Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Mozart ist seit 221 Jahren tot.

#08 2012 / David Schreyer

MOLEcafe #13: „Neue Musik in Tirol?“
Am 25. April 2012 fand in der Bäckerei die dreizehnte Ausgabe des MOLEcafé statt. In einer von Franz Xaver Schumacher moderierten Diskussion erörterten fünf Gäste die Lage der Neuen Musik in Tirol. Hannah Crepaz (musik+ und Osterfestival Hall), Maria-Luise Mayr (Klangspuren Schwaz), Franz Schreyer (Komponist und Grundschullehrer mit Schwerpunkt Musik), Sebastian Themessl (Komponist) und Michael Cede (Querflötist) regten mit ihren unterschiedlichen Standpunkten von Anfang an das Publikum zur aktiven Teilnahme am Gespräch an.

Eines der wesentlichen Merkmale der „Neuen Musik“, sie darf auch „zeitgenössisch“ genannt werden, ist die stetige Selbstreflexion. Das Handeln der ProtagonistInnen gilt nicht als allein gültige Lösung einer musikalischen Problemstellung, es wird zur Diskussion gestellt. Auch professionelle MusikerInnen brauchen oft Tage, bis sie verstehen, wie das Werk tickt. Für Querflötist Michael Cede ist eben dies der wesentliche Reiz an der Arbeit mit zeitgenössischer Musik. Sie stimuliert die menschlichen Hirnwindungen. Das kann aber auch zur Schwierigkeit werden. Das Publikum will verstehen, was es hört, hat Angst davor, überrascht zu werden. Nicht zuletzt als Folge fehlender musikalischer Früherziehung bleibt dies ein Wunschtraum – was in der Diskussion zu einem weiteren Punkt führte: Die Basis für unser Musikverständnis wird in den Familien gelegt. Da Kinder dort aber nur in den seltensten Fällen mit Anspruchsvollem konfrontiert werden – noch seltener wird selbst gesungen und gespielt –, verfügen erwachsene Menschen oft über ein sehr eingeschränktes musikalisches Sensorium. Anspruchsvolle Musik wird so unverdaulich. Kann die Schule dieses Problem lösen? Nein. Weil diese im Großen und Ganzen ihrer kreativen Abteilungen beraubt wurde. In der Volksschule etwa stehen einer Musikstunde drei Stunden Sport gegenüber. Spätestens im Gymnasium werden Bildnerische Erziehung und Musikerziehung gegeneinander ausgespielt. In musikalischer Hinsicht bedeutet das – hier sind sich die DiskussionsteilnehmerInnen einig –, dass Österreich auf dem Gebiet des Musikunterrichts einem Entwicklungsland gleicht. Fazit: Wir ruhen uns auf den musikalischen Errungenschaften der Vergangenheit aus. Mozart mag ein Genie gewesen sein, trotzdem ist er seit 221 Jahren tot. Die musikalische Gegenwart muss wahrgenommen werden.

Die Diskussionsteilnehmer schlossen mit dem Appell, keine Scheu davor zu haben, zeitgenössische Konzerte zu besuchen, sich mit offenen Ohren und Lust auf Überraschungen neue Zugänge zur Musik zu ermöglichen. Also: Nehmen Sie Ihr musikalisches Schicksal selbst in die Hand.