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MOLEcafé

Kurz ist gut

#08 2012 / Christoph Tauber

Kurzfilme haben es nicht leicht in Tirol und dennoch lebt die Tiroler Kurzfilmszene in den vergangenen Jahren auf. Zahlreiche Filmfestivals in Tirol haben sich dem Genre Kurzfilm verschrieben: von Los Gurkos über Rejected in Innsbruck bis hin zu Praedikat: Wertvoll in Kufstein. Nicht wenige international erfolgreiche FilmemacherInnen haben den Weg zum Film  über Kurzfilme genommen. Diese sind leicht(er) und schnell(er) produziert, allerdings bedarf es ein bisschen Übung, eine Geschichte in einer knappen Viertelstunde zu erzählen: Raffen, straffen und verdichten muss man, um am Ende einen sehenswerten Kurzfilm zu erhalten. Sehen kann man Kurzfilme jedoch selten, zumindest in Tirol. Dann und wann gibt es im Fernsehen eine Kurzfilmnacht; in den Tiroler Kinos werden zwar sporadisch Kurzfilme als Vorfilm von Spielfilmen gezeigt, doch das ist die Ausnahme und leider nicht die Regel. „Wünschenswert wäre dies jedoch. Es gab zwar immer wieder einmal Vorfilme im Leokino, ganz selten und nur kurz. Es ist schwierig, weil es immer Zeit und Platz wegnimmt“, fasst Evelin Stark vom Internationalen Filmfestival Innsbruck (IFFI) die Situation zusammen. Es bleibt der kleinen, kreativen Kurzfilmszene in Tirol deshalb nur der Weg über die Kurzfilmfestivals in Tirol, um ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.
 
IFFI 2012: Kurzfilmnacht
Deshalb gibt es heuer beim IFFI auch drei Abende, an denen Kurzfilme gezeigt werden. Nicht ganz einfach ist, es eine solche Kurzfilmreihe zusammenzustellen, findet Evelin Stark: „Wird nach Genre ausgewählt? Nach Kürze? Geografisch oder thematisch?“ Unterstützung kommt deshalb in diesem Jahr von den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und von der österreichischen Initiative Cinema Next. Zwischen 5. und 10. Juni werden im Innsbrucker Leokino in drei Blöcken Kurzfilme aus aller Welt und aus Österreich gezeigt. Cinema Next, eine Initiative zur Förderung des österreichischen Films, präsentiert beim IFFI einen Kurzfilmblock, der einerseits Beiträge aus Tirol und andererseits aus dem Rest Österreichs beinhaltet.

Von spanischen Nicht-Gurken und Tiroler Kurzfilmen
Aber nicht erst seit heuer spielt der Kurzfilm beim Internationalen Filmfestival in Innsbruck eine Rolle. In den vergangenen drei Jahren war das Tiroler Kurzfilmfestival Los Gurkos Gast beim IFFI. Hervorgegangen ist dieses Filmfestival aus Frustration über einen nicht gezeigten Kurzfilm an der Universität Innsbruck im Jahr 2004. Oscar Germes Castro hatte zusammen mit weiteren KollegInnen an der Uni Innsbruck im Rahmen einer Lehrveranstaltung einen Kurzfilm produziert, bei der anschließenden Präsentation der Filme wurde sein Film aber nicht gezeigt. Kurzerhand rief er ein eigenes Kurzfilmfestival ins Leben: Das A Los Gurkos Short Film Festival. 
Ein Saal an der Uni als Vorführort war schneller gefunden als der Name für das Filmfestival. Lange überlegten Castro und seine MitstreiterInnen hin und her. Kurz und bündig wie die Kurzfilme, die gezeigt werden, sollte er sein – und lustig. Schließlich wurde das Festival Los Gurkos genannt. Und nein, mit Gurken hat der Name nichts zu tun. Anfangsbudget waren 20 Euro und am Budget hat sich seither nicht sehr viel geändert. Vor drei Jahren mussten die Los-Gurkos-Festivalmacher sogar Geld aus der eigenen Tasche zuschießen, um einen Vorführsaal mieten zu können. An Sponsorengeldern fehlte es nämlich. Dabei sind die Kosten für das Festival überschaubar: „Mit 1.000 Euro lässt sich schon einiges machen“, gibt sich Castro bescheiden. Einen Saal mieten, ein bisschen Werbung und schon können die eingereichten Filme gezeigt werden. An der SoWi, an der GeiWi in Innsbruck, im Treibhaus und heuer in der Seifenfabrik Walde waren die Los Gurkos schon zu Gast.

Schulen beim Kurzfilm gefordert
Bereits Anfang Mai diesen Jahres fand das Kurzfilmfestival REC’n’PLAY im Innsbrucker Metropolkino statt. Aus einer Laune heraus entstand im vergangenen Jahr dieses Kurzfilmfestival. Eigentlich wollten Stephanie Kluckner und Andy Aigner ein Theaterstück mit SchülerInnen aufführen, aber da die Zeit zu kurz war, organisierten sie ein Kurzfilmfestival. Es wendet sich auf der einen Seite an Schulklassen und auf der anderen Seite an freie Filmschaffende. Begrenzungen gibt es bei diesem Wettbewerb nur eine: die Länge. 15 Minuten ist das Zeitlimit, innerhalb dessen die TeilnehmerInnen ihre Geschichten erzählen müssen; thematisch gibt es keine Beschränkungen. Der Bogen spannt sich über Kurzfilme über das Leben in der Klassengemeinschaft bis zu aufwändig gemachten Animationsfilmen. Nachwuchsarbeit wird bei diesem jüngsten Filmfestival großgeschrieben. Mit dem Schulwettbewerb werden gezielt junge NachwuchsfilmerInnen in den Tiroler Schulklassen angesprochen. Doch es bleibt noch viel zu tun, findet Andy Aigner: „Es gibt ganz viele Leute, die begeistert Kurzfilme machen. Das Problem, das wir gesehen haben: im Schulbereich sind vielleicht die LehrerInnen zu wenig dahinter, obwohl einige sehr engagiert sind. Wir haben zwar sehr viele Einsendungen bekommen, aber bei weitem nicht so viele, wie wir uns gewünscht bzw. vorgestellt haben. Es ist eher so, dass die SchülerInnen selber einen Film machen, sprich komplett außerhalb der Schule.“ Aufgrund des großen Erfolgs ging das Filmfestival heuer in die zweite Runde.

Trotz geringer Förderung: Die kleine Tiroler Kurzfilmszene lebt
Gefördert werden heimische Kurzfilme jedoch selten. Die Cine Tirol fühle sich nämlich für die Tourismuswerbung zuständig, nicht aber für die heimischen FilmemacherInnen, so die FestivalmacherInnen von REC’n’PLAY. Das Land Tirol von der Kulturförderung verweise jedoch, so Stephanie Kluckner, bei der Förderung der FilmemacherInnen auf die Cine Tirol, und für die Tiroler KurzfilmerInnen bleibt zu wenig übrig. Über die Festivals werden die FilmemacherInnen aber gefördert. Dennoch ist die Filmszene in Tirol sehr lebendig, wie Evelin Stark und Stephanie Kluckner unisono erklären.

Erfolgreiches Rejected muss Filme abweisen
Filmfest Rejected heißt das vierte Kurzfilmfestival in Innsbruck. Rejected, das ist auch neben der Länge das einzige Kriterium für die Zulassung zu diesem Filmfestival, wie Daniel Dlouhy erklärt. Filme, die bei anderen Filmfestivals abgelehnt worden sind, werden in diesem Jahr vom 21. bis 24. Juni in der Innsbrucker Kulturbackstube Bäckerei gezeigt. Doch auch das Rahmenprogramm ist spannend: In 48 Stunden ein Kurzfilmprojekt realisieren oder Diskussionen um Kunst, Räume und neue Medien stehen auf dem Programm. Viel Herzblut steckt auch Daniel Dlouhy in die Organisation dieses Filmfestivals und die Stunden, die er damit verbringt, wagt er gar nicht mehr zu zählen. Bezahlt werden diese leider nicht, dazu sind die Fördermittel zu knapp bemessen. Doch auch Rejected muss Filme zurückweisen, dies spricht für den Erfolg der Kurzfilmfestivals in Tirol: Nicht nur bei IFFI und REC’n’PLAY, auch bei Los Gurkos und Rejected nehmen die Einsendungen von Jahr zu Jahr zu. Fazit der Kurzfilmfestivals in Tirol: Kurz, aber gut. Der Erfolg der vergangenen Jahre gibt ihnen Recht.