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MOLEcafé

Autark – die digital musikalische Gegenwart

#05 2011 / Albrecht Dornauer

Die lokale Partyszene ist groß, die lokale Produzentenszene hingegen verschwindend klein, obwohl es heutzutage einfacher denn je zuvor ist von MusikkonsumentenInnen zu aktiven MusikerInnen zu werden.

Autark ist das Ziehkind von Martin Huber, im Nachtleben bewanderten Menschen auch als John E. Flash bekannt, und Lucas Norer, einem nach Linz ausgewanderten Kunst- und Medienstudenten. Autark war eine lange Zeit für viele der wohl qualitativsten Electronic Veranstaltungen Innsbrucks verantwortlich. Stars der Szene wie Apparat, Modeselektor, T. Raumschmiere oder Quiet Village gaben sich auf der p.m.k.-Bühne die Regler in die Hand und präsentierten hierzulande, was in Metropolen längst musikalische Gegenwart ist: Verschrobene Electronic mit Hang zum Technoiden, housige Tanzmukke bis hin zu ambientlastiger, mit Traumwelten öffnenden Visuals untermalter IDM Musik. IDM steht für Intelligent Dance Music, kein Genre, das sich Martin Huber freiwillig überstülpen würde, dennoch hob sich die von ihm und DJ Meister organisierte „Alien-Explorer“-Reihe von dem, was gemeinhin als Techno die Clubs der Stadt beschallt, ab.  Ziel der Autark-Veranstaltungen war, neben purem Hedonismus dem Publikum einen Einblick in die oft verborgenen Nischen der Elektronika zu gewähren und dadurch Interesse zu wecken. Interesse, sich mit der oft als platter Tanzmusik verschrienen Technokultur auseinanderzusetzen und womöglich auch selbst produktiv zu werden.  Noch nie war es so einfach per Computer durch einige Plug-ins und Soundprogramme vom Sofa aus Musik zu produzieren. Andererseits war es wahrscheinlich auch noch nie so schwierig, auf sich aufmerksam zu machen, geschweige denn Musik gar zu verkaufen. Der Schlüssel zum „Erfolg“ liegt in breiter Online-Präsenz und daraus entstehenden Auftrittsmöglichkeiten. Die Bereitschaft, Sachen auszuprobieren und zu veröffentlichen, ist in ganz Österreich allerdings gering, lokale Resonanz auf Releases so gut wie nicht vorhanden. In Folge dessen schlossen sich Martin Huber und Lucas Norer vor gut vier Jahren zusammen, um etwas an dieser Misere zu ändern und begründeten das Netlabel Autark-net.org. Netlabels sind rein online basierende Labels, die meist gratis Musik zum Download freigeben. Natürlich gibt es auch Online-Bezahllabels, die große Mehrheit der Netlabels jedoch stellt ihre Releases kostenlos zur Verfügung.
Diese sind mit gewissen Creative-Commons-Lizenzen versehen, die den DownloaderInnen klarmachen, wie die Musik verwendet werden darf. Von der kompletten Freigabe bis zu eingeschränkter kommerzieller Nutzung, von der Möglichkeit der freien Abänderung der Stücke bis zur verpflichtenden Namensnennung bei Verwendung, alles wird über Creative-Commons-Lizenzen definiert.

Über den Kulturprojektwettbewerb „TKI Open“ bekamen sie eine Startförderung, die es ihnen ermöglichte, eine Webseite zu programmieren und vor allem professionelles Mastering der Audiostücke zu bezahlen. Denn nur weil etwas nichts kostet, muss die Qualität nicht unbedingt schlechter sein als bei einem käuflichen Tonträger. Veröffentlichungen sind heutzutage so etwas wie die Visitenkarte der MusikerInnen. Ohne Releases bekommt man definitiv weniger Auftritte und ohne Feedback auf eigene Produktionen ist auch eine Weiterentwicklung schwieriger. Zwar gibt es seit einem Jahr, verknüpft mit dem ständig wachsenden Webspace im Internet, vermehrt Dienste wie Soundcloud und Bandcamp, die den MusikerInnen ermöglichen, ihre Werke direkt selbstzuvermarkten und Feedback aus der Community zu erhalten, dennoch sieht Martin Huber das Konzept „Label“ keineswegs als überholt an. Es gehe um ein Programm, das man dem Konsumenten präsentiere, im Gegensatz zum kreativen Chaos solcher Community-Webseiten.
Das Programm von Autark, Österreichs einzigem auf Elektronika spezialisiertem Netlabel, spiegelt die Vielfalt der elektronischen Musik wider. In vier Jahren erschienen vierzehn Releases, von Techno über House, breakcorigem 8-Bit bis Ambient. Altmeister Hans Platzgumer veröffentlichte genauso wie Comfortzone-Labelgründerin Christina Nemec unter ihrem Pseudonym Chra. Die Resonanz ist international gut. Downloads von Kanada über Russland bis Japan bringen lokale MusikerInnen in die Ohren einer weltweiten Hörerschaft, Anfragen für die Möglichkeit, auf Autark zu releasen,  fluten regelmäßig die Inbox der Labelbetreiber. Eines der nächsten Releases wird beispielsweise das eines Kanadiers sein, der erste Act aus Übersee auf Autark. Reviews in Magazinen wie dem WIRE belegen, dass Autark schafft, was sie sich anfangs vorgenommen haben. Die lokale Produzentenszene zu bestärken, produktiv zu sein und zu bleiben, denn Innsbruck ist nicht immer so weit von der weiten Welt entfernt, wie es manchmal scheinen mag.