Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Clemens Aufderklamm

#10 2013 / Evelin Stark

write drunk, edit sober.

Er schreibt das, was wir sehen. Streiten sich zum Beispiel Dr. Jo Gerner und seine Zweckehefrau Katrin in Gute Zeiten, schlechte Zeiten mal wieder über die Fehltritte ihrer außer- und innerehelichen Kinder, so stammt dieser Dialog aus seiner Feder. Wenn in der Wohngemeinschaft aus Mitten im 8ten, der ehemaligen ORF-Soap, der Tiroler Bewohner, der nebenbei den Nachnamen unseres Protagonisten trägt – nämlich Aufderklamm – mal wieder versucht, sich an seine Mitbewohnerin Verena heranzupirschen, so ist er einer derjenigen, der ihn erneut kläglich scheitern lässt. Und Lisa Plenskes liebenswert tollpatschige Art sich in Verliebt in Berlin vom Mauerblümchen zur attraktiven und toughen Frau zu entwickeln, ist auch ihm zu verdanken, Clemens Aufderklamm: Fernseh- und Filmautor aus Tirol, lebt und arbeitet in Berlin.
Aufgewachsen ist Clemens Aufderklamm im Innsbrucker O-Dorf. Dort begann sein kurviger Werdegang: „Akademisches Gymnasium Angerzellgasse, dann HTL – die hatte vor allem den Vorteil, dass mein Vater dort nicht unterrichtete. Dann Politikwissenschaft und das, was alle damals studiert haben, die nicht wussten, was sie studieren sollten: Fächerbündel. Irgendwas mit GEIWI halt.“ Obwohl er nie wirklich Schauspieler werden wollte, absolvierte er die Schauspielschule im Innsbrucker Kellertheater und fing dann an,
Theaterstücke zu inszenieren und Stücke zu schreiben. Er gründete sogar mit Freunden ein eigenes Theater namens Provinz, das von 1994 bis 1997 bespielt wurde und insgesamt 13 Eigenproduktionen zeigte. Weiter in der Biografie: „Nach einem einjährigen Intermezzo beim Radio bin ich mit Ernst Gossner nach Los Angeles gegangen. Dort habe ich ein Jahr an der UCLA studiert, Kurzfilme gemacht und bin dann nach Berlin gezogen.
Da ich schreiben wollte und das am liebsten in meiner Muttersprache, war das die logische Konsequenz.“
Als seine momentanen Haupteinflüsse nennt er seinen E-Book-Reader und US-amerikanische Fernsehserien. Seine Ideen, so Aufderklamm, holt er sich vom Zuschauen und Zuhören, im realen Leben und im Erzählten: „Früher hab ich immer gefürchtet, irgendwann gehen mir die Ideen aus. Jetzt merke ich: Je mehr Ideen ich gehabt habe, desto
ideeiger werde ich.“ Für die Ideenvielfalt hilfreich sei neben einer katholischen Kindheit in Tirol auch das Leben in einer Stadt wie Berlin.
Übrigens schreibt Aufderklamm nicht nur fürs Fernsehen. Ein aktueller Film, der im Herbst 2013 in die Kinos kommt und bei dem er das Drehbuch geschrieben hat, ist Der stille Berg des Tiroler Regisseurs Ernst Gossner.
Jener Gossner, mit dem er damals nach L.A. ging. Den Prozess des Schreibens skizziert Aufderklamm so: „Hemingways Satz ‚write drunk; edit sober‘ beschreibt schön die beiden Seiten der Schreibarbeit. Den Rausch der ersten Fassung, wenn man Geschichten vor sich hin träumt und dabei mitschreibt. Doch die Arbeit danach, das Umschreiben, das kann ganz schön nüchtern sein.“