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Altes Kino revisited

#04 2011 / Evelin Stark

Das Alte Kino Landeck wurde im Herbst 2010 als Kulturzentrum neu eröffnet, und es kann sich sehen und hören lassen. Doch die Harmonie bröckelt.

Meine ersten Kinoerfahrungen habe ich im Stadt-Kino Landeck gesammelt. Asterix – Sieg über Cäsar war der erste in einer langen Reihe von Filmen, die ich in meiner Kindheit und Jugend dort sehen konnte. Umso trauriger war ich, als das Kino dann Mitte der 1990er Jahre seine Türen schloss, nicht nur, weil es das einzige im Umkreis Landeck war, sondern auch, weil der Kinosaal aus den 1920er Jahren damals schon eine besonders gemütliche Atmosphäre ausstrahlte.
Diese Situation  währte aber nicht allzu lange: Gerhard Karlinger, Deutschlehrer und Kabarettist, und Christian Chemelli, der heute noch im Alten Kino aktiv ist, verwandelten 1999 das Landecker Lichtspielhaus in ein Kulturzentrum und begannen dort Konzerte, Lesungen und Theater zu veranstalten. Der Kinosaal wurde nur minimal umgestaltet – ein paar Kinosessel raus, ein paar Tische rein –, und schon wurde aus dem Alten Kino ein Ort, an dem Kultur stattfand – mit viel positiver Resonanz. Zehn Jahre und etliche Veranstaltungen später erscheinen das Gebäude und seine Umgebung nun in neuem Glanz. Das nebenan gelegene Vereinshaus, in dem ich in jüngeren Jahren auf so mancher Rave- und Hip-Hop-Party getanzt hatte, das aber inzwischen seit Jahren ungenutzt war, wurde abgerissen und stattdessen der neue Stadtplatz errichtet. Das Alte Kino bekam einen neuen Eingang mit einem kleinen Foyer, das an ein Café angebunden ist. Das denkmalgeschützte Kino selbst durfte nicht abgerissen werden, und auch der Kinosaal wurde in seinem alten Look erhalten. Selbst der schräge Boden konnte bleiben. Die originalen Kinosessel sind ebenso noch Teil der Einrichtung wie der rote Vorhang vor der Leinwand, die heute wieder Verwendung findet. Der Extra Filmclub Landeck macht etwa zweimal monatlich Programmkino, und das mit Erfolg: „Seit der Neueröffnung im Oktober 2010 hatten wir insgesamt ca. 1.500 BesucherInnen“, erklärt Franz Tiefenbrunn vom Filmclub.
Der 2003 gegründete Verein ARGE Kino  ist für die Veranstaltungen zuständig. Mit einem sehr kleinen Budget wird Großes geleistet. Das gemütliche Kino mutiert oft zum Konzertsaal verschiedenster Genres – die gute Akustik dort wird immer wieder gelobt.
Lesungen, Theater, etc. – ein facettenreiches Kulturprogramm wird in den rund sechzig Events pro Jahr geboten. „Landeck liegt geografisch gut, es ist auch kulturelles Einzugsgebiet“, sagt Christian Chemelli. Die fünf ehrenamtlichen Mitglieder der ARGE Kino sind um Vielfalt bemüht. „Wir kommen alle aus komplett unterschiedlichen Richtungen, was sich auch im Programm niederschlägt“, erklärt Michael Weißkopf, seines Zeichens Gitarrist der Metal-Band Avenging Angels. Ein Sammelsurium an Interessen also, das ein harmonisches Ganzes ergibt.
Ganz so harmonisch  geht es allerdings nicht zu, wenn es um das neu renovierte Gebäude geht. Der Bittleihvertrag, den die ARGE bis vor kurzem mit der Stadt Landeck für das Kulturzentrum Altes Kino hatte, soll geändert werden. Der neue Vertrag beinhaltet Konditionen, die der Kulturarbeit nicht zuträglich sind und dem Verein die Arbeit erschweren würden. So hat der politische Wandel in der Stadtregierung auch für einen Sinneswandel bezüglich der Nutzung des Obergeschoßes des Alten Kinos gesorgt. Was von der alten Stadtregierung ursprünglich als neue Räumlichkeiten für die Stadtbibliothek, die sich derzeit im Keller der Volksschule befindet, geplant war, soll nun anderweitig vermietet werden. „Man hat in ein Kulturzentrum investiert, damit alles Mögliche gemacht werden kann“, so Weißkopf. „Jetzt soll ein Gewerbebetrieb kommen, der sich am Lärm stört, und damit wird wiederum der Kulturbetrieb gestört.“ Die Initiative Kultur im Zentrum bemüht sich gegen diese neuen Pläne der Stadt vorzugehen. Bisher leider ohne Erfolg.
Die neue Idee: Mit einem „Baustein-Scheck“ kann sich jeder an der Initiative beteiligen und dazu beitragen, aus dem Alten Kino doch noch ein Medienzentrum zu machen, so wie es ursprünglich gedacht war.
Neulich besuchte ich ein Jazz-Konzert im neuen Alten Kino Landeck und da war wieder der Zauber, den ich schon vor so vielen Jahren als Kinobesucherin spürte – der Raum zieht einen in seinen Bann, die Atmosphäre ist gemütlich, das Programm spannend. Nur frage auch ich mich, wie man sich abends ein gutes Konzert anhören können soll, wenn untertags nicht geprobt werden darf.