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MOLEcafé

Himmlisch oder Celeste

#07 2012 / Waltraud Indrist

Celeste – so nennt sich eine lose Gruppe von unterschiedlichen KünstlerInnen. Eine Gruppe aus Freunden, Bekannten und Bekannten von Bekannten, die sich immer wieder neu formiert und an immer wieder neuen Orten (Bejing, Paris, Berlin) zusammenfindet. Mit der Ausgabe Celeste im Berg bespielt die Gruppe nun auch Innsbruck.

Celeste versteht sich als Kollektiv, ohne zwanghaft kollektiv zu sein. Die Möglichkeit, die durch diese Formation aufgetan werden soll, beschreibt Julie Genelin, Initiatorin, Organisatorin und selbst Künstlerin bei Celeste so: „Viele von uns sind in ihrem Arbeiten bereits fixer Bestandteil von Galerien oder Institutionen. Celeste steht außerhalb dieses festgelegten und starren Programms. Es soll Freiraum einräumen.“ In diesem Sinne gestaltet sich auch der gesamte Prozess von Celeste: Nach einer ziemlich kurzfristigen Anfrage letzten Juni war Die Bäckerei – Kulturbackstube als Basislager gefunden. 17 KünstlerInnen machten sich dann auf den Weg nach Innsbruck, um das Projekt Celeste im Berg zu starten. Für das Projekt selbst standen dabei nur einige wenige Parameter fest: Eine Gruppe wird in einer Sommer- und einer Winterphase den Ort kennenlernen, sich ihm nähern, um ihn schließlich mit ihren Kunstobjekten und -installationen zu aktivieren und zu bespielen: „Erscheinen und Verschwinden; Was bleibt, ist ein rumeur (Gerücht).“
All das, was dazwischen passiert, bleibt für die KünstlerInnen, deren Denken und Wirken, offen. Und das ist das Stichwort für die „Brennnesselsuppe“. Diese wurde nach dem Vorbild des thailändischen Aktionskünstlers Rirkrit Tiravanija und seinem Kunstverständnis Teil des Wirkens in der Sommerphase. Für Celeste im Berg kamen die Künstler Cyril Aboucaya und Nicolas Dusollier eines Tages von einer ihrer Erkundungen mit einem Auto voller Brennnessel retour. Und dann wurde daraus eine kollektive Suppenmahlzeit. Sie galt als Einladung, als Möglichkeit des direkten Kontaktes mit BesucherInnen – diese dort aufzufangen und mit in die Ausstellung zu nehmen, wo „gewisse Zurückhaltungen fallengelassen werden“, so Genelin, das sei ein wichtiger Bestandteil von Celeste. Das eigentlich Besondere an diesem Projekt ist die ihm inhärente, bewusst artikulierte Ungewissheit: „Keine Vorgabe, kein Museum, kein weiß gekalkter, leerer Ausstellungsraum, überhaupt kein fixes Wissen über den Ausstellungsort, den Zeitpunkt“, so beschreibt Christoph Grud, Mitwirkender und Vertreter der Bäckerei, das Projekt Celeste im Berg. Es bedarf also einer großen Bereitschaft für Spontaneität, eines Grundwillens am Experimentieren, am Suchen von Alternativen, der Fähigkeit des sich Anpassens und einer gewissen Portion Gleichgültigkeit für Nichtvorhersehbares. All das wird in den nächsten Wochen wieder intensiv gefordert werden, wenn die KünstlerInnen ihre Werke, die nach der Sommerphase bereits gewisse, vage Formen angenommen haben, in Innsbruck zeigen und wirken lassen werden. Orte wie Schaufenster, leerstehende Wohngebäude oder Lagerhallen, aber auch bekannte Adressen sind im Gespräch, aber bis dato noch in keiner Weise fixiert oder angekündigt. – Und so kann das in einigen Fällen bis zum Vortag der Installation bleiben. Der Blog
www.celesteimberg.com wird neben Facebook Informations- und Dokumentationsportal werden, für zusätzliche Informationen sorgen die Programmseiten der Bäckerei und des Institut Français. In ähnlich spontaner Weise werden auch lokale KünstlerInnen in das Projekt mitverwoben werden. Christoph Grud macht Andeutungen über eine mögliche Kooperation mit dem SchiSchi-Format (Hannes Baumann) oder mit den DJanes von un dos tres (Teresa Stillebacher), unfugvision (Norbert Unfug) oder digital use.
Celeste ist allein ihrer Verfahrensweise wegen – gegen Starres und für Lebendiges – als neue Möglichkeit für zukünftige Prozesse in der Kunstwelt sehenswert. Denn die Bereitschaft und Fähigkeit, das Hier und Jetzt
aufzunehmen, kann den entscheidenden Unterschied zu einer „toten Ausstellung“ machen.