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MOLEcafé

Das Verwirklichen von Schubladenideen

#08 2012 / Robert Gander

Das Label ak7 – Contemporary Design by Contemporary Artists agiert an der Schnittstelle von Kunst und Design. Es bewegt sich damit in der Tradition des Jugendstils, des Werkbundes und späterer Avantgardebewegungen. Vor dem Hintergrund von Massenproduktion und immer kürzerer Produktzyklen wird hier eine Gegenstrategie verfolgt. Zeit ist ein entscheidender Faktor für das Gelingen und die Qualität der Objekte des Labels – entworfen von namhaften KünstlerInnen und gefertigt von Tiroler Handwerkern. Nikolaus Opperer zieht ein erstes Resümee und erzählt, wie aus einer schon Jahre zurückliegenden Idee Wirklichkeit werden konnte, ob der Erfolg kalkulierbar ist und wie es jetzt weitergehen soll. Mit ihm sprach Robert Gander.

Du bist der Gründer des Design-Labels ak7. Wie lange existiert dieses jetzt?
Nikolaus Opperer: Offiziell gestartet sind wir 2010. Im Oktober 2010 haben wir im Wiener Museumsquartier, im sogenannten freiraum quartier 21 INTERNATIONAL, erstmals unsere 13 Objekte, die wir letztendlich gebaut haben, präsentiert. Die Idee ist schon wesentlich älter, ich hatte sie vor Jahren. Es war ein sehr persönlicher Wunsch, das zu machen. Ich bin seit vielen Jahren im Bereich der zeitgenössischen Kunst als Dienstleister tätig, das heißt, ich habe eine kleine Firma und wir machen Kunsttransporte und Ausstellungsaufbau. Meine Leidenschaft war aber immer Design. Ich sammle seit vielen Jahren altes Design, Vintage-Design. Objekte sind meine Leidenschaft und ich erstehe auch immer die Geschichte eines Stückes. Wenn ich ein Stück kaufe, dann mache ich Interviews mit den Menschen, von denen ich das kaufe. Ich habe eine nahe Beziehung zu solchen Dingen. Naja, ich mache es einfach gerne.
Und eines Tages hatte ich dann die Idee, diese beiden Dinge zu verbinden. Die einfache Idee war, zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler einzuladen, Objekte, Möbel oder Lampen zu entwerfen. Konkret begonnen haben wir 2009. Wir haben beim sogenannten Kreativen Handwerk, einem Förderprogramm des Landes Tirol, mitgemacht. Dort wurden wir von einer internationalen Jury ausgesucht.

Von der Idee, die schon Jahre zurückliegt, zur eigentlichen Gründung ist der Weg, abgesehen vom Finanziellen, wahrscheinlich nicht so einfach. Wie hast du diesen Sprung gemacht?
Da hast du sicher recht. Es gibt ja die berühmte Schublade, die wir alle haben, mit guten Ideen, die wir aber letztendlich nicht verwirklichen. Möglicherweise wäre das auch bei uns so gewesen. Es brauchte eine Initialzündung und das war bei uns das Ja dieser Jury. In dem Moment, als wir ausgesucht wurden, sind wir auch nicht mehr ausgekommen. Es ist aber nicht so, dass diese Förderschiene alles zahlt. Du musst zumindest immer 50 Prozent selber beitragen. Das ist also trotzdem ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Zudem wird nicht jeder Posten gefördert, wodurch der größere Teil immer bei dir selbst bleibt.
Warum bist du dieses Risiko eingegangen?
Das ist wahrscheinlich einfach meiner Leidenschaft für Design zuzuschreiben. Es war der Zeitpunkt, eine dieser Schubladenideen herauszuholen und zu verwirklichen. Es hat einfach etwas gemacht werden müssen. Für mich persönlich. Es war nie als Geschäftsidee angedacht. Geschäftsideen gibt es vielleicht bessere. Langfristig soll sich das Projekt aber selbst tragen und irgendwann auch mal etwas abwerfen.

Wie ist das Label aufgestellt, wer arbeitet mit?
Wir sind ein kleines Team. Neben mir als Projektleiter gibt es zwei wichtige Personen. Das ist Tereza Kotyk, die vor allem für kuratorische Belange zuständig ist, und Verena Konrad, die offiziell die Pressearbeit macht, aber natürlich auch inhaltlich viel beiträgt.
Ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Projektes ist das Handwerk. Wir versuchen nicht, möglichst kostengünstig zu produzieren. Wir suchen kleine Handwerksbetriebe und wollen ihnen die Zeit geben, diese Dinge wirklich mit viel Liebe zu produzieren. Die Handwerker haben enorm viel zum Gelingen des Projektes beigetragen. Sie haben unglaublich schöne Dinge produziert aus wunderbaren und ungewöhnlichen Materialien.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und KünstlerInnen, und spielst du dabei eine Rolle?
Die Künstlerinnen und Künstler haben totale Freiheit in dem, was sie machen. Ich sage da nicht etwa, ein Schreibtisch wäre schön oder so etwas. Ich gehe auf die Künstler zu und frage, ob sie eine Idee haben und mitmachen wollen. Es hat bisher auch niemand abgelehnt, den ich fragte. Viele hatten sich auch bereits mit solchen Themen auseinandergesetzt. Dann kommen die ersten Entwürfe und man sieht, welche Handwerksbetriebe man zur Umsetzung braucht, ob man zu einem Tischler geht wie Peter Holzer oder zu einem Schlosser wie Dietmar Winkler. Ich zeige den Handwerkern die Entwürfe, danach kommt es aber schon zu einem gemeinsamen Treffen zwischen Künstlern, Handwerkern und unserem Team. Ab da entwickelt man die Objekte gemeinsam, vor allem was die Materialität und die Funktionalität betrifft. Den Künstlern ist das Werk wichtig und mir sind auch die Funktionalität und die „Gebrauchbarkeit“, wenn man das so sagen kann, wichtig. Die Zusammenarbeit zwischen den Künstlern, vor allem, wenn sie in Österreich wohnen, den Handwerkern und uns von ak7 ist also eine sehr enge und direkte. Und sie ist auch unkompliziert. Für die Handwerker ist die Kunst nicht fremd und für die Künstler das Handwerk nicht. Es war ja auch oft der Fall, dass ein Künstler schon mal einen Prototyp von einem Möbel gebaut hatte für sich als Ateliertisch beispielsweise.


Wie ist es dir gelungen, dass von Anfang an namhafte internationale KünstlerInnen mitmachten?
Da hatte ich den Vorteil, dass ich viele Künstler schon seit Jahren durch meine Arbeit kannte. Diese sehr bekannten Künstler stellen dir sozusagen ihren guten Namen zur Verfügung und müssen natürlich Vertrauen zu dir als Person und vor allem zu dem, was du machst, haben.
Die erste Kollektion haben wir mit neun Künstlerinnen und Künstlern gemacht: Lois Weinberger, Esther Stocker, Erwin Wurm, Ulrike Lienbacher, Shilpa Gupta, Pavel Büchler, Martin Walde, Sissi Farassat und Maeve Rendle.

Das Projekt ist sehr erfolgreich und wird nicht nur national, sondern auch international gut rezipiert. Hättest du dir das erwartet?
Ich bin total glücklich mit dem, was wir erreicht haben, weil wir eine unglaubliche Resonanz erzielt haben. Wir sind viel publiziert worden und hätten theoretisch auch medial zerrissen werden können.
Der erste Schritt war, dass wir auf die Welt kommen und diese Objekte präsentieren. In einer zweiten Phase entwickeln wir jetzt Strategien, wie und wo wir die Dinge verkaufen können, wie wir uns eine Sammler- klientel aufbauen können. Denn wir sind ja keine Galerie mit bestehendem Kundenstock. Es gibt in diese Richtung schon Erfolge, wir haben schon einiges verkauft.

Welche Strategien sind das, die ihr verfolgt?
Wir haben ja von jedem Objekt mindestens ein Stück gebaut. Ich will, dass die Dinge ständig irgendwo gezeigt werden. Mein Lieblingsmodell ist, dass das Gesamtpaket, also die Ausstellung, ständig auf Tour ist. Das scheint auch zu funktionieren. Wir sind gerade in Kontakt mit einem großen deutschen Museum. Es ist sehr interessant und erfreulich, dass während wir nachdenken, was wir tun können, um an die Öffentlichkeit zu kommen, viel passiert ohne unser Zutun. Wir werden also oft eingeladen. Wir sind gerade auf einer Messe in Wien mit einer Sonderschau gewesen, wir sind jetzt auch eingeladen worden, an der großen Designauktion am Wiener Dorotheum mit zwei Objekten teilzunehmen.

Ist geplant, eine zweite Kollektion herauszubringen?
Ja, ak7 ist ein Label, kein Projekt. Was ich damit sagen will, ist, dass es eine dauerhafte Geschichte werden soll. Unser ehrgeiziges Ziel ist, ak7 international als Label zu etablieren, als Label, das ausschließlich für sogenannte KünstlerInnenobjekte oder -möbel steht. Das heißt, jedes Jahr werden neue Künstler eingeladen und wir werden wieder neue Objekte bauen.

Wann wird man neue Objekte sehen?
Das wird relativ bald geschehen, da wir es ja nicht mehr so wie am Start machen, mit vielen Künstlern und vielen Objekten, sondern es kommt immer wieder etwas dazu. Das heißt innerhalb des nächsten halben Jahres werden ein, zwei neue Objekte gebaut werden.

Ist geplant, so etwas wie einen Schauraum, einen Ausstellungsraum einzurichten?
Längerfristig wünschen wir uns das natürlich schon. Da sind wir aber auch noch am überlegen, was der beste Standort wäre. Ursprünglich wollten wir mal nach Wien. Aber jetzt muss ich sagen, Innsbruck ist eigentlich auch nicht uninteressant, von der Lage her ist es ideal. Aber letztendlich wird es halt doch Paris oder London sein. [lacht]