Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Theater trifft

#03 2010 / Katrin Jud

Die Blutversorgung muss stimmen.

Am 21. Oktober um 20.00 Uhr fällt in der Bäckerei der Startschuss: Die freien Theater Innsbrucks laden zum zweiten Mal zur Eröffnung von Theater trifft, dem Festival der freien Szene.

Zu Gast ist der österreichische Schriftsteller, Essayist und Dramatiker Robert Menasse, ergänzt durch die Performance brot und spiele/konkrete utopien unter der Leitung von Andreas Pronegg. Im Zentrum dieses Theaterherbstes stehen jedoch die zehn Produktionen der freien Bühnen, unter anderen bestehend aus den Alteingesessenen, wie dem Kellertheater (Die Bibel-leicht gekürzt von Adam Long, Martin Reed, Austin Tichanov) und dem Westbahntheater (Bonus-Track von Christine Frei) und einigen frisch Dazugestoßenen. Neu dabei sind z.B. die Gruppe ein ensemble, das sich aus Abgängern der Schauspielschule Sachers zusammensetzt und das labor, ein Tiroler Künstlerkollektiv, bekannt durch ihr Happening Wollt ihr den totalen Hofer? beim Landesfestumzug 2009. Auf der Suche nach anderen Formen von Theater wird das labor auch bei Theater trifft 2010 neue Orte erobern und den Sparkassendurchgang mit Heiner Müllers Herzstück in 60 Varianten bespielen. Theater, Musik, Tanz und Film wechseln sich für jeweils 15 (angemeldete!) ZuschauerInnen im öffentlichen Raum ab, unterstützt beispielsweise durch den Chor des Absamer Seniorenheims. Das erste Mal bespielt wird neben der Bäckerei auch die Küche des Landesbildungsheims; leider zum letzten Mal das Bierstindl.

„Blutwichtig für die gesamte Theaterentwicklung ist die Eroberung neuer Orte und die Entdeckung neuer Autoren durch die freie Szene, deren Stellenwert nicht genügend gewürdigt wird“, erklärt Robert Renk, Leiter und Initiator des Festivals. Um verbesserte Bedingungen für freie Theaterschaffende, ihre Vernetzung und die Potenziale der Szene geht es auch im Rahmenprogramm. Geplant sind Diskussionen zu den Themen „Theatergründung“, „Arbeitsplatz SchauspielerIn“ und ein Symposium zu professionellem Kinder-und Jugendtheater, das in der Tiroler Theaterlandschaft eine noch zu erobernde Nische darstellt.
Bleibt nur noch die Frage nach der Förderung: trotz 120.000 Euro von Stadt und Land spürt auch das Festival die Kürzungen im Kulturbudget. Das Problem sind die fehlenden Projektförderungen für die einzelnen Produktionen. Erhielt 2008 jede Produktion eine Grundförderung und wurde zusätzlich durch Theater trifft subventioniert, ist dies 2010 nicht mehr für alle Gruppen der Fall. „Wenn die Zusatzförderung zur Grundförderung wird, wird Theater trifft als Projekt, das die Zusatzförderung im Konzept hat, obsolet“, so Robert Renk. Gespräche mit VertreterInnen des Landes sind jedoch für das Frühjahr 2011 geplant. Nichtsdestotrotz kann man sich auf eine abwechslungsreiche und vitale Werkschau der jungen Szene freuen. Bühne frei für frisches Blut.