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MOLEcafé

Simple-Men-Dance

#05 2011 / Maria Mark

Sonic Youth tanzt Nouvelle Vague: Am 3. September wird das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zur Tanzkulisse und Castingbühne für die Kunstintervention I can’t stand the quiet! von Annja Krautgasser, der Preisträgerin des RLB Kunstpreises 2010.

Ein leeres Fischrestaurant  irgendwo auf Long Island. Drei Menschen tanzen, alle auf sich konzentriert, nicht immer synchron, aber gemeinsam. Sie kümmern sich weder um ihre Umgebung noch um einander, die spontane Tanzeinlage ist absurd und doch selbstverständlich. Ein Mädchen mit gestreiftem T-Shirt und Ponyfrisur bewegt sich eigenwillig und ein wenig kokett zum Sonic-Youth-Song Kool Thing, als wäre sie mitten in Paris der frühen 1960er-Jahre in einem Treffpunkt für Außenseiter gelandet.
 Diese Tanzszene  aus dem Film Simple Men von Hal Hartley aus dem Jahr 1992 lehnt sich tatsächlich an einen Film aus den 1960er-Jahren an, den Nouvelle-Vague-Klassiker Band à part von Jean-Luc Godard, eine leichtfüßig inszenierte Komödie, die die „swingende Coolness“ amerikanischer Tänze nach Europa brachte und einen neuen Tanzstil jenseits des klassischen Paartanzes einführte.
Beide Filme, Simple Men und Bande à part, inspirierten die in Wien lebende Tiroler Künstlerin Annja Krautgasser zu Kunstinterventionen, die Performance, Film, Öffentlichkeit und bildende Kunst verbinden. Für die Aktion Le Madison 2009 in Amsterdam, rief sie über eine öffentliche Ausschreibung ProtagonistInnen dazu auf, per Internetlektionen die Tanzschritte aus Bande à part zu lernen und im Kunstraum W139 zu performen. Der Ausstellungsraum wurde zum öffentlichen Raum, die öffentliche Aktion zur Kunstproduktion – und eine Horde von EinzeltänzerInnen verwandelte sich in eine Gemeinschaft.
Für I can’t stand the quiet! erweitert Krautgasser nun die Verquickung von sozialen, öffentlichen und künstlerischen Räumen um einen aktuellen Aspekt: das Casting. Das Format des Castings ist im (Post-)Superstar-Hype ein Spiegel der Gesellschaft, ihres Umgangs mit Öffentlichkeit, ihres Begriffs von Begabung, ihrer Einschätzung von Unterhaltung und geradezu prädestiniert für den   kritischen und satirischen Einsatz. Gleichzeitig ist allein das Wort Casting eine Motivation für potenzielle TeilnehmerInnen, weil es jede und jeden zulässt, niemanden ausschließt und somit die „Hemmschwelle Kunst“ niedriger ansetzt.
Die Kunstintervention findet im eigens nachgebauten Filmset der Tanzszene aus dem Film Simple Men im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum statt. In dieser Kulisse können TeilnehmerInnen allein, zu zweit oder zu dritt ihre zwei- bis dreiminütige Interpretation des Simple-Men-Dance darbieten und Teil der Kunstproduktion werden. Die Ergebnisse der Aktion werden ab 15. September in der Einzelausstellung von Annja Krautgasser im Ferdinandeum zu sehen sein. Im Rahmen der Eröffnung wird die Siegerperformance aufgeführt.
Unter dem Motto I can’t stand the quiet! wird’s laut im Museum ... 

Info
Aufruf zur Teilnahme am öffentlichen Casting SIMPLE MEN DANCE
Am 3. September 2011 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 10.00–17.00 Uhr LaiendarstellerInnen und AmateurtänzerInnen ab 18 Jahren sind eingeladen, die Tanzszene aus dem Film Simple Men in 2–3 Minuten zu performen: www.youtube.com/watch?v=5R3OB_j7IlA
Anmeldung bis 20. August 2011

Die Ausstellung wird im Rahmen des RLB Kunstpreises realisiert.