Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Buch, Wein, Gesellschaft

#03 2010 / Martin Verano

Cervantes&Co lockt seit 2006 Literaturbegeisterte, Intellektuelle und WeinliebhaberInnen in ein ebenso kleines wie spannendes Geschäftslokal in der Feldkircher Altstadt.

Seit 1986 ist Regina Zink Buchhändlerin aus Leidenschaft. Sie kann sich keinen lebendigeren und spannenderen Beruf vorstellen. Und obwohl sich Feldkirch durch eine hohe Dichte an Buchhandlungen auszeichnet, wagte sie 2006 gemeinsam mit ihrem in Spanien lebenden Bruder Norbert Nägele, einem Physiker, den Schritt zur eigenen Buch- und Weinhandlung Cervantes&Co. Der Name leitet sich von Miguel de Cervantes ab. Denn dessen berühmte Geschichte vom belesenen und idealistisch träumenden Don Quijote und seinem mehr weltlichen Dingen zugeneigten Knappen Sancho Pansa umschreibt das Programm von Cervantes&Co: Bücher, spanischer Wein, Essig, Oliven und Olivenöl. Ein großes Vorbild ist für Regina Zink die 1919 von Sylvia Beach, die in den 1920er Jahren James Joyces Ulysses veröffentlichte, in Paris gegründete Buchhandlung Shakespeare and Company, die ein Treffpunkt zahlreicher literarischer Größen der damaligen Zeit war. Zink betont, dass dieses Vorbild etwas hochgegriffen ist, allerdings gerade der Aspekt des Treffpunkts für sie eine große Rolle spielt. Deshalb gibt es neben Büchern und Weinen auch eine rote Couch und einen kleinen Tisch, an dem gelesen und Wein getrunken werden kann.
Mit dem Anspruch, Feldkirchs Kulturlandschaft zu erweitern, ist Regina Zink auch Mitbegründerin der Feldkircher Literaturtage und der Vortrags- und Diskussionsreihe Tangenten im Theater am Saumarkt, wobei sie bei letzteren noch aktiv mitwirkt. Dadurch waren und sind immer wieder SchriftstellerInnen und DenkerInnen im kleinen Geschäftslokal zu Besuch, wovon zahlreiche Fotos an einer Wand erzählen.  Zu ihnen gehören etwa Franz Schuh, Robert Menasse, Otfried Höffe, Urs Widmer, Konrad Paul Liessmann, Hans Wollschläger, Elisabeth Bronfen, Wolfgang Ullrich, Monika Helfer, Michael Köhlmeier und Paul Flora.
Als Einzel-Buchhändlerin stellt Regina Zink das Sortiment an Büchern selbst zusammen und betont in diesem Zusammenhang einen großen Unterschied zu Buchhandelsketten, deren Auswahl von oben vorgegeben wird. Schwerpunkte bei Cervantes&Co sind Belletristik, Philosophie und Geschichte neben einer kleinen Abteilung mit spanischen Büchern, einer kulinarischen Ecke und einigen Kinderbüchern.
Und wer zur Stammkundschaft gehört, erhält beim Besuch von der Buchhändlerin öfters zu ihm/ihr passende Lektürevorschläge aus den neu eingetroffenen Büchern. Die Weine sind Eigenimporte aus Spanien, viele davon stammen direkt von Weinbauern. Präsentiert wird das Angebot in einem eigens von Daniel Büchel für das Geschäft entworfenen Regal aus Weißtanne, das 5000fach verschraubt ist und mit einsteckbaren Holzböden neben den Fixfächern weiteren Platz für die Bücher bietet, die in dem kleinen Raum zwischendurch kaum mehr Platz finden und schon mal die übliche Einordnung von links nach rechts verlassen.
Manche Gäste möchten die charmante Buchhandlung gar nicht mehr verlassen. Einmal, so erzählt Regina Zink, durfte Robert Menasse bei ihr ausnahmsweise eine Zigarette rauchen. Aus einer wurde eine Schachtel, begleitet von einem Gläschen Wein, denn der Schriftsteller wollte an einem Artikel arbeiten, fand aber im Hotel nicht die notwendige Muße und blieb so einige Stunden gerne bei Cervantes&Co.

Um Feldkirch und Umgebung weiterhin verschiedene Angebote um Buch und Wein zu bieten, sind auch neue Programmpunkte aufgenommen worden bzw. in Planung. So hat etwa Regina Zinks Tochter Margarete begonnen, Events in einer Tenne beim Elternhaus der Buchhändlerin zu organisieren, wo unter einem alten Nussbaum in der warmen Jahreszeit Weinverkostungen mit Tapas und Musik stattfinden. Gelegentlich gibt es bei Cervantes&Co auch Signierstunden für AutogrammjägerInnen. Und für die Zukunft ist unter anderem eine Lesung aus dem Buch Schlafzimmertiere angedacht – stilecht im Freien liegend, mitten in der Stadt.