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Tki Glosse: Armutsfalle Kulturarbeit

#09 2012 / Klemens Pilsl

Kulturarbeit – das klingt doch herrlich! Junge, gut ausgebildete Menschen mit Smartphones arbeiten selbstbestimmt an Projekten, vermitteln gesellschaftliche Zusammenhänge und ermöglichen Kunst, die ja bekanntlich unsere letzte Hoffnung ist – ein essentieller Beruf für das 21. Jahrhundert!

Die Realität sieht leider oft anders, beschämend aus. Abgesehen vom kleinen Segment der gut abgesicherten Beamtenschaft in den staatlichen Institutionen sowie einigen erfolgreichen Kulturmanagern und Kunstverwaltern gilt der Kulturbetrieb als Armutsfalle. War es früher vor allem der initiative Sektor, die „freien Szenen“, die von der Hand in den Mund lebten, hat die Verwahrlosung der Arbeitsverhältnisse längst die Kultureinrichtungen der öffentlichen Hand erreicht: deren Institutionen sind mittlerweile die Motoren der Prekarisierung.
Die Waffen der Landesmuseen, Bundestheater, städtischen Festivals, Kulturbeamten und -politikerInnen: Werkverträge und freie Dienstverhältnisse. Diese sind billig, gelten in den Budgets als Sach- anstatt als (böse!) Personalkosten. Klingt harmlos? Für die KulturarbeiterInnen, die KunstvermittlerInnen, die Ausstellungsaufbauenden heißt das: kein Recht auf bezahlten Krankenstand, Urlaub oder Abfertigungen. Keine Interessenvertretung, keine Kollektivverträge, niedrigste Honorarsätze. Jederzeitige Kündbarkeit, selbstständige Steuerpflicht. Solche Dienstverhältnisse gelten deshalb zurecht als Armutsfalle.
Der Kulturarbeiter, die Kreative, das Ein-Personen-Unternehmen, der prekär Beschäftigte in Institutionen? Der Typus vom engagierten, flexiblen und auf Unsicherheit spezialisierten Menschen ist zum Vorbild geworden. Unter dem Schlagwort Flexibilisierung verlangen immer mehr Firmen von ihren ArbeitnehmerInnen diese Tugenden und sind nicht mehr bereit, für deren soziale Absicherung zu sorgen. Das im Kultur- und Kreativsektor mitentwickelte Modell Selbstausbeutung wird exportiert. Ein Grund mehr, endlich die verantwortlichen Beamten und PolitikerInnen in die Mangel zu nehmen. Vor allem aber auch die erstarrten Gewerkschaften und Kammern – die sich allzu oft immer noch für unzuständig erklären. Höchste Zeit, umzudenken! Fair Pay – sowohl für freie Kulturarbeit als auch in den staatlichen Kulturinstitutionen!

Klemens Pilsl arbeitet als stv. Geschäftsführer
bei der KUPF – Kulturplattform OÖ