Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Andreas Holzknecht

#04 2011 / Günther Moschig

 „… ich vergebe auch lieber Haltungsnoten als Stilnoten“ 1

Zwischen Pop und wahrnehmungspsychologischen Beobachtungen angesiedelt, hat der in Innsbruck geborene Maler, Zeichner und Objektmacher Andreas Holzknecht nach längeren Auslandsaufenthalten in Sumatra, Borneo und China seine Kunstproduktion von Tirol nach Spanien verlegt. Seit 1998 lebt er zunächst bei Granada, dann zwei Jahre in Barcelona, jetzt im Surferparadies El Palmar an der Costa de la Luz auf 67 Metern Meereshöhe. Am Surfen interessiert Holzknecht das Dem-Meer-und-seinen-Kräften-ausgeliefert-sein. Keine Welle ist gleich. Allein in der Natur lernt man die Facetten des Meeres kennen und bekommt für jede Dummheit, jeden Gleichgewichtsfehler die Rechnung präsentiert. Im 2006 entstandenen Bild Waves sind diese originalen Soundwellen der Meereswellen bzw. der Brandung ins Bild gebracht.
Der Ort, wo seine Kunst entsteht, ist für Holzknecht dabei nicht von Bedeutung. Der Mittelpunkt der Welt ist für den Künstler ohnehin dort, wo er gerade ist. Arbeiten lässt sich an ruhigen Orten, wie einer Alm oder einem Strand in der Nebensaison, jedenfalls konzentrierter, weil die Möglichkeiten zur Zerstreuung fehlen. Andreas Holzknecht geht es da wie dort um die Wahrnehmung, um das Sehen und darum, ob das Wahrgenommene es wert ist, jemand anderem mitgeteilt zu werden.
Als Schüler Oswald Oberhubers an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst ist Holzknecht dessen „Prinzip der permanenten Veränderung“ selbstverständlich geworden, auch weil er sich konsequent weigert, sich aus marktstrategischen Überlegungen permanent zu wiederholen. Holzknecht interessiert, was ein Bild sagt und nicht, wie es aussieht. „Mir sind die Ismen zu kategorisch, man findet Parallelen zwischen romanischer Malerei, Höhlenmalerei und Picasso, man findet ,kubistische Zeichnungen‘ in der Renaissance und die Themen haben sich auch seit tausenden von Jahren nicht wirklich geändert.“ Es gilt, die bestmögliche Form für den Inhalt zu finden. „Ich sehe die Handschrift nicht als das Wesentliche einer Arbeit, irgendwie geht es mir auch eher darum, sie zu vermeiden, da wird man allzu leicht dann in eine Schublade gesteckt. Mich interessiert bei anderen Künstlern auch nicht so sehr der Stil, es sind mehr einzelne Arbeiten die mich ansprechen, wobei einige das recht oft schaffen. Ich vergebe auch lieber Haltungsnoten als Stilnoten.“
Es geht also immer um das Einzelbild. Und wenn beim Betrachten ein Schmunzeln herauskommt, ist der Maler zufrieden. Ironie und Selbstironie sind jedenfalls Konstanten in der Bilderwelt Holzknechts; und er ist ein „Universalist“, schaut über die Ränder der Kunst hinaus zu Philosophie, Physik, Mathematik, Comics (Wittgensteinbunnies) und Popmusik. Gerade Popmusik ist ihm in seiner Arbeit ein ständiger Begleiter, auch hier steht in der Rezeption der Einzelsong vor einem ganzen Album und die Haltungsnote vor der Stilnote. Punk hat das ja schon idealtypisch vorgezeigt.
Mit zwei Bildern und einer Selbstbeschreibung sendet Andreas Holzknecht Grüße aus El Palmar: „Ich segle mein einfaches Gemüt durch die stürmischen Ozeane der Möglichkeiten und die Trommeln schlagen sich selbst in meinem schlecht bezahlten Labor.“

1 Der Text beruht auf einem E-Mail-Interview mit Andreas Holzknecht im Februar 2011.