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MOLEcafé

Bachelor Records – Liebhaberei ohne Grenzen

#03 2010 / Gregor Huber

Es pfeift der Gimpel vom Garagendach, was eine kleine Fangemeinde rund um den Globus schon längst weiß: Bachelor Records steht für
Qualität mit Charme und Esprit.

Seit 2005 haben Bands wie die nicht gänzlich unbekannten Black Lips, die Clorox Girls oder die Staggers bei dem in Adnet/Salzburg beheimateten Label schmucke Platten an den Start gebracht.
Hervorgegangen ist Bachelor aus dem 1997 gegründeten Fanzine Choke Media Empire, das später auch durch andere Aktivitäten, z.B. Konzerte, die Innsbrucker Szene zu beleben versuchte. Bachelor ist musikalisch in der punk’n’rolligen Ecke zu verorten. Trotzdem ist es für Labelbetreiber Elmar Gimpl wichtig zu betonen, dass es eigentlich keine stilistischen Grenzen gibt. Gepresst wird, was gefällt. Und da sind wir bereits bei einem nächsten Kriterium: Vinyl is the Deal! Keine Downloadcoupons, kein iTunes, keine 010101 Wegwerfprodukte, sondern haptische Häppchen für bewusste MusikhörerInnen.
Die Frage nach dem Sellout oder der Anbiederung an den Mainstream, die sich in der Alternative/Indie/Punk/DIY-Szene immer wieder stellt, wird bei Bachelor elegant durch die Wahl des Tonträgers umschifft: Alles, das nur auf Vinyl rauskommt, wird zwangsläufig irgendwie „Underground“ bleiben. Berührungsängste mit Pop sind also kein Thema. Die Freiheit, das releasen zu können, was überzeugt, steht über allem. Mit diesem Fahrplan scheint Gimpl ganz gut unterwegs zu sein. Wie fast überall zählt der Prophet im eigenen Land zwar nicht viel – Bachelor bekommt kaum Support von der heimischen Medienlandschaft, und auch der „Alternative-Platzhirsch“ FM4 gibt sich eher verschlossen. Dieser Umstand ist aber recht leicht zu verkraften, da Bachelor in ein gesundes Szenenetzwerk eingeflochten ist, in dem das Feedback von kundigen ReviewerInnen bzw. von HörerInnen, die sich direkt an das Label wenden, weit mehr Gewicht hat als die Meinung durchschnittlicher  PopmusikjournalistInnen.
Speziell in den USA gibt es ein positives Echo  und viel Unterstützung für Bachelor. Beispielsweise fand auf der SXSW Musik Messe in Austin Texas schon zweimal eine Bachelor Records Showcase mit einigen Bands statt, da und dort gab es auch Interviews und dergleichen. 50% der Verkäufe (Erstauflage pro Release 500 Stück) gehen in die USA und nach Kanada, 50% bleiben in Europa, davon werden in Österreich vielleicht 20 Stück abgesetzt.
Bachelor veröffentlicht mit Vorliebe frische Bands, aber nicht unbedingt neuen Sound. Den Antrieb, einen „future-sound“ zu kreieren, verspürt Elmar Gimpl nicht. So sehen auch die Labels des Vinyls immer gleich aus, so wie es auch bei 1950er/1960er Jahre Imprints wie Chess, Specialty oder Brunswick der Fall war. Bachelor bewahrt etwas Kostbares staubfrei auf und gibt es den Kids von gestern, heute und morgen, denn gute Musik ist und bleibt zeitlos! Und weil MOLE-LeserInnen aufgeschlossen und erkundungsfreudig sind, bleibt zu hoffen, dass der/die Eine oder Andere mal bei einem Choke Konzert reinschaut oder sich auf die Bachelor Homepage verirrt!