfassbare drei Pentabyte groß und wächst monatlich um etwa 100 Terrabyte. Die digitalen Daten sind frei zugänglich. Durch das von den BetreiberInnen initialisierte Million Book Project werden Bücher, die durch das Ablaufen des Copyrights oder aus anderen Gründen gemeinfrei geworden sind, digitalisiert und zur Verfügung gestellt. Das Copyright galt früher bis 75 Jahre nach dem Eintrag ins Verzeichnis, seit der Novellierung des Gesetzes gilt es bis 70 Jahre nach dem Tod des/der Künstlers/in. Die Copyright-/Common-Use-Thematik ist ein eigener Schwerpunkt für sich (siehe MOLE Seite 5/8: Vortrag des US-amerikanischen Urheberrechtsexperten Lawrence Lessig) und wird im folgenden Text nicht weiter behandelt, da einfach mal Fair Use des Internets vorausgesetzt wird.
Allgemein haben Firefox-UserInnen einen großen Vorteil, wenn es um die Einrichtung der Internetwohnung geht. Da die Firefox-Betreiberfirma Mozilla zulässt, dass jede(r) findige, motivierte ProgrammiererIn den Browser weiterentwickeln kann, ergeben sich dadurch täglich neue praktische Zusatzfeatures für den angenehmen Internetgebrauch. Diese Firefox­extensions („Add-ons“) finden sich direkt auf der Mozilla-Seite und sind für jede(n) gratis benutz- und installierbar. HeimwerkerInnen sind also willkommen. Eine der praktischsten Erweiterungen ist dabei das Add-on Greasemonkey, mit dem fast jede Seite persönlich kalibrierbar wird.

Firefoxzusatzextension Greasefire Greasemonkey ist der persönliche Butler des Net-Apartments und nutzt so genannte User Scripts, bindet sie mittels der dafür programmierten Firefoxzusatzextension Greasefire automatisch in die jeweilige Seite ein. Man kann sich auf diese Weise fast jede Seite persönlich gestalten. Beispielsweise existieren für Google an die 400 User Scripts, mit denen man von der einfachen Änderung der Hintergrundfarbe über das genaue Definieren von Suchergebnissen bis zur gleichzeitigen Anzeige der Funde in Wikipedia, der Google Bildersuche sowie der Encyclopedia Britannica alles persönlich einstellen kann. Greasemonkey-Erweiterungen existieren für alle größeren Web-Communities.
 Für das interaktive Fernsehprogramm sorgen die größten Video-Communities wie YouTube und Vimeo.
YouTube hat sich als größte Videoplattform durchgesetzt, auch wenn gerade in letzter Zeit die Verfügbarkeit vieler Videos aufgrund der Copyright-Problematik eingeschränkt wurde und nicht zuletzt auch viele Videos wieder gelöscht werden mussten. Per Grease­monkey-Erweiterung ist es beispielsweise möglich, sich jedes Video automatisch in der besten Qualität anzeigen zu lassen. Es empfiehlt sich, einen Account anzulegen, um Videos, die man sieht oder zufällig findet, in den Favoriten zu speichern, denn selbst das beste Gedächtnis vergisst einmal ein Suchergebnis. Per Vernetzung ist es möglich, den Videofundus seiner Freunde jederzeit durchzusehen und dabei sicher die eine oder andere unbekannte Perle auszugraben. Anders funktioniert die zweitgrößte Videoplattform Vimeo. Der Name ist ein Anagramm von „Movie“ und bei dieser Plattform steht klar der Eigenproduktionsgedanke im Vordergrund. Man findet ausschließlich Werke meist unbekannter Film- und VideoproduzentInnen, die auch in HD ansehbar sind. Will man sich allerdings nur über einen Film schlau machen, ist die Datenbank imdb (Internet Movie Data Base) die beste Informationsquelle. Imdb setzt auf usergenerierten Inhalt und ist im Filmbereich Wikipedia gleichzusetzen.
Zu Musik findet sich eine endlose Anzahl an Wahlmöglichkeiten. Am meisten Auswahl findet man in den Communities wie MySpace und Last.fm. MySpace ist dazu ja noch das zweitgrößte Social Netzwerk, das sich aber leider in den letzten Jahren mehr zu einer Musikwerbe- bzw. Spamseite entwickelt hat. Last.fm vermittelt hingegen im Social-Netzwerk-Gedanken NutzerInnen auf Basis ihrer Hörgewohnheiten neue Musik, Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack und Konzerte in ihrer Umgebung. Last.fm bietet das Programm Audioscrobbler, das jede über den Computer gespielte CD direkt in die Datenbank einspeist. So wächst die Datenbank minütlich und bietet inzwischen als „personal internet radio station“ über 80 Millionen Titel an. Sucht man Infos zu verschiedenen Platten oder Bands, ist dafür die Musikdatenbank Discogs der perfekte Platz. Discogs hat von User­Innen beigetragene Informationen zu über 1,5 Millionen Veröffentlichungen, die so genau sind, dass teilweise Pressungen nur aufgrund verschiedener Barcodes unterschieden werden. Auch können vergriffene Platten über Discogs gekauft und getauscht werden. Darüber hinaus ist im Musikbereich noch SoundCloud zu nennen, das ähnlich funktioniert wie Vimeo in Bezug auf Filme. Auf SoundCloud finden sich ausschließlich Eigenproduktionen. Erwähnenswert wären auch noch der österreichische Internetradiosender Play.fm sowie der französische Anbieter Deezer, über den ebenfalls sehr viele Tracks angehört werden können.
Besser als das bereits erwähnte, eher auf Musik spezialisierte MySpace ist Facebook, das wichtigste Social-Network-Nachbaraustauschprogramm des Internets. Facebook ermöglicht ein einfaches Vernetzen. Es funktioniert einerseits als E-Mail-Programm mit Chatfunktion für kurzfristige Entscheidungen, andererseits als Linkarchiv. Natürlich gibt es auch noch eine Community, die sich ganz dem Linksammeln verschrieben hat. Delicious wiederum ist eine Plattform, auf der man jederzeit auf seine Links zugreifen kann, egal vor welchem Computer man gerade sitzt. Mit seinem Account verlagert man die persönlichen Lesezeichen in die Öffentlichkeit und kann sich die seiner Freunde jederzeit zu Gemüte führen. Social Bookmarking ist der dafür zu verwendende Neo-An­glizismus. Für Fotos gibt’s dann noch Flickr, für News Twitter und für Blogspots als neue SpezialistInnen Blog(spot)magazine. Ach, es gibt so viel anzusehen, anzuhören und zu entdecken im WeltWeitenWeb!
Trotz all dieser wunderbaren Seiten gilt es drei Dinge nicht aus den Augen zu lassen: dass man nicht die Realität verpasst, sowohl im Leben als auch im Netz, die Wohnung sauber hält und natürlich dass man Mole online auf 80 Prozent der erwähnten Netzadressen verfolgt.