Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

HERR PSCHT HAT KEBURTSTAG. Eine Doppelconference.

#06 2011 / Evelin Stark

35 Jahre Kulturarbeit im Gebirge. Norbert Pleifer plaudert aus dem Nähkästchen.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, sagte schon Karl Valentin. Nach 35 Jahren Kulturarbeit und Clownerei kann Norbert Pleifer auf viel Arbeit mit der Kunst zurückblicken – angefangen hat alles mit dem KOMM, dem Kommunikations- & Kulturzentrum der ÖH. Weiter ging es mit dem Aufbau des ersten Treibhauses in Pradl, dem Umzug in das jetzige Lokal im Stadtzentrum Innsbrucks und der Generalsanierung. Heute steht das Treibhaus für den Platz am Volksgarten, der keine Zäune und Mauern kennt und der versucht, die Kultur und die Stadt einander näherzubringen.

Walter Groschup kennt Norbert Pleifer nicht nur von dem gemeinsamen Projekt Open Air Kino im Zeughaus, sondern auch aus früheren Tagen, als es das Treibhaus noch gar nicht gab. Die beiden trafen sich für MOLE zu einem Versuch, in Erinnerungen zu wühlen, Altes neu aufblühen zu lassen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.
Evelin Stark war dabei.

Groschup: Mir liegen einige Fragen auf der Zunge. Ich selbst war ja nie an der Spitze von irgendwas – ja, beim Open Air Kino im Zeughaus könnte ich schon sagen, wie sich was entwickelt hat – aber als ich in die Szene ein bisschen reingerückt bin, gab es den so genannten Maimarkt: Was war das denn eigentlich? Ich kann mich an viel Trubel erinnern, aber mehr weiß ich nicht mehr. Das muss 1981 gewesen sein, weil das Jahr später haben wir den Cinematograph aufgemacht.
Pleifer: Der erste Maimarkt war das Jahr davor. Das war der, bei dem wir vor Chorpublikum Fritz Prior, den damaligen Kulturreferenten des Landes Tirol, gezwungen haben, euch die Konzession für ein Kino zu geben, denn daran hat es sich immer gespießt. Wie bei den Puffs wurde damals die so genannte Bedarfserhebung gemacht, sprich, braucht es ein zweites Kino, und die Kinobesitzer hatten sich immer dagegen gewehrt.

G: Die Bedarfserhebung war ein politisches Instrument, um etwas nicht entstehen zu lassen. Da weiß man dann eigentlich, WER Politik gemacht hat: die Handelskammer, die Polizei und das Stadtmagistrat.
P: Genau. Aber zurück zum Maimarkt. Die Glanzzeit der Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Jugend- und Kulturzentren – man hat sich einmal pro Monat getroffen, einmal hier, einmal da, immer da, wo es gerade brannte, um sich gegenseitig zu helfen und solidarisch zu arbeiten. Die drei großen damals waren das Komm, das Kripphaus und das Z6. Mit dabei waren auch die ganzen sozialen Vereine. Irgendwann wurde entschieden, sich mal in Innsbruck zu präsentieren – jeder Verein hatte einen Stand in der Altstadt und konnte sich präsentieren. Daher der Name Maimarkt – als Satire auf den Christkindlmarkt, nachdem wir das Jahr zuvor den Wipfel des Christbaums abgesägt und mit einer Zipfelmütze geschmückt hatten. Gleichzeitig zum Maimarkt gab es Podiumsdiskussionen – im Komm, mit Politikern etc. Der Maimarkt fand zweimal statt, jeweils 2-3 Tage lang. Und im Stadtsaal gab’s den Ball für Arbeitslose und Arbeitsscheue. Es war sehr politisch, ABER MIT VIEL LEBENSLUST – feiern & agitieren. Das war auch immer mein größtes Anliegen im Komm: das Feiern mit dem politischen Agieren unter einen Hut zu bringen.

G: Das war schon die größte Aktion damals ...
P: Ja, wir haben ja sogar ein Haus besetzt damals. Ein leer stehendes Haus in der General-Eccher-Straße – wie passend der Straßenname bei lauter Antimilitaristen. Da gibt’s ein super Foto von Bürgermeister Niescher mit der Bierflasche in der Hand, als er zum Diskutieren kam. Es gab dann eine große Diskussion im Komm – er und sein Adlatus, der junge Wallnöfer, waren da ...

G: Die legendäre Aktion im Komm, als Niescher mit der Wasserpistole mundtot gemacht wurde.
P: Genau! Endlich ging er dann. Und abends gab’s dann im Komm noch eine Wohnungsnotdiskussion mit dem wirklichen Referenten, Bruno Wallnöfer, nur der war schon so müde, dass er auf der Bühne einschlief und durch meine Gesprächsleitung das ganze Auditorium sein Schnarchen hören konnte. Aber nochmal zurück. 1980 muss es gewesen sein, dass wir den Prior gezwungen haben, euch die Kinokonzession zuzugestehen. Wir haben ihn tatsächlich auf unsere Seite bekommen.

G: Da sind wir dann beim nächsten Thema, wahrscheinlich für dich unerschöpflich: Die größten Coups deiner Karriere. Ich kann sie nicht alle aufzählen, aber was wäre deiner Meinung nach die größte und seltsamste Aktion nach dem Maimarkt? Und würdest du dich denn eigentlich als Aktivist bezeichnen?
P: Nein, eher als Clown.

G: Ein Clown, okay. Das trifft auf etwas zu, was manche dir gegenüber schon behauptet haben, nämlich, dass du in Innsbruck so etwas wie Narrenfreiheit besitzt.
P: Naja, die Freiheit muss man sich aber schon zuerst erkämpfen, denn von vornherein ist keiner frei. Gefährlich ist es auch, denn die Vogelfreien sind quasi zum Abschuss freigegeben. Und wie ist das eigentlich mit der Narrenfreiheit: Nur die Narren sind frei, oder wie? Was wird von dir dann gehalten – dass du eigentlich nur ein Narr bist ...?

G: Das ist vielleicht auch das Ventil, das sich viele Regierungsformen leisten. Aber zurück zu meiner Frage: Welche Aktivitäten fallen dir aus dem Stand ein, die für dich die kuriosesten, aber auch effektivsten waren?
P: Du meinst zum Beispiel die Aktion „die Versetzung des Kulturbeamten in das städtische Klärwerk inklusive Spedition des Schreibtisches“? Ausgangspunkt war der Volksgarten. Und vorher noch eine Frustaktion, in der wir das Treibhaus zusperren wollten, was aber durch eine erfolgreiche Unterschriftenaktion abgewendet werden konnte. Als wir van Staa einen Geschenkskorb mit den ganzen Unterschriften schickten, kam er zornig und beleidigt zu mir und sagte, ich solle doch endlich den pubertären Blödsinn lassen und sagen, was ich eigentlich will. Und ich sagte, okay, schrieb mein Konzept für den Volksgarten zusammen, und es gefiel ihm. Wir sind gemeinsam durchspaziert und er war begeistert. Die Idee ist, den Volksgarten – Innenhof Treibhaus, Volkskunstmuseum, Landestheater, theologische Fakultät, akademisches Gymnasium, die Synagoge, Landesmuseum mit Innenhöfen – barrierefrei und ohne Zäune im Sommer zu bespielen. Das Geld des Innsbrucker Sommers gehört meiner Meinung nach hierher und sollte von den einzelnen Einrichtungen für den Volksgarten verwendet werden. Denn genau so sollte ein Kulturquartier in einer Stadt aussehen, ohne Zäune und mit ein bisschen Hirn. Van Staa war Feuer und Flamme und hat mir drei Millionen Schilling zugesagt. Das war das erste Mal in meiner langen Kulturkarriere, dass ich ohne Kämpfen Unterstützung zugesagt bekam. Jedenfalls war es aber so, dass Herr van Staa, Hilde Zach und Walter Frenzel, dem damaligen Chef des Kulturamts der Stadt, kein Wort davon gesagt hat, und die waren natürlich überrascht, plötzlich drei Millionen Schilling weniger im Budget für den Innsbrucker Sommer zu haben. Herr Frenzel war eher ein Fan der Hochkultur und von vornherein nicht unser Freund. Seine Reaktion war, den Veranstaltern des Sommers zynisch zu sagen: „Das Geld hat der Pleifer, sucht bei ihm darum an.“ Und die haben das tatsächlich getan. Das Landesmuseum, das Festival der Träume, alle haben tatsächlich bei mir um Geld angesucht. Da bin ich dann ausgerastet. In meinem Zorn ist mir, gemeinsam mit Andreas Schett und Gerhard Crepaz, eingefallen: „Warum braucht der Chef des Kulturamts eigentlich noch einen Schreibtisch, wenn alle Ansuchen ja jetzt zu mir kommen? Den und seinen Schreibtisch befördern wir ins Klärwerk in die Rossau. Verkleidet als die Rebellen vom Liang Shan Po mit Schibrille und roter Feder gingen wir am Faschingsdienstag, begleitet von Hannes König vom Kripphaus als theologischen Beistand und Medienvertretern, in Frenzels Büro, zogen alle Schreibstischladen raus und packten den Schreibtisch inklusive Namensschild in den Ho&Ruck-Transporter, brachten ihn ins städtische Klärwerk und stellten ihn dort in einen leeren Raum, das Schild wurde vorne hingeschraubt.
Inzwischen hatte Zach von einem Einbruch im Kulturamt gehört und die Polizei geschickt. In unserem Bekennerschreiben der Rebellen vom Liang Shan Po, das wir hinterlassen hatten, stand, dass Frenzels Überqualifizierung für sein Amt uns dazu bewegt hat, ihn in andere Sphären zu transportieren. Er wollte natürlich auf Hausfriedensbruch klagen, wovon ihn Hilde aber abhielt, um nicht noch mehr mediale Aufmerksamkeit zu provozieren.
Irgendwann bekam ich ein Fax von Frenzel: „Lieber Norbert, ich sitze hier an meinem Schreibtisch und kann nur sagen: I love you.“ Woraufhin ich ihn angezeigt habe wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Das war natürlich groß in der Zeitung. Seitdem grüßt er mich nicht mehr. 

G: Er war wohl deinem Humor unterlegen.
P: Mit dem Geld habe ich dann fünf Wochen wahnsinniges Volksgartenprogramm gemacht: Kabarett, Konzerte, Afrikafestival, ein riesiges Kindertheaterfestival, Kirchenkonzerte etc. Bereits am Eröffnungstag sagte mir van Staa, dass ich nie wieder Geld bekomme dafür. Warum? Naja, ich hatte den Karl-Rahner-Platz für das Fest gemietet, der aus mir unverständlichen Gründen als Parkplatz benützt wurde, und bat den Kramsacher Künstler Alois Schild, eine Skulptur für den Platz zu machen: AUFSTIEGSHILFE IN DIE HERZENSHALLE DER GROSSEN VATERLANDSVERTEIDIGER – mit einem großen Herz in der Mitte als Anspielung auf das Herz Jesu und seinen Kult – und einer Klomuschel oben drauf. Die Skulptur wurde am Abend vor dem Herz-Jesu-Sonntag aufgestellt, wo in der Jesuitenkirche immer der Bischof die Messe hält und die Schützen am Platz aufmarschieren, um zu schießen, wofür ja nicht mehr so viel Platz war. Um 22h kam Herr Weingartner zu mir, gemeinsam mit den Chefredakteuren von TT und Krone, schrie herum und sagte, der Bischof weigere sich, die Messe zu halten, die Feuerwehr sei schon unterwegs, um die Skulptur abzutransportieren und ich hätte jetzt noch die Möglichkeit, sie selbst abzubauen. Dann hab ich ihm zum 80. Mal erklärt, worum es mir ging: Der Platz von Karl Rahner soll nicht als Parkplatz verwendet werden. Als kleiner Jesuit habe ich bei Karl Rahner ministriert, ihm verdanken wir alles Gescheite und Gute des zweiten Vatikanums, und in der Krypta der Jesuitenkirche liegt er begraben. Der ihm gewidmete Platz soll einfach ehrenvoll behandelt werden. Die Bedingung war: Wenn die Autos weggeräumt werden, räume ich die Skulptur weg. Das war dann auch unser Pakt – die zwei Journalisten waren Zeugen – und seitdem ist der Karl-Rahner-Platz autofrei.

G: Deine Aktionen gingen von Scharlatanerie bis zu echtem Protest – gab es denn eigentlich echte Repressalien?
P: Angedroht schon, aber eigentlich nicht wirklich. Das war damals vom Frenzel. Da gab’s eine Auseinandersetzung, weil eine Veranstaltung von uns am gleichen Tag Premiere hatte wie eine seiner Geschichten und er meinte dann, wir sollten unseren Termin verschieben. Was ich mich natürlich geweigert habe zu tun. Und in diesem Gespräch sagte er dann irgendwann: „Pleifer, verschieb das, weil à la longue sitz ich am längeren Ast.“ Und zufällig hab ich daran gedacht, die Aufnahmetaste zu drücken. An dem Tag, als Frenzel dann das tolle neue Programm des Innsbrucker Sommers der Presse vorstellte, kam ich mit meinem Ghettoblaster und man hörte die Endlosschleife von „À la longue sitz ich am längeren Ast.“ Bei unserem Jazzfestival war das dann immer die Eingangsmusik.

G: Zwischen dir und Hilde Zach gab es so etwas wie Hassliebe, oder? Es gab Aussagen von dir, die haben sie ja ziemlich sauer gemacht, aber irgendwie mochte sie dich doch.
P: Am Anfang hab ich ihr böse mitgespielt. In einem Interview hab ich mal gesagt: „Ihr Vorgänger (Anm.: Hermann Girstmair) hat uns bis jetzt immer mit lateinischen Sprichwörtern abgespeist, jetzt bekommen wir wenigstens Fleischkäsesemmeln.“ Der Audruck „Fleischkashilde“ kommt ja im Grunde von mir – wir haben drei bis vier Monate lang auf jedem Treibhausplakat irgendeine Wurst abgedruckt, nur um auf sie anzuspielen. Und dann kam die größte Aktion. Das Kongresshaus war gerade neu umgebaut worden und zur Eröffnung sollten Kulturveranstalter die neuen Räumlichkeiten bespielen. So kam man auch auf mich zu, am liebsten mit Vienna Art Orchestra und Hader. Auf meine Frage nach dem Budget sagte man mir 5.000 Schilling. „Habt ihr sie noch alle“, dachte ich mir, „damit kann man nichts machen“, ging zu einem Metzger, hab um die 5.000 Fleischkäse bestellt und es als kulturpolitischen Weltrekordversuch angekündigt. Der Saal Kufstein war für mich reserviert und die Stadt hat groß Werbung dafür gemacht, ohne zu wissen, was geplant war. In dem Raum war ein 5.000 Schilling großer Fleischkäse auf flackernden Stroboskoplampen, oben drauf ein Schweinekopf ‒ ein unvorstellbarer Gestank war das. Und dazu ein großer kulturpolitischer Weltrekordversuch: der größte Fleischkäse der Welt: „5.000 Schilling für die Katz.“ Der Fischler rastete vollkommen aus. Den Fleischkäse haben wir zerschnitten und Innsbruck-Fähnchen drauf gesetzt und den ganzen Abend im Congress verteilt. Den Rest haben wir dann den Sandlern am Marktplatz geschenkt.

G: Dein Rebellentum hat Hilde zu einem gewissen Maße akzeptiert, weil sie sich selbst ja auch als Rebellin sah, Rebellin der Stadt-ÖVP.
P: Hilde war vor ihrer politischen Karriere jeden Sonntag beim Jazz-Frühstück im Treibhaus. Sie hat uns beim Spielplatzbau unterstützt, und als es die Treibhaus-Aktie gab, hat sie für alle ihre Mandatare Aktien gekauft. Und für die Fleischkäsegeschichte habe ich mich einige Male ordentlich entschuldigt. Sie war ja wirklich ein Mensch, der sich redlich bemüht hat. Die beste Patentante für ein Kind, aber hoffentlich kommt sie nur einmal pro Jahr zu Besuch. Und dann mit dem Gotlpack.

G: Jetzt ist es ein bisschen ruhig geworden um das politische Hickhack, seit die Hilde nicht mehr Bürgermeisterin ist und letztlich für die Kultur immer noch das große Sagen hatte. Es wird nicht mehr gestritten ...
P: Ich würde ja. Nur die streiten nicht mit mir! Die sind alle so nett. Ich kann meinen Keller zumauern, das ist denen egal. Kümmert sie überhaupt nicht. Eine größere Einfahrerpartie ist mir noch nie passiert. Die Hilde hat ja damals erst gemeint, es geht gegen sie, aber es ging ja gegen das Land. Sie war aber die einzige, die es sich angeschaut hat. Fast hätte es ja funktioniert, aber nicht wegen der Einsicht von den Leuten im Land (Anm.: Platter und Palfrader) oder weil die es verstanden hätten – sowohl die Mauer bei uns als auch die Ziegel, die wir ins Landhaus getragen haben –, sondern weil Zach schon die Verdoppelung der Treibhaussubvention unterschrieben hatte. Die hat gesehen, dass ein quasi doppelt so großes Haus mehr Geld braucht. Wir haben ja eigentlich heute eine Million weniger Subvention als 1986, als wir angefangen haben. Das muss man sich mal vorstellen.

G: Welchen Vorwurf würdest du dir selbst rückblickend machen, was ist falsch gelaufen in deinen Jahren als Veranstalter?
P: Naja, der Vorwurf, der oft von außen kommt, ist, dass ich mir’s immer richte. Als ich angefangen habe mit der Kulturarbeit, habe ich zu mir gesagt, dass ich immer zwischen den Stühlen stehen will und nicht jeden Blödsinn mitmache, der von anderen erfunden wird.

G: Gab es denn eigentlich irgendwann in deiner Karriere als Clown auch Anzeigen und Verurteilungen gegen dich?
P: Zweimal wurde ich sogar verurteilt, ja. Die eine Verurteilung war legendär. 1989 veranstalteten wir mit der HOSI Tirol im Treibhaus deren jährlichen Tuntenball unter dem Motto „Kann denn Liebe Sünde sein“ und luden zum Liebeskonzil – halber Eintritt für Ministranten, Nonnen und Kardinäle, Ablässe können in der Tombola gewonnen werden. Bereits im Vorfeld gab es von der Zeitung Die Kirche die Drohung, mich wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren“ anzuzeigen, doch die Anzeige konnte erst durchgesetzt werden, als an dem Abend tatsächlich einige Besucher verkleidet als Nonnen und Priester auftauchten. Die Gerichtsverhandlung war sehr emotional, und ich wurde schlussendlich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt: sechs Wochen bedingt auf drei Jahre – wegen Herabwürdigung religiöser Lehren, insbesondere des Beichtsakramentes und des Ablasswesens.

G: Wie siehst du denn eigentlich die Zukunft der Kultur in Tirol bzw. hier in Innsbruck?
P: Ich halte es da wie Karl Valentin und sage: „Die Zukunft war früher auch besser.“ Aber eigentlich ist es traurig – die einzigen Überbleibsel aus der Maimarktzeit sind das Otto Preminger Institut (Anm.: Trägerverein des Cinematograph und LEOKINO) und das Treibhaus. Das Utopia ist weg und das Bierstindl auch. Das Theater am Landhausplatz ebenso wie das Kripphaus, einmal das größte Jugend- und Kulturhaus Europas. Wie das Bierstindl untergegangen ist, das ist schon sehr traurig. Und drüber steht jetzt dieses absurde Ding, das nur einer wollte und das keine Sau braucht.


Umso mehr braucht es Menschen wie Norbert Pleifer, die sich was trauen und denen die Stadt mit ihren Möglichkeiten am Herzen liegt. Das Treibhaus ist Kindergarten, Jugendtreffpunkt, Café, Kabarett, Theater und Konzerthalle in einem – ein Volksgarten, in dem es ständig treibt und wächst und blüht. Oder wie Alfred Dorfer sagt: „ein einmaliger Spielplatz für kleine und große Menschen.“

Wir danken Walter Groschup und Norbert Pleifer für das Gespräch.