Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Let’s make a Zine!

#01 2009 / Elke Zobl

Von Girl zu Grrrl, von Annika zu Pippi Langstrumpf: Zines mit feministischem Anspruch.

Wir alle wollten schon immer Pippi sein, doch alles was wir waren, war Annika. Wir waren brav, folgten unseren Eltern, machten den Abwasch, brachten gute Noten nach Hause und wollten später etwas Sinnvolles werden, Ärztin oder Lehrerin … In unseren Träumen waren wir Pippi, selbständig, fähig unsere Ideen durchzusetzen und das Leben so zu leben, wie wir wollten… (Dieses Zine) soll unser Forum sein, ein Ort, an dem wir Annikas all das sagen können, das normalerweise unausgesprochen bleibt …  (Annikafish, Wien, Winter 1999) – Dies ist ein Auszug aus dem ersten Zine, das ich vor zehn Jahren zu Gesicht bekam. Was mich an diesem kleinen Heft faszinierte, war, dass zwei junge Frauen ihre Meinung zu Populärkultur, Medien und Politik auf diese unmittelbare Art zu Papier brachten und es unter Freundinnen verteilten. Das Manifest zeigt die wichtigsten Merkmale von Grrrl Zines auf – Grrrl mit drei „r“, um eine widerständige Reklamation des englischen Wortes „girl“ widerzuspiegeln und Zine als Kurzform von „Magazine“. Zines werden als „Art erweiterte Tagebücher“ für eine persönliche und politische, unzensurierte Auseinandersetzung mit Themen und Visionen verstanden. Das Zine ist im Hinblick auf all jene geschrieben, die die Situation der Frauen in der Geschichte und Gegenwart kritisch hinterfragen und ändern wollen.
Wie mache ich ein Zine? Vorraussetzung ist die Leidenschaft, etwas ausdrücken zu wollen (Ask anyone who works on their zine – it’s a passion, meint Seth Friedman). Alles andere ist einfach! Beginnen wir mit einem Zine im Printformat: Das Wichtigste ist, die Idee zu Papier zu bringen – in Worten und Bildern. Die meisten Zines sind eine Mischung aus Fotos, Zeichnungen und Collagen. Wähle einen guten Titel! Viele Zinesters verwenden Postfach-Adressen oder E-Mail und suchen sich einen Alias-Namen – je nachdem, wie viel du von dir preisgeben willst. Du faltest A4-Blätter in der Hälfte, klebst deine Texte und Bilder ein, schaust darauf, dass es eine gerade Seitenanzahl ergibt und schon kannst du’s kopieren und an deine FreundInnen und im internationalen Netzwerk verteilen!