Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Offen und gratis

#01 2009 / Esther Pirchner

In Zirl lebt Kultur in der „Selch“.

Der Raum, um Kunst und Kultur entstehen zu lassen, ist in Tirol begrenzt: Speziell Proberäume, Ateliers, Treffpunkte zum Entwickeln von Ideen fehlen. Dem begegnen die Zirler Vereine Sk8Artist, Freispiel und das Jugendzentrum Zirl mit dem gemeinsamen Jugendprojekt Exploring Spaces, in dessen Rahmen sie ein Haus für ein Jahr angemietet und als kreativen (Frei)-Raum adaptiert haben: Aus dem Wohnhaus mit Garten entstand die KreativSelch, die seit Februar 2009 Bandproberäume, ein Fotolabor, einen Raum für die Erstellung von computergenerierter Kunst, Gemeinschaftsräume u. a. beherbergt.
„Offen und gratis“ steht der selbstverwaltete Standort etwas mehr als ein Jahr lang Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Verfügung, die künstlerisch arbeiten wollen. Finanziert wird das Projekt mit Fördergeldern aus dem EU-Programm Youth in Action, vom JUFF und der Gemeinde Zirl – insgesamt mit rund € 15.000,–. Für die notwendigen Arbeiten am Haus sorgten die InitiatorInnen und NutzerInnen selbst, ebenso für einen Teil des technischen Equipments, das in der KreativSelch zur Verfügung steht.

Weiterführung geplant. Auf diese Weise konnte nicht nur eine Infrastruktur für kreatives Arbeiten geschaffen werden, der Ort soll auch und vor allem Ausgangspunkt dafür sein, dass sich Jugendliche aus Zirl und Umgebung miteinander vernetzen: MusikerInnen und bildende KünstlerInnen, FotografInnen, FilmemacherInnen, Live PerformerInnen usw. Ein Aspekt dabei ist, dass jede(r) auch Einblick in die Arbeit des/der anderen erhält. Da sich zwar viele für bestimmte Kunstrichtungen und -techniken wie Visuals, Tag Tool oder Machinima (die Erstellung von Filmen auf der Basis von Computerspielen) interessieren, aber nur wenige mit der technischen Umsetzung vertraut sind, bot und bietet die KreativSelch in den ersten Phasen des Projekts mehrstufige Workshops zu diesen Themen an. In der dritten Phase, die im Herbst 2009 beginnt, ist die Durchführung von Gemeinschaftsprojekten innerhalb des entstehenden Netzwerks geplant.
Bisherige Zusammenschlüsse und spontane künstlerische Aktionen umfassen Audioinstallationen zu einer Ausstellung, Projektionen im öffentlichen Raum, die Entstehung fotografischer Arbeiten, die im Haus ausgestellt sind, und selbstverständlich regelmäßige Bandproben. Auch mit einem Beitrag zum Inzinger Dorfradio (siehe MOLE Seite 10) möchten die InitiatorInnen auf die KreativSelch aufmerksam machen.
Dass bis 31. März 2010, dem vorläufigen Ende des Projekts, immer mehr Interessierte das Haus nützen, ist erwünscht, schließlich können ein dichteres Netzwerk und ein größerer Output an künstlerischen Kooperationen nur von Vorteil sein. Sofern auch danach eine Finanzierung gelingt, ist eine Weiterführung von Exploring Spaces und dem Standort KreativSelch fix eingeplant.