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MOLEcafé

Exportiert: Daniela Knapp

#06 2011 / Waltraud Indrist

...denn man baut mit den Bildern die Welt des Filmes“

Daniela Knapp ist diejenige, die Teil dieses Prozesses ist. Sie hält die Geschichte vor der Filmkamera in Bildern fest. Sie ist – wie so häufig im Abspann zu lesen ist – Director of Photography, Kamerafrau.

Erstmals aufmerksam auf die Kamera wird sie mit 16. Damals, am Weerberg bei Schwaz lebend, hatte sich ihr Vater gerade eine Videokamera zugelegt. Seine Leidenschaft ist ansteckend und so entstehen ihre ersten Kurzfilme. Parallel dazu deutet ihr Besuch der berufsbildenden Schule in Innsbruck Tendenzen in Richtung Architektur an. Mit dem Schulabschluss wird dahingehend aber vorläufig pausiert, denn „Architektur lässt sich ja immer noch studieren“.

Vielmehr rückt eine intensive Zeit in Innsbruck mit Reinhard Forcher und Ernst Gossner in den Mittelpunkt. Beide haben bereits Erfahrungen in Theater- bzw. Filmbereich. Forcher, unter anderem auch Schauspieler am Kellertheater, fungiert quasi als ihr Mentor. Die gemeinsame Zeit wird für Knapp zum intensiven Eintauchen in die Theorie der Filmgeschichte. Das führt 1992 zum Entschluss die zweijährige Film- und Fernsehschule Zelig in Bozen zu besuchen: „Ein Rundumschlag in alle Bereiche – Schnitt, Regie, Ton und eben auch Kamera – und da hat sich dann herausgestellt, dass mir Kamera am meisten Spaß macht.“ Das Fach ist damit gefunden; die Architektur endgültig beiseite gelegt.

Es folgen Bewerbungen für ein Kamerapraktikum/eine Materialassistenz bei an die 50! Produktionsfirmen. Erfolgreich, Knapp kann bei ersten Projekten mitwirken: Nach 5 im Urwald, Das Superweib, Rossini, Knockin’ on Heaven’s Door. Zugleich bleiben die Kontakte zu Innsbruck aufrecht und so entsteht der Kurzfilm Flucht mit Ernst Gossner. Ein wichtiger Moment für beide, denn Gossner bewirbt sich damit erfolgreich an der UCLA in L.A. und Knapp für das Kamerastudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. „Auf der Filmakademie war ich von 1996‒2001 und es war ein herrlicher Ort für mich – nur Verrückte um mich rum und alle wollten kreativ Filme machen. So hatte ich mir das gewünscht.“

In der Studienzeit macht sie Bekanntschaften mit Sven Taddicken, mit dem 2001 ihr erster langer Spielfilm Mein Bruder der Vampir produziert wird. „Das war zwar ein toller Start, aber trotzdem gab es nach dem Diplom, als ich nach Berlin gezogen bin, eine kleine Durststrecke. Die Kontakte aus der Filmakademie reichten nicht aus – viele Regisseure drehen nur alle vier Jahre einen Film – ich musste noch mehr Kontakte knüpfen, das hat etwas gedauert.“

Und dann kamen die Filme; Filme wie Die fetten Jahre sind vorbei, Emmas Glück oder Poll. Ihre Arbeit wurde mit etlichen Auszeichnungen prämiert. 2011 erhielt Knapp dann auch die „Lola“ – den deutschen Filmpreis für Poll. Bei all ihren Filmen zeichnet sich ihr Arbeiten durch Experimentieren mit Material und Methode aus. So wird Die fetten Jahre sind vorbei (2004) durchgehend mit digitaler Handkamera gedreht; zum damaligen Zeitpunkt eine noch ungewöhnliche Formatwahl. Auch bei Emmas Glück (2006) kommt Innovatives zum Einsatz: zwei Spezial-HD-Kameras produzieren für eine Filmszene anstatt der üblichen 24 Bilder pro Sekunde 1000 davon! Im Historienfilm Poll (2011) kehrt Knapp dann wieder gänzlich auf das analoge, „körnige“ Material zurück: „Es erzeugt eine Patina, eine authentische Stimmung“.

Im Sinne einer Suche nach dem „passenden Mittel für den jeweiligen Stoff“ gestaltet sich auch die Recherche für ihr nächstes Projekt: ein Dokumentarfilm. Diesmal wird an die Möglichkeiten des 3D-Filmes gedacht – wie sich diese effektiv einsetzen lassen. Dafür stehen intensive Vorbereitungen an und Knapp verfolgt sie ganz nach ihrer Devise: „Lieber weniger Filme drehen und dafür mehr Zeit für die einzelnen haben.“