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MOLEcafé

Unternehmen Alma Mater

#04 2011 / Isabella Krainer

Seit sich die heimischen Universitäten im neuen Kleid der schlanken Struktur präsentieren, steht dem ökonomisierten Wissenschaftsbetrieb samt dazugehörenden Produktionsbrigaden nicht mehr viel im Weg.

Das fest geschnürte Korsett kapitalistischer Verwertungslogik hat auch vor den Bildungs- und Forschungsinstitutionen des Landes nicht Halt gemacht. Enge Kooperationen mit einflussreichen Konzernen garantieren den in die Autonomie entlassenen Universitäten seit Jahren dringend benötigte Finanzspritzen und stellen somit eine lukrative Alternative zur staatlichen Aufrechterhaltung des Betriebes dar.

Stichwort Wissenstransfer: Um die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft kontinuierlich voranzutreiben, setzt die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck etwa auf eigens dafür eingerichtete Servicestellen. Das projekt.service.büro unterstützt ForscherInnen beispielsweise „bei der Kontaktaufnahme zu Fördergebern und Projektpartnern“ und sorgt „durch die professionelle Erstellung von Kooperationsverträgen für Rechtssicherheit bei Universität und Firmenpartnern“. Neben der Sichtung potentieller Forschungsaufträge zur Weiterentwicklung von Präparaten, Produktpaletten oder Dienstleistungen stehen umfassende Auskünfte zu Drittmittelprojekten laut eigenen Angaben ebenso auf der Tagesordnung wie das korrekte Antragsprozedere vor Ort durchzuführender „Tierversuche und Versuchsreihen mit gentechnisch veränderten Organismen“.
 
Während die MitarbeiterInnen des projekt.service.büros in erster Linie auch mit der „geeigneten, gewinnbringenden Verwertung des geistigen Eigentums“ hiesiger WissenschaftlerInnen hantieren, legt das Transferzentrum transidee höchsten Wert auf die „Herstellung und Stärkung des Wirtschaftsbezuges der wissenschaftlichen Tätigkeit durch Kooperationsprojekte mit der Wirtschaft“. Eine Vision – und hier schließt sich der Kreis –, der auch das Gründungszentrum der Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen Tirols verfallen ist. Dass sich das Center of Academic Spin-offs Tyrol (CAST) bewusst auf „die Stimulierung, intensive Beratung, Begleitung und Förderung von technologieorientierten Unternehmensgründungen aus den genannten Einrichtungen“ spezialisiert hat, soll einerseits die Wettbewerbsfähigkeit ankurbeln und andererseits zur „Zukunftssicherung am Wirtschaftsstandort Tirol“ beitragen. Doch wer zahlt, schafft bekanntlich auch an.

Profil statt Bildung: An der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck unterwerfen sich Studierende bereits medial aufbereiteten Utopien in Form von strategisch-akademischen Zielvorstellungen, um, so die Hoffnung – wie auch das ungeniert propagierte Versprechen –, nach erfolgreicher Absolvierung einer „Berufsvorbildung auf höchstem Niveau“, „profilgebildet“ in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Doch Seminarplätze sind rar, das Niveau bescheiden und Berufsvorbildung eigentlich etwas für Fachhochschulen. Der Stellenwert wirtschaftlich verwertbarer Studienrichtungen ist in den Vordergrund gerückt und macht die überfüllten Hörsäle zu stark frequentierten Simulationsräumen ökonomischer Gewinnmaximierung. 
Und wie immer, wenn es ums Geld geht, dreht sich die Aufmerksamkeit um jene, die es beschaffen. Wohl nicht zuletzt auch um     finanzkräftige Forschungsaufträge an Land zu ziehen und den ohnehin bereits massiv angewachsenen Stab an DrittmittelforscherInnen weiter aufstocken zu können, wurde das Profil der Innsbrucker Universität in Richtung Wissens- und Technologietransfer geschärft. Mit der Festschreibung der Forschungsschwerpunkte Physik, Molekulare Biowissenschaften und Alpiner Raum – Mensch und Umwelt wurde die Vorreiterrolle der Naturwissenschaften einmal mehr auf dem imaginären Transparenzkonto der sogenannten Volluniversität sichtbar – und die Tatsache, dass alternative Lösungsansätze auch in weniger gehypten Instituten entstehen können, die sich der Gewinnmaximierung noch nicht unterworfen haben, verdrängt. Dass die angestrebten Erträge mittels Drittmittelakquirierung natürlich auch ein Wissensmanagement bedingen, das sich eher an gewinnbringenden Kalkulationen oder externen Zielvorgaben orientiert, als interdisziplinäre und  damit partizipative Forschungsförderung zu betreiben, stößt ebenfalls mehr leise als laut auf Kritik, die dem umtriebigen Reformgeist ebenso zum Opfer gefallen ist, wie die eine oder andere weniger prestigeträchtige Studienrichtung.
Und wie könnte es im durchgestylten Unternehmen Alma Mater, dessen quantitativer Output von der dominanten Führungsschicht bereits als messbares Qualitätsmerkmal angesehen wird, auch anders sein. Denn wo es früher um Erkenntnis ging, geht es heute um Gewinn.