Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Kunst trifft Wirtschaft

#02 2010 / Martin Varano

Ausstellungsraum, Kunstverleih, Kommunikationszentrum: das artdepot.

In der Maximilianstraße in einem kleinen, unauffälligen Innenhof schräg gegenüber dem Hauptpostamt zwischen red zac und MPreis führt eine Außentreppe entlang einer Hauswand zum 240 m2 großen Ausstellungsraum des seit September 2008 bestehenden artdepot. Birgit Fraisl, die einige Zeit bei den Filmemachern Dolezal und Rossacher gearbeitet und dabei so interessante Persönlichkeiten wie Miles Davis kennen gelernt hat, hob vor sieben Jahren mit art2rent den ersten Innsbrucker Kunstverleih inklusive Beratung, Anlieferung und Hängung aus der Taufe. „Man kauft nicht für die Ewigkeit“, betont Fraisl und schildert den Anspruch von UnternehmerInnen, ihre Räumlichkeiten mit wechselnden Kunstwerken zu versehen. Der umtriebigen Einzelunternehmerin gelang es schon bald, das Vertrauen erster KundInnen für art2rent zu gewinnen, woraus die Motivation nach einer fixen Location resultierte. Ergebnis davon ist das artdepot, zu dessen Eröffnung 2008 sich etwa 300 BesucherInnen einfanden. Seither finden dort monatlich wechselnde Ausstellungen mit vorwiegend regionalen und nationalen KünstlerInnen statt. „Finanziell handelt es sich zwar nicht um Superstars, aber doch um Künstler­Innen mit großen Kapazitäten und hohem Potenzial“, erklärt Fraisl ihre Ausstellungspolitik.
Darüber hinaus möchte sie das artdepot als Kommunikationszentrum für Kunst und Kultur verstanden wissen. Denn es finden auch Lesungen, Konzerte und CD- und Buchpräsentationen statt. Fraisl vermietet dafür gerne – auch unter Berücksichtigung der finanziellen Situation der MieterInnen – ihre Räumlichkeiten. Weiters finanziert sich das artdepot durch den Verkauf und den Verleih von Kunstwerken, durch Videoproduktionen, Location Scouting für Werbung und Film wie durch ein Eventservice und die Organisation von Festen.

Kunst und Wirtschaft. Mit der Ausstellung Kunst trifft Wirtschaft auf sportlichem Terrain verwandelte Fraisl vor einigen Jahren die kleine Innsbrucker Eishalle vorübergehend in eine Kunsthalle und zeigte mit dem Titel die enge Verknüpfung von Kunst und Wirtschaft an – ein Verhältnis, das seit Jahrzehnten schon heftig diskutiert wird. Fraisl sieht das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft allerdings sehr positiv. Denn Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist unverzichtbar, wenn man unabhängig von öffentlichen Subventionen im Kulturbereich überleben will.
In einem aktuellen Projekt arbeitet das artdepot – Fraisl studiert selbst Kunstgeschichte – mit dem hiesigen Institut für eine Lehrveranstaltung zusammen, die die Organisation einer Ausstellung mit Kunstwerken von Studierenden zum Inhalt hat. Das artdepot lockt mittlerweile ein breites Spektrum von KundInnen und BesucherInnen an – und so freut sich Birgit Fraisl sehr über die oft zahlreichen Gäste bei Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen, die nicht selten zu fröhlichen Feiern werden.