Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Güner Onurlu

#09 2012 / Evelin Stark

Er ist „Vollblutinnsbrucker“, und Wilten ist seine Homebase. Güner Onurlu lebt und arbeitet hier und ist einer der ganz besonderen Gastwirte in dieser Stadt. 1964 in Ankara als Sohn kurdischer Eltern geboren, die Kurdistan hinter sich lassen mussten, kam er 1984 nach Innsbruck als erster anerkannter politischer Flüchtling des Landes. „Es wurde immer schwieriger in der Türkei als Kurde zu existieren und sich für kurdische Themen stark zu machen“, erzählt er. In der Türkei wurde er verurteilt und musste flüchten.
Anfangs arbeitete Onurlu als Reinigungskraft, Abwäscher und Kellner in Hotels, bis er vor zwölf Jahren seinen Traum vom eigenen Café verwirklichte: das Ararat. Erst war es in der Templstraße, seit einigen Jahren ist die Schöpfstraße 6b die Adresse, an der jeden Freitag live Jazz genossen werden kann und eine Ausstellung nach der anderen stattfindet. „Bis jetzt hatten wir mehr als 200 Ausstellungen und ich bin bis Frühling 2013 ausgebucht“, freut sich Onurlu, der in seinem Gästebuch stolz eine Zeichnung des verstorbenen Paul Flora herzeigt. Wenn gerade keine Ausstellung stattfindet, hängt er Bilder aus seiner Privatsammlung auf – von jeder Ausstellung konnte er ein Bild als Erinnerung behalten, und so erhält man einen Einblick in die vielen Jahre harter Arbeit, die er in die Unterstützung der KünstlerInnen gesteckt hat.
Als politischer Mensch nimmt Onurlu  immer wieder aktiv am Geschehen in seiner „dritten Heimat“ (Kurdistan und Türkei sind die ersten beiden) teil. Bei der diesjährigen Stadtgemeinderatswahl in Innsbruck hat er die KPÖ unterstützt, denn im Herzen, so sagt er, sei er Marxist, und das wüssten auch alle. PolitikerInnen aller Parteien verkehren im Ararat, kennen und schätzen Güner Onurlu und genießen die Gastfreundschaft des kurdischen Wirtes. „Ich war nie Kofferträger, hatte es nie nötig, einer Partei hinterherzulaufen und die Akten zu tragen“, sagt er und sieht es als Pflicht eines jeden Bürgers, einer jeden Bürgerin, die PolitikerInnen zu beobachten und sich mit ihnen zu unterhalten. Das macht er, und sie kommen alle gern zu ihm, denn seine Tür steht für alle offen. Seine Devise ist: „Semmeln kann man sich in der Bäckerei holen, Politiker in der Partei.“