Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Nicht vergessen: Rechnung stellen

#04 2011 / Markus Schennach

tki glosse

PolitikerInnen  tun es, BeamtInnen tun es, ArbeiterInnen tun es, Angestellte – sogar solche von Vereinen – tun es, Selbstständige tun es, Bauern und Bäuerinnen tun es, JournalistInnen tun es! Eigentlich tun es alle. Menschen, die arbeiten, verlangen dafür eine Entschädigung. Es gibt dafür auch Begriffe wie Gehalt, Lohn, Honorar – je nachdem, welche Tätigkeit man ausübt. Dass Arbeit Geld verdient, hat sich Dank der Kämpfe der ArbeiterInnen durch-gesetzt, und eigentlich zweifelt das heute auch niemand mehr an. Eigentlich. Denn die Kulturverwaltung und -politik in Tirol geht unter bestimmten Umständen davon aus, dass Arbeit im kulturellen Feld ausschließlich umsonst zu erfolgen hat. Wenn Künstler und Künstlerinnen allein Projekte umsetzen, also ohne Verein oder sonstige ArbeitgeberInnen im Rücken, und egal welcher zeitliche Aufwand damit verbunden ist, lässt das Land Tirol die Forderung nach einer Entschädigung für diesen Arbeitsaufwand nicht zu. Es sei schlicht nicht möglich, dass man bei der Budgetierung eines Projektes auch den eigenen Zeitaufwand wenigstens zum Teil berücksichtigt, benennt und sich diesen dann auch ausbezahlt. Die Argumente, warum das nicht gehen soll, reichen von „man kann sich selbst keine Rechnung stellen“ (stimmt sogar) bis zu „wir fördern Kunst und keine KünstlerInnen“. Was nicht nur die Frage aufwirft, wer die Kunst dann machen soll. Auch bei der Erstellung des neuen Kulturfördergesetzes und der Richtlinien wurde dafür keine Lösung gefunden. Diese Regelung stellt nicht nur ein Unikum in der österreichischen Kulturförderung dar, sondern ist wohl für keinen Arbeitsbereich denkbar.

„Kultur ist Arbeit. Arbeit verdient Geld“, war die erste Aktion der bættlegroup for art. Die IG Kultur Österreich startet gerade eine Kampagne unter dem Titel „Fair Pay“. Auch die TKI wird sich weiter vehement für eine Lösung einsetzen und fordert von der Kulturabteilung des Landes Tirol endlich umzusetzen, dass auch KünstlerInnen und Kulturschaffende „es“ tun dürfen.