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MOLEcafé

Fabian Kametz

#05 2011 / Christine Frei

„Wir wollen vor allen Dingen Geschichten erzählen.“

Mit RegisseurInnen ist das so eine Sache. Ihre eigentliche Arbeit bleibt dem Publikum ebenso verborgen wie ihr Anblick. Nur bei Premieren pflegen sie nach dem ersten Verbeugungsreigen kurz auf die Bühne zu huschen, um aber ebenso schnell wieder im Nichts zu verschwinden. Und natürlich sieht sich so gut wie keine/r von ihnen eine Premiere an. – Auch Fabian Kametz nicht.

Der gebürtige Münchner, der nun schon seit 25 Jahren in Innsbruck lebt und arbeitet, streift sich an Premierenabenden zwar die edelsten Teile seiner Garderobe über, zieht dann aber vor der geschlossenen Tür seine unruhigen Runden. Als Kametz 1986 zum Medizinstudium nach Innsbruck kam – „als Vorläufer der deutschen Flut“, wie er mit dem ihm eigenen kritisch-neckischen Lacher anmerkt –, war der Sohn und Bruder einer Schauspielerin, dessen Familie stets ein Abo in den Münchner Kammerspielen hatte, schon längst mit dem Theatervirus infiziert. Schon als 19-Jähriger inszenierte er für eine freie Theatergruppe in Moosach das Katajew-Stück Ich will Miussew sehen, nachdem er dort drei Jahre zuvor als Darsteller und Regieassistent eingestiegen war. Nachdem sich eine Theaterinfektion nicht unbedingt schulmedizinisch heilen lässt, zog es ihn nach zwei Jahren Medizinstudium auf die Germanistik und Komparatistik und damit geradewegs in die nächsten Theaterprojekte hinein. Dort hatte sich unter Matthäus Recheis gerade die Theatergruppe Zerberus formiert, Kametz übernahm gleich beim ersten Stück Der große Macabre von Michel de Ghelderode die Regie. Etwa zur selben Zeit lernt er auch den Regisseur Michael Worsch kennen, der ihn gleich vom Fleck weg als Regieassistent für seine nächste Produktion im Kellertheater engagiert. „Das war mein Einstieg in die professionelle Szene“, erinnert sich Kametz.
Von da an will er es genau wissen, lässt sich in Bühnenbeleuchtung ausbilden, vertieft sich in die dramaturgische Arbeit, interessiert sich mehr und mehr auch für das Medium Film, beginnt Kulturmanagement zu studieren, unterrichtet Schauspiel. Ende der 1990er Jahre steigt er als Redakteur und Regisseur bei tirol.tv ein. Daneben inszeniert er regelmäßig am Kellertheater, zunehmend auch in Salzburg, Südtirol, München, Wien. Weil ihm die politische und auch finanzielle Abhängigkeit in der Kulturarbeit immer weniger behagt, beschließt Kametz, sich mit der Agentur Medienwerkstatt Innsbruck ein weiteres Standbein aufzubauen. Schon mit einem der ersten Projekte, einem Imagefilm für das legendäre Hotel Weißes Rössl am Wolfgangsee, erregt das Team internationale Aufmerksamkeit. Tage wie dieser wurde mit Preisen und Auszeichnungen geradezu überhäuft.
Neben seiner Agentur-Arbeit inszeniert Kametz noch immer mindestens zwei Stücke im Jahr, im letzten Jahr waren es sogar vier, zuletzt etwa die Nibelungen von Marc Pommerening im Kellertheater. Was er bevorzugt, sind erzählende Stücke. Große monologische Textflächen interessieren ihn nur bedingt. „Es soll sich schon was tun im Schuhschachterl“, bekennt Kametz. Er liebe Dynamik und Rhythmus auf der Bühne, damit sich daraus dann wieder poetische Momente der Ruhe herausschälen können. Inszenieren bedeute für ihn, gemeinsam mit dem Team Verantwortung für die intellektuelle und emotionale Interpretation eines Textes zu übernehmen. Natürlich sei Theater immer auch politisch: „Indem wir unsere Geschichte erzählen, beziehen wir doch auch automatisch Stellung.“ Und es gibt viel zu erzählen bei Kametz. Der überzeugte Wahltiroler ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, und seine Erinnerungen und Anekdoten haben stets etwas Szenisch-Theatrales. „Rate mal, wer damals bei Zerberus mitgespielt hat“, fragt er im Laufe des Gesprächs ganz verschmitzt. „Wolfgang Geier und Sonja Watzka.“ Kurze Pause. „Ja, da schaust, gell.“ Lacht kurz auf und eilt zur nächsten Szene.