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MOLEcafé

„Ein Fest für die zeitgenössische Kunst“

#06 2011 / Robert Gander

Am 4. und 5. November finden in Innsbruck (ergänzt um eine Station in Schwaz) die Premierentage statt. Das seit 1998 existierende Format wird dieses Jahr zum zweiten Mal von Franziska Heubacher und Lissie Rettenwander organisiert.

Die Organisatorinnen wünschen sich, dass die zeitgenössische Kunst an den zwei Tagen das Thema in der Stadt ist. Denn das Angebot wäre vielseitig, nur fehle das breite Publikum. Die Premierentage sehen sich als Vermittlungsprojekt zeitgenössischer Kunst, an denen über zwei Dutzend Galerien und Institutionen teilnehmen. Neue Orte kommen dieses Jahr hinzu: The Soap Room in der ehemaligen Seifenfabrik Walde zeigt Arbeiten der Architekturfotografin Margherita Spiluttini, die sich mit der alten Manufaktur auseinandersetzt und die Fotografien erstmals am Ort ihres Entstehens zeigt. Mit dabei sind auch Orte, die sich nicht als Galerie mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen sehen, sondern vielmehr auch als Produktionsstätten. Diese Verbindung aus Etabliert und Experimentell durch die „Klammer“ des zweitägigen Programms lässt spannende Querverbindungen erhoffen. „Es geht um zeitgenössische Kunst. Und die findet ja gerade auch in solchen Initiativen statt. Da ist das, was noch lebendiger ist. Und das brauchen auch die Galerien, die oft auch aus solchen Initiativen heraus wachsen“, so Lissie Rettenwander. Franziska Heubacher ergänzt, dass dadurch auch jüngeres Publikum angesprochen werden könne.

Erstmals dabei ist die Kunschtschule, die am Samstagnachmittag einen Workshop für Kinder und Jugendliche anbietet. Ansonsten ist der Samstag diesmal sehr diskursorientiert mit Künstlergesprächen im Kunstraum, in der Galerie im Taxispalais und dem Art Depot. „Aber die Leute können ruhig streiten und sollen nicht so brav drinnensitzen und zuhören“, wünschen sich die Organisatorinnen.

I don’t want to do art, I want to be happy.“

Die Bäckerei beteiligt sich ebenfalls und bietet bereits am Freitag einen Workshop an, der sich mit urbanem Handeln und Öffentlichkeit in der Stadt auseinandersetzt. Der niederländische Künstler Harmen de Hoop leitet die Stadtrundgänge, die seiner Guerilla-Taktik des minimalen, urbanen Intervenierens (und Irritierens) folgen. Auch das Abschlussfest wird in den Räumen der Bäckerei stattfinden, mit einer Liveperformance von medien.kunst.tirol.

Eröffnet werden die Premierentage ebenfalls an einem Ort, der erstmals mit von der Partie ist: dem Stellwerk 2 in der Südbahnstraße, Heimstätte des Architekturkollektivs columbosnext. Eine räumliche Transzendierung mittels Installation und Sound verspricht die Eröffnungsperformance von Albert Mayr alias jonnyhawaii. Bis 18. November wird dann eine Eisenbahngarnitur am Stellwerk-Bahnsteig bespielt.

Bewährte Orte zeigen hochkarätige KünstlerInnen, TirolerInnen oder in Tirol Geborene bilden einen Schwerpunkt. Peter Kogler konzipierte eine Rauminstallation für die Galerie Widauer, Christian Egger stellt im Kunstpavillon aus und Fatima Bornemissza in der A4. „New Sculptures“ von Erwin Wurm eröffnet in der Galerie Thoman, das Künstlerhaus Büchsenhausen gibt Einblick in die Arbeiten der aktuellen Fellows, Reinhart Mlineritsch ist im Fotoforum, Michael Hakimi in der Stadtgalerie Schwaz und Katharina Cibulka in der Galerie im Andechshof zu sehen. Durch diese und weitere Ausstellungseröffnungen verdienen die Premierentage ihren Namen.

Nach Peter Sandbichler und Marion Grubisic gestaltete das diesjährige Sujet des Programmfolders der Schwazer Künstler Rens Veltman (siehe ein Portrait des Kunstpreisträgers in MOLE 05). QR-Codes (also codiert abgebildete Websites) führen zu den Websites der teilnehmenden Institutionen. Hinter einem dieser Codes verbirgt sich der Ausspruch des Fluxuskünstlers Paul Vautier: „I don’t want to do art, I want to be happy.“ Das kann durchaus programmatisch verstanden werden. Die beiden Tage versprechen – trotz knappen Budgets – ein dichtes Programm, spartenübergreifende Produktionen und Kulinarik in mehrfachem Sinn.