Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Nummeriert und signiert

#05 2011 / Maria Mark

Handarbeit, Geduld und das Gespür für die richtige Farbe sind in der letzten Steindruckerei Tirols in Wildermieming die Anforderungen einer alten Drucktechnik.

„Wenn ich eure MOLE im Steindruckverfahren herstelle“, meint Günter Stecher mit einem verschmitzten Lächeln, „dann dauert das ungefähr 100 Tage. Habt ihr so viel Zeit?“
Der gelernte Lithograph schleift einen Solnhofer Plattenkalkstein glatt, dessen Oberfläche kurz vorher noch ein Bildfragment des Tiroler Künstlers Herbert Danler zeigte. Jede Farbe eines polychromen Bildes hat einen eigenen Stein, der in einem komplizierten Verfahren für den Druck präpariert wird: Nachdem der Druckträger entsäuert wurde, überträgt der/die KünstlerIn seinen/ihren Entwurf auf die Oberfläche. Das kann mittels verschiedener grafischer Techniken wie Kreide, Feder- oder Pinselzeichnung geschehen. Anschließend wird der Stein durch eine Ätzung aus Gummiarabicum und Salpetersäure bearbeitet. So entstehen druckende und nichtdruckende Flächen für das chemische Druckverfahren, das auf der Gegensätzlichkeit von Fett und Wasser beruht. Eine Technik, aus der der heute gängige Offsetdruck entstanden ist. Der Steindruck erfolgt über eine Reiber-Handpresse: jedes Blatt wird nach Farbschichten – Stecher erinnert sich an den Rekord von 18 verschiedenen Farben – entsprechend oft aufgelegt und bedruckt. Die Editionen erscheinen in kleinen Auflagen und auf hochwertigem Büttenpapier, was der echten Druckgraphik ihren speziellen Reiz gibt. Ein Lithograph verpflichtet sich, die Steine nach jeder Auflage zu schleifen, was einen Nachdruck unmöglich und die Grafikserie somit einmalig macht.
Günter Stecher und sein Vater Walter betreiben Lithographie mit Leidenschaft; ein Stapel von Probedrucken und Farbvarianten, der auf dem großen Tisch neben der Presse in die Höhe wächst, zeugt von der Genauigkeit, mit der sie jedes Sujet so lange bearbeiten, bis sie den optimalen Farbauftrag eruiert haben.
„Ist der Idealdruck dann gefunden, hängen wir ihn als Vorlage an die Wand und halten uns daran“, sagt Günter Stecher, der mittlerweile mit schwarzer Farbe hantiert und sie auf eine kleine Walze streicht.
Seine Handgriffe sind routiniert, und auch wenn er nebenbei mit seinem Vater scherzt, arbeiten beide zügig. Denn für die nächste Ausstellung, von denen im kunstaffinen Haus Stecher in regelmäßigen Abständen einige stattfinden, muss die Auflage rechtzeitig fertig werden.
Eine bereits etablierte Veranstaltung ist das Afra-Fest am 7. August, bei dem eine Druckgrafik-Edition des Hattinger Künstlers Walter Nagl verkauft wird. Der Erlös dieser Aktion kommt den beiden Tiroler Frauenhäusern zugute. Walter Stecher erklärt das Prinzip dieses Benefiz-Festes: „Wenn man die Leute zum Spenden animieren will, hilft es schon sehr, wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Der jeweilige Künstler und wir arbeiten umsonst, und die KäuferInnen des Bildes haben für ihr Spendengeld eine Druckgrafik bekommen.“ Paul Flora, August Stimpfl, Chryseldis Hofer-Mitterer und Herbert Danler sind nur einige der Künstlersignaturen, die sich auf den vielen im Haus produzierten Lithographien an den Wänden der Stechers finden. Für Interessierte gewährt Günter Stecher gern einen Blick in seine Werkstatt. Und wenn er anfängt, über „seine Steine“ zu sprechen, wird einem als BesucherIn bewusst, dass die Tradition des Steindrucks in Wildermieming noch lange gelebt und gepflegt werden wird.
Ob wir die Zeit haben, die MOLE lithographieren zu lassen? Nein, leider nicht. Aber wir finden es gut, dass es Dinge gibt, die Zeit brauchen dürfen.