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MOLEcafé

Cut!

#02 2010 / Isabella Krainer

Monika Willi leistet Erzählarbeit. Sie beeindruckt mit ihrer kompromisslosen Art Filme, zu schneiden.

Dass sich hinter hoch dotierten Werken wie Barbara Alberts Nordrand, der Österreich nach über fünfzig Jahren wieder eine Nominierung für den Goldenen Löwen in Venedig einbrachte, Michael Glawoggers weltumspannendem Dokumentarfilm Workingman’s Death oder Michael Hanekes oscarnominiertem Meisterwerk Das weiße Band die Arbeit einer gebürtigen Innsbruckerin verbirgt, ist hierzulande wenig bekannt – ein Umstand, den Monika Willi gelassen wegsteckt, denn „wer das Rampenlicht sucht, wird sich dafür nicht den Filmschnitt aussuchen“.
Die Tatsache, dass ein guter Film nur durch das Zusammenspiel vieler engagierter Teammitglieder entsteht, kann die erfolgreiche Cutterin nur bestätigen: „Der beste Regisseur der Welt kann ohne gutes Drehbuch nichts ausrichten. Ich wiederum kann eine gute Szene nur schneiden, wenn der Regisseur sie gut inszeniert hat, die Schauspieler gut spielen, die Kamera sie gut aufnimmt, die Ausstattung stimmt, der Tonmeister richtig mikrofoniert und schon viel früher dafür gesorgt wurde, dass alles zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist“.
Schätzenswerterweise bedankt sich Michael Haneke bei jeder Preisverleihung von Neuem bei seinem Team, ohne das, so sagt er, „der Film so nicht möglich geworden wäre“. Ihre Zusammenarbeit mit Michael Haneke begann, als sein damaliger Cutter Andreas Prochaska während der Dreharbeiten zu Die Klavierspielerin ein nicht auszuschlagendes Regieangebot aus Deutschland bekam und Monika Willi für den Schnitt der Jelinek-Verfilmung vorschlug. Die Chance, an einer der bis heute erfolgreichsten österreichischen Filmproduktionen mitzuarbeiten, wusste sie zu nutzen.

Wertvolle Erfahrungen. „Durch meine Zusammenarbeit mit Michael Haneke habe ich nicht nur als Cutterin profitiert, sondern durch sein immenses Wissen auch viel über Film grundsätzlich erfahren. In meiner konkreten Arbeit habe ich den Wert der Genauigkeit in einer anderen Dimension erfahren, die Ablehnung des Kompromisses und das völlige Überbordwerfen einer ,Das-lass-ma-jetzt-amal-so-und-richten’s-später-Einstellung‘ und des Vermeinens, dass etwas, wenn es jetzt noch nicht so richtig funktioniert, es das vielleicht später tun würde, mit ein bisschen Tonunterstützung und so.“
Diese wertvollen Erfahrungen kann Monika Willi derzeit bei ihrer Arbeit an dem Dokumentarfilm Whores’ Glory von Michael Glawogger umsetzen und sie bringt sie mit den Worten auf den Punkt, dass etwas erst dann richtig funktioniert, wenn es ohne Erklärung auskommt.
Schnittarbeit bedeutet für sie „Erzählarbeit, die glücklicherweise nicht vor einem weißen Blatt beginnt“. In ihrem Fall sind die Bilder vor Arbeitsbeginn bereits gedreht und die Sätze gesprochen. Wie nun aber die verschiedenen Kameraeinstellungen, die Einstellungsgrößen, die Sätze, die Töne und die Musik kombiniert und miteinander verwoben werden, fordert ihr Talent sowie ihr Gefühl für Rhythmus und Zeit jeden Tag aufs Neue heraus. Da die „montierten“ Geschichten niemals langweilig werden dürfen, gilt es, das Material bis ins kleinste Detail kennen zu lernen, zu erforschen und darin einzutauchen.

Männerdominierte Branche. Willi, die als Cutterin immer auch zu den ersten RezipientInnen gehört, schlüpft dafür immer wieder in die Rolle der unbedarften Zuseherin und kann dem Gesehenen auf diese Weise ständig neu begegnen. Ihr Einfluss auf das Endprodukt ist groß und selbstverständlich wirkt sich die Frage nach den Machtverhältnissen im Filmbusiness immer auch auf das Mann-Frau-Verhältnis aus. „Wenn man dieser Tage immer wieder liest, Kathryn Bigelow wäre – falls sie gewinnt – die erste Frau, die einen Regie-Oscar bekommt, zeigt das, dass Film eine männerdominierte Branche ist. Genau wie sonst auch: je höher oben in der Hierarchie desto männlicher. Film ist keine Männerdomäne im Sinne einer geschlechtsspezifischen Begabung. Im Schnittbereich ist das Mann-Frau-Verhältnis je nach Sparte unterschiedlich, früher waren z. B. Im Spielfilmbereich mehr Frauen und bei der Werbung mehr Männer zu finden. Berufsbild und Renommee des Filmschnitts verändern sich aber seit Jahren sehr positiv. Anstoß dafür könnte die Digitalisierung gewesen sein, weil dadurch größeres Interesse bei Männern geweckt wurde.“

Tiroler Befindlichkeiten. Bei der Auswahl ihrer Angebote geht es Monika Willi, die ihren Lebensmittelpunkt vor über zwanzig Jahren nach Wien verlegte und sich ihre ersten Sporen als Assistentin für Kamera, Schnitt und Produktion im Bereich Fernsehdokumentarfilm verdiente, in erster Linie immer um das Drehbuch, das Projekt und den oder die RegisseurIn. „Ich hatte bisher großes Glück mit den Filmen, die mir angeboten wurden, es gibt darunter auch sehr schöne Arbeiten, die kommerziell nicht erfolgreich waren. Darauf kommt es bei der Projektauswahl auch nicht an, abgesehen davon, dass vorher niemand weiß, welcher Film erfolgreich wird und welcher nicht.“
Großen Spaß machte ihr ein kleineres Projekt im Vorjahr, Eine Mythosreportage von Florian Grünmandl und Siegfried Steinlechner: „Durch diesen Film habe ich sehr viel über Tiroler Befindlichkeiten – und dadurch wohl auch über gewisse eigene Prägungen – gelernt und war von Florian im Schneideraum derart gut unterhalten, dass meine Lachmuskulatur in wenigen Wochen ein Jahrestraining absolviert hat.“
Durch ihre Mitarbeit an erfolgreichen Filmen gab es immer wieder auch interessante Angebote aus Deutschland, Einladungen von Filmhochschulen für Seminare und immer wieder auch Interviews. Am meisten aber profitiert sie „bei der Arbeit selbst – denn was gibt es Schöneres, als mit gutem Material zu arbeiten?“