Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Dominique Hurth

#10 2013 / Magdalena Dreschke

Ich treffe Dominique vor dem Goldenen Dachl. Vor uns ragt der große, mit Lichtern geschmückte Weihnachtsbaum in die Höhe. Wir sind uns einig und entscheiden uns für einen gemütlichen Kaffee. Schon vor der Bestellung sind wir mitten im Gespräch. Dominique Hurth ist in Colmar/Frankreich geboren. Derzeit lebt und arbeitet sie in Berlin. Seit Oktober 2012 ist sie am International Fellowship Program des Künsterhaus Büchsenhausen beteiligt. Dominique Hurth genießt ihren Aufenthalt in Innsbruck, das Umfeld der Kleinstadt sowie die Ruhe und den Raum des Künstlerhauses.

Die Faszination an historischen Narrationen führt Dominique Hurth zur Kunst. Und schon bald macht sie diese, nach abgeschlossenen Ausbildungen an der Saint Martin’s School of Art in London, der Universität der Künste Berlin sowie der École Nationale Supérieure des Beaux-arts in Paris zu ihrem Beruf. Ihr Fortkommen ist zielstrebig, ihr Lebenslauf
gefüllt mit zahlreichen Auslandsaufenthalten. Hurth bewirbt sich erfolgreich für Stipendien in den Niederlanden, Frankreich und Spanien. Förderungen wie diese geben ihr den Raum und vor allem die finanzielle
Unterstützung, um sich auf ihre Arbeit konzentrieren zu können. In den letzten Jahren entstanden zahlreiche Ausstellungen und Projekte, jüngste sind La Triennale – Intense Proximity, Palais de Tokyo, Paris (kuratiert von Okwui Enwezor), sowie Aber wir sind der sprache scheißegal, Archive Books Berlin (gemeinsam mit Skriptings, Achim Lengerer).
Dominique Hurth begegnet ihrer Kunst, so wie sie den Dingen um sich herum begegnet: mit Neugierde. Ihre Aufmerksamkeit wird angezogen von Objekten und Ereignissen, die
von der Vergangenheit erzählen. Alte Dokumente, etwa Zeitungsartikel oder Fotografien, bilden den Ausgangspunkt ihren skulpturalen Arbeiten. In Texten und Installationen übersetzt und integriert sie das gefundene Quellenmaterial. Hurth wählt für ihre Darstellung die Formate Ausstellung, Publikation und Lesung. In diesen findet sie die Möglichkeit, den Gegenständen und Geschichten einen entsprechenden Rahmen zu geben.
Vorstellen kann man sich das etwa so. Für die Arbeit des Fellowship-Programms wählt die Künstlerin die Publikation.
In ihrem Buch zeigt sie historisches Bildmaterial, das sie über die letzten fünf Jahre hinweg gesammelt hat. Die Abbildungen reihen sich als Montage aneinander. Sie erzählen eine Geschichte, die nicht ausschließlich linear zu lesen ist. Hurth folgt dem Gedanken der Präsentation und Rezeption. Sie installiert die Publikation als Ausstellungsraum und stellt folgende Fragen: Liest der Besucher das Kunstbuch wie eine Ausstellung? Folgt er dabei dem üblichen Code, indem er von links nach rechts liest? Es gibt keine Vorgaben. Das Blättern wird beliebig. Das Buch bekommt eine neue Rolle. Die Künstlerin macht den Leser zum Autor der Geschichte. Das gesammelte Bildmaterial entfaltet sich im Hintergrund. In den Mittelpunkt rückt der Moment, in dem die Abbildungen eine neue Geschichte erzählen.
Dominique greift nach ihrem Zuckerpäckchen und lacht. „Ja, so könnte man meine Arbeitsweise beschreiben. ,Der Steinbock steckt sich ein Ziel und arbeitet hart daran, es zu erreichen. Erst wenn die Arbeit getan ist, erlaubt er sich auch mal zu entspannen.‘“