Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Unplugged und ohne Subventionen

Zum zweiten Mal verwandelt sich heuer im Sommer die historische Altstadt Hall in eine Freiluft-Theaterbühne. Die Haller Gassenspiele, vom gebürtigen Haller Schauspieler, Regisseur und Produzenten Alexander Sackl gegründet, beleben die Tradition des Volkstheaters in Hall neu. „Die Idee der Haller Gassenspiele geistert bei mir schon seit einigen Jahren herum“, erklärt Sackl, der als freier Schauspieler, Musiker und Komponist in Hall lebt. Irgendwann sei es einfach auf der Hand gelegen, seine Leidenschaft fürs Theater mit jener zu seiner Heimatstadt und ihren „sagenhaften Plätzen, Gassen und Winkeln“ zu verbinden und in Hall ein jährliches Freilufttheater zu installieren, was ihm mittels der tatkräftigen Unterstützung von Michaela Wurzer, Markus Knauseder und Martin Posch letzten Sommer dann schließlich auch gelang.

Mit Molière zurück zu den Wurzeln.
Stand letztes Jahr eine Uraufführung, Die Tschurtschental-Saga von Thomas Gassner, auf dem Programm, wird heuer George Dandin oder der betrogene Ehemann von Molière in einer Bearbeitung von Alberto Fortuzzi und Winni Victor zu sehen sein. Die Wahl eines älteren Stücks ist dabei kein Zufall, denn, so Initiator Sackl, der auch Regie führt: „Wir gehen damit sozusagen zurück zu den Wurzeln des Volkstheaters und spielen dieses Stück auch im Stil der Commedia dell’arte.“ Ganz in diesem Sinne verzichtet das Gassentheater bei den Aufführungen auch auf elektrisches Licht oder auf Verstärker. Wobei der Rückgriff auf „Unplugged-Theater“ zumindest teilweise auch aus fehlenden finanziellen Ressourcen resultiert: Nachdem im ersten Jahr bewusst
versucht wurde, ohne öffentliche Gelder zu produzieren und sich ausschließlich über Privat-Sponsoren zu finanzieren, war einiges an Kreativität gefragt, um die Produktion überhaupt zustande zu bringen. Also entschied man sich für Kerzen und Fackeln statt Glühbirnen und Live-Musik ohne Verstärker statt Einspielungen. „Dadurch entsteht auf diesen mittelalterlichen Plätzen eine wunderbare Atmosphäre, von der wir uns inspirieren lassen“, schwärmt Sackl.

Erfolg beim Publikum, aber keine Subventionen.
Diese besondere Atmosphäre weiß auch das Publikum zu würdigen: Über 1.100 BesucherInnen konnten die Haller Gassenspiele bereits in ihrem ersten Jahr verzeichnen. Stolz auf diesen Erfolg versuchte man heuer bei der Stadt Hall doch um Subventionen anzusuchen, um vor allem die mitwirkenden Profis, die neben AnfängerInnen und ambitionierten Laien das Ensemble komplettieren, auch bezahlen zu können. Die Bemühungen blieben jedoch erfolglos, und so arbeiten nach wie vor Ensemble und Organisationsteam für geringe Aufwandsentschädigungen – dafür mit umso mehr Engagement. Entsprechend ambitioniert klingen auch die Pläne für die Zukunft der jungen Initiative – trotz der knappen finanziellen Ressourcen: Jährlich soll die Haller Altstadt neu bespielt werden, sollen an unterschiedlichen Plätzen alte Stücke in neuer Bearbeitung ebenso wie Uraufführungen produziert werden, wobei man hofft, den Großteil des Ensembles halten zu können und gemeinsam die Qualität und Auslastung von Jahr zu Jahr zu steigern. – Und vielleicht lässt sich so dann ja auch irgendwann die Haller Stadtpolitik überzeugen, das Gassentheater zu fördern.

info
Haller Gassenspiele

George Dandin oder der betrogene Ehemann
von J.B. Molière

Premiere: 13. Juli 2012, 20.15 Uhr,

Weitere Termine: 15./19./20./21./22./26./27./28./29. Juli und 2./3./5. August 2012, Ostplatz der Haller Pfarrkirche, Hall in Tirol.
Bei Schlechtwetter: im Szenario Tirol (Lobkowitzgebäude), Saline 15, Hall in Tirol.

Weitere Info und Karten:
www.gassenspiele.at
karten@gassenspiele.at, Tel. 0680/3309155