Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Kamil Szlachta

#10 2013 / David Schreyer

> 30.1.2013, 20:00, Innsbruck, p.m.k. -> beim MOLE10er Release Fest

1. Geographische und künstlerische Wurzeln?
Das karge Oberland. Aber Wurzeln schlagen sollte man nicht. Deshalb versuche ich, möglichst viel unterwegs zu sein. Auch musikalisch sollte man nie Wurzeln schlagen. Aber irgendwo fangt man ja an zu hören. Und dann arbeitet man sich meistens eben zu den Wurzeln zurück. Und da hab ich die Musik von einem Blinden, der im Schnee mit einer Herzmuskelentzündung erfroren ist, entdeckt. Und dann alles, was sonst mit Blues zu tun hat. Und dann arbeitet man sich wieder hoch. 

2. Was ist das eigentlich: „gute Musik“?
Das muss jede/r für sich entscheiden. Die Objektivität hört ja eigentlich bei der Feststellung auf, dass uns allen dieselben vier Akkorde gefallen. Aber das ist ja nur der kleinste gemeinsame Nenner. Für mich zum Beispiel ist ja der Text zumindest gleichrangig mit der Musik. Ich finde, dass Texte schon ein gewisses musikalisches Potential innehaben. Nicht nur vom Rhythmus her, Sprache hat auch eine Melodie. Deshalb muss man auf Deutsch auch anders singen als auf Englisch, sonst kann’s leicht mal peinlich werden. Und dann wären wir schon bei der schlechten Musik. Wenn was nicht zusammenpasst, wird’s meistens schlecht. Und wenn alles stimmig ist, gut.
Das ist dann auch unabhängig vom jeweiligen Genre.

3. Wo in Tirol würden Sie gern mal spielen?
Ich hab ja ein Lied, das heißt Schacht No.7. Und im Text liegt besagter Schacht in den Zementbetrieben. Allein des Reimes wegen. Jetzt hab ich im Netz entdeckt, dass es in Neu-Arzl wirklich einen Stollen Nr. 7 gibt. Ein Luftschutzbunker. Und der ist wo? Bei einer Baufirma. Das kann kein Zufall sein! Im Moment ist der angeblich nicht zugänglich, dürfte aber eine gewaltige Anlage sein ... Da.

4. Welches Konzert würden Sie nicht mal um viel Geld ansehen?
Für Geld macht man ja so einiges. Und demnach für viel Geld noch mehr. Da schließe ich jetzt mal gar nix aus. In der Frage ist ja keine Ohropax-Klausel. Und als soziale Feldforschung betrachtet, geht ja eigentlich eh alles.

5. Mit wem würden Sie gern zusammen spielen?

Ich hab mal geträumt, dass ich mit Eric Clapton im Treibhaus spiel ... Das hab ich also schon abgehakt. Und in echt spiel’ ich am liebsten mit meinem Bruder Jerzy am Schlagwerk, Majster Ploc am Bass und Frajo dem Fisch an der Zugin. Und wenn ich mir noch ein zweites Dreamteam basteln könnte, dann wären sicher der Dr. Kurt Ostbahn, Tom Waits und Jack White der Dritte mit drin. Und am Schlagzeug das Tier aus der Muppetshow. Was für eine Combo!

6. Musikempfehlung?
Berd Begemann schreibt tolle Lieder mit deutschen Texten. Rainald Grebe auch. Und das, obwohl er eigentlich Kabarettist ist. Die Jon Amor Bluesgroup ist sicher was für diejenigen, die schon alles von den Black Keys haben. Bei Fiona Apple weiß ich nie, ob die nicht eh schon alle kennen. Jedenfalls absolut zu empfehlen.
Für die Musik vom Kaizers Orchestra lohnt es sich sogar, Norwegisch zu lernen. Turner Cody und Sean Hayes können auch wunderschön musizieren.
Aber meine eigentlich Empfehlung ist: Kauft euch Musik. Nix gegen das Runterladen. Das Internet ist ein toller, riesiger Plattenladen, und spätestens seit den Streamingplattformen die mit -fy enden, ist sowieso alles gratis. Und die wahren Diebe scheffeln Millionen. Außerdem haben sich Leute, die was runterladen, das eh verdient, weil die meisten, wenn sie’s hören, in meinen Augen Mundpropaganda-Werbeträger werden. Und wenn sie’s nicht hören, dann hätten sie’s auch nie gekauft. Warum also doch kaufen? Seht es als Versicherung. Nämlich, dass ihr euch auch wirklich mit der Musik auseinandersetzt. Überlegt euch mal, wie viel großartige Musik auf euren Festplatten rumgammelt, ohne gehört zu werden. Schade drum. Aber wenn man zehn oder 20 Euro ausgibt, setzt man sich hin und hört sich die Musik wirklich an. Schließlich hat man ja dafür bezahlt. Cover und Booklet gibt’s auch noch dazu. Alles gut.

7. Was machen Sie während des Musizierens mit Ihren Beinen?

Hah. Manchmal emphatisch aufstampfen. Aber das geht nicht auf allen Bühnen. In Mikes Werkstatt in Wien hab ich mal fast ein Loch reingemacht. Mike hat schon bös geschaut. Obwohl Holzbühnen sich da ja viel besser eignen als Beton und so. Aber die Frage ist gut, weil einem viele im Publikum wirklich auf die Füße schauen. Wenn ich meine schwarzweißen Schuhe anhab, fragen mich mehr Leute danach, wo ich die her hab, als wo man meine Alben kaufen kann. Vielleicht zieh ich deshalb jetzt meistens die rein schwarzen an. (Die andern hab ich übrigens in einem Laden in Harlem gekauft.)