Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Flickr als Muse

#02 2010 / Tatjana Rauth

Savis Homayounis Fotos sind von ihrer Geschichte geprägt.

Savis Homayouni schickt keine Fragestellung voraus, wenn sie mit ihrer Canon EOS 400D stark von Herkunft und Weiblichkeit geprägte Motive einfängt. Wenn sie sich den Gegenständen und Menschen, die ihr Interesse wecken, annähert und deren Bewegungen und Formen oft tagelang mit der Kamera verfolgt, verlässt sie sich rein auf ihren Instinkt. Ihr Credo lautet, einer Sache verhaftet zu bleiben und sie in verschiedensten Positionen immer wieder darzustellen.
Jede Situation, die künstlerische Freiheit gewährt, wird genutzt, ein passagierloser Zug oder eine Fahrt auf dem Motorrad durch eine iranische Großstadt. Wenn Porträts in ihrem Portfolio auftauchen, dann meist von Kindern, deren Natürlichkeit für Savis in keinem Verhältnis zu den gestellten Posen der Erwachsenen steht. Ihr Verlangen nach Spontaneität lässt sich mit jungen Modellen am besten stillen.

Im Alter von 12 Jahren nach Innsbruck. Als größte Einflüsse nennt sie keine klingenden Namen, sondern die Internet-Community. Sie steht in aktivem Austausch auf Flickr und lässt sich am liebsten von der Fülle der täglich hochgeladenen Fotos inspirieren. Diese Gemeinschaft Gleichgesinnter hat in ihr auch den fotografischen Funken zum Feuer werden lassen. Der Schritt in die Öffentlichkeit wurde primär von der Motivation und dem Zuspruch der Flickr-Gemeinde gespeist. Aus ihrer persischen Herkunft hat Savis, die im Alter von zwölf Jahren nach Innsbruck gekommen ist, nie ein Geheimnis gemacht, auch wenn man es an ihrem Äußeren nicht sofort erkennt. Unterstützt durch Schmuck und Kleidung betonte die junge Frau ihre kulturellen Features und half sich somit durch ihre Identitätsfindung. „Ich bin auf jeden Fall nie diskriminiert worden“, meint Savis, „wenn ich Nachteile durch meinen Migrationsvordergrund hatte, so waren diese persönlich und in mir selbst.“

Authentische Bilder. Die Eltern sind der persischen Kultur stark verhaftet und haben immer wieder KünstlerInnen eingeladen und betreut. Savis wurde von dieser Zeit stark geprägt und beschloss schon früh, den vorgelebten Weg ihrer Eltern auf ihre Weise fortzusetzen. Das Auftauchen persischer Kulturgegenstände auf ihren Fotos ist nie geplant, doch ihren Einflüssen wollte sich die junge Künstlerin nie entziehen, denn nur so sei es möglich, authentische Bilder zu erzeugen, die zum Innehalten anregen.
Neben der Fotografie ist Savis vor allem als aktive Netzwerkerin des von ihr mitbegründeten Vereins Safran bekannt, einem Kulturverein für die zweite und dritte Generation von MigrantInnen. Außerdem hat sie gerade ihr Ethnologiestudium mit der Diplomarbeit Iranische Künstlerinnen in Wien und ihre Imagination von Heimat abgeschlossen.
In der nahen Zukunft wird es primär um die Verfeinerung der technischen Skills im Bereich Fotografie, den Relaunch der
Safran-Website, Ausbildungen im Bereich Rhetorik und Selfmanagement und einen zweiten Wohnsitz in Wien gehen – die junge Künstlerin bleibt wissbegierig und damit am Ball.