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Schlosskulturen

#04 2011 / Evelin Stark

Das  Schloss Landeck  ist als Wahrzeichen seiner Stadt kultureller Brennpunkt für Kunst und Kultur aus der Region. 

Das um 1290 erbaute Schloss Landeck liegt hoch über der Stadt am Fuße eines Waldes. Mauern sind geduldig, heißt es – oder so ähnlich – und so hat sich in den 720 Jahren ihres Daseins so einiges in der alten Burg angesammelt, von dem zu erzählen sich lohnt.

Das dachten sich vor ein paar Jahren auch die Mitglieder des Bezirksmuseumsvereins Landeck. Seit den 1930ern wurde Schloss Landeck als Heimatmuseum genutzt, doch erst ein umfassender Umbau ermöglichte die richtige Einbindung der Dauerausstellung in die alten Gemäuer. 2007 waren die Renovierungsarbeiten unter der Gesamtleitung von Eva Lunger-Valentini, ihres Zeichens Leiterin des Schlossmuseums und Kulturreferentin der Stadt,  abgeschlossen.
Titel der Dauerausstellung, die sich über die beiden Obergeschoße erstreckt, ist „Bleiben oder Gehen – Die bewegte Geschichte des Tiroler Oberlandes“. Wie viele Regionen Tirols prägten Migrationsbewegungen auch Landeck und seine Umgebung. Arbeiter aus Italien kamen Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau des Arlbergtunnels, verarmte Bauern wanderten aus, manche bis nach Peru, Kinder wurden in der Not weggeschickt (Schwabenkinder) und die sogenannten Jenischen wurden sesshaft. Viel Bewegung also, und viele Geschichten, die nun ihren Platz in dem Schloss gefunden haben, das der Stadt im 13. Jahrhundert ihren Namen gab. Laut Eva Lunger-Valentini waren es diese kargen Lebensumstände in der Region, die die Kreativität der EinwohnerInnen förderten und forderten und die ihren Ausdruck in der Kunstproduktion fand: „Rund 350 namhafte KünstlerInnen stammen aus dem Bezirk Landeck.“ Der Kunst, auch der Zeitgenössischen, mit ihren Querverweisen zu den historischen und aktuellen Themen, räumt das Museum Platz ein. Der Landeck-Bezug ist Programm, was sich regelmäßig in den Sonderausstellungen im Parterre bzw. im Schlossturm zeigt. So wird zum Beispiel vom 18. März bis 1. Mai ein Einblick in das 200-jährige Bestehen des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern Zams gewährt.

Neben der Dauer- und den Sonderausstellungen ist auch noch Raum für andere Kulturveranstaltungen. Regelmäßige Lesungen von namhaften AutorInnen, wie etwa Norbert Gstrein oder Markus Köhle, finden unter dem Motto „Literatur im Schloss“ genauso Platz wie die im Juni schon zum sechsten Mal stattfindenden Musikfestwochen „Horizonte“, die Lunger-Valentini gemeinsam mit dem Landecker Karl-Heinz Schütz organisiert. Schütz, seit 2005 Soloflötist der Wiener Symphoniker, betont ebenfalls den künstlerischen Geist in der Region und setzt das in der Zusammenstellung des „Horizonte“-Programms um, indem er speziell die lokalen MusikerInnen einbaut. In rund 20 Veranstaltungen, die neben dem Schloss auch an anderen Orten Landecks stattfinden, wird ein umfangreiches Programm geboten, das von rockigen Blechbläsern über Streicher bis hin zu Orgelkonzerten reicht.
Das Gehen und Bleiben ist keine abgeschlossene Geschichte – immer mehr Menschen aus fremden Kulturen werden in der Region sesshaft, nicht alle LandeckerInnen bleiben in ihrer Heimat. Das Schloss als Brennpunkt regionaler Kultur ist damit (wieder) prägender und gestaltender Teil im Stadtgefüge, der selbst in Bewegung und damit nicht nur ausschließlich Speicher von Zeugnissen einer Vergangenheit ist, sondern durch eine aktive Auseinandersetzung mit ihr für Fragen der Gegenwart sensibilisieren kann.