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MOLEcafé

Sachers statt Reinhardt

#02 2010 / Christine Kofler

Schauspiel wird auch in Innsbruck unterrichtet.

In dem Gebäude, verborgen in einer Seitengasse der Heiliggeiststraße, teilen Stöcke gefährlich schnell die Luft, Kampfgeräusche erfüllen den Raum. Doch Ziel des Gefechts ist es nicht, den/die GegnerIn zu bezwingen, sondern durch eine genau einstudierte Choreografie die größtmögliche Illusion eines spannenden Konflikts um Leben und Tod, um Ehre, Vaterland oder die hübsche Prinzessin zu erschaffen. Benito Marcelino führt die SchülerInnen der Innsbrucker Schauspielschule Sachers in die Kunst des Bühnenkampfs ein, auch wenn der klassische Fechtkampf auf den Theaterbühnen heute nur mehr selten stattfindet. Doch im Vordergrund stehen der Bewegungsdialog, die Kommunikation mit und durch den Körper, sowie physische Durchlässigkeit – das Fach nennt sich inzwischen „body language“.

Vier Jahre Ausbildung. Lore Mühlburger, die vormalige künstlerische Leiterin und jetzige Geschäftsführerin der Schule, ortet die Schwerpunkte der Ausbildung in den Bereichen Körper, Stimme und Sprache. Vier Jahre Unterricht in den Fächern Bühnenkampf und Yoga, Stimmbildung und Sprechtechnik, Gesang, Tanz, Film- und Fernsehpraxis, Theatergeschichte und -theorie, Kommunikation sowie szenischer Gruppen- und Einzelunterricht soll die SchülerInnen dazu befähigen, eine eigenständige künstlerische Sicht- und Herangehensweise zu entwickeln, um sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, behaupten zu können.
Die Schule wurde 1994 als Schauspielforum Tirol gegründet, später von Lore Mühlburger und Walter Sachers, dem späteren Namenspatron, gemeinsam geleitet. Sachers, der einem breiteren Publikum durch zahlreiche TV-Produktionen bekannt wurde (Tatort, Soko Kitzbühel), dessen Leidenschaft aber nach wie vor dem Theater gilt, absolvierte seine Ausbildung am berühmten Lee Strasberg Theatre Institute in New York. So verwundert es nicht, dass das Leitbild der Schule bis zum vergangenen Jahr, in dem sich Walter Sachers aus der Leitung zurückzog, den bewährten Schauspieltheorien und methoden von Lee Strasberg, Michael Tschechow und Konstantin Stanislawski verbunden war.

Alljährliche Abschlussarbeit.  Inzwischen hat Frank Röder, der seit 2003 Ensemblemitglied des Tiroler Landestheaters ist, die künstlerische Leitung der Schule übernommen und den Unterricht methodisch geöffnet. Im Zentrum der Ausbildung steht die Eigenverantwortung: Die SchülerInnen wählen ihr Rollenrepertoire auch einmal selbst und Szenen werden eigenständig erarbeitet. Die großen DramatikerInnen wollen gelesen und das Sprechtraining will täglich wiederholt werden – neben den 23 Wochenstunden Unterricht.
Inwieweit die SchülerInnen der Abschlussklasse in der Lage sind, Erlerntes und Erfahrenes in die Praxis umzusetzen, davon können sich Theaterinteressierte bei der alljährlichen Abschlussarbeit ein Bild machen. Im vergangenen Dezember wurde das Stück Kommt ein Mann zur Welt von Martin Heckmanns mit Erfolg im Innsbrucker Treibhaus aufgeführt.
Die Aufnahmeprüfungen für das kommende Jahr finden voraussichtlich am 26. und 27. Juli und am 25. und 26. September 2010 statt. Dass das viel beschworene Talent allein jedoch noch kein Garant für einen gelungenen Werdegang ist, lässt der Titel von Konstantin Stanislawskis unvollendetem Werk Training und Drill erahnen.