Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Tiefer, grabt tiefer den Graben ...

#10 2013 / Marty Huber

BeobachterInnen von Kulturbudgets und auch anderen Geldtöpfen wundern sich manchmal, wie es in Zeiten der Dauerkrise ganz plötzlich Geld gibt, das anderswo so gar nie locker von der Hand geht. Wer, wenn nicht die Finanzministerin Maria Fekter selbst, muss wissen, wo die Geheimreserven zu finden sind.

Die ÖVP-Politikerin machte im vergangenen Jahr munter Kulturpolitik: Sie vercheckt schon mal das ehemals vom Finanzministerium benutzte Stadtpalais als zukünftiges Barockmuseum an Agnes Husslein, ihres Zeichens Direktorin des Belvedere. Claudia Schmied, eigentlich zuständig, nickt das Vorhaben brav ab unter der Voraussetzung, dass das Finanzministerium die Kosten trägt. Unerwähnt bleibt, dass das Budget des Finanzministeriums ja auch nur mit Steuergeld arbeitet, was bleibt, ist ein weiterer Schritt zur Musealisierung Österreichs.
Ein paar Kilometer weiter in Tirol wurde munter der größte Orchestergraben der Welt gebuddelt. Die Festspiele Erl können sich glücklich schätzen, neben dem Hauptmäzen Hans-Peter Haselsteiner, Bundes- und Landeskulturpolitik auf ihrer Seite zu haben. Für das Haus mit dem tiefen Graben werden jeweils von Land und Bund acht Millionen Euro an Investitionsausgaben beigesteuert, damit die Festspiele Erl nicht nur im Sommer stattfinden können, sondern auch im Winter. „Immerhin“ hatten die Festspiele bei der Sommerausgabe 18.000 BesucherInnen, gleichzeitig beklagt der Leiter Gustav Kuhn, wie sehr das Festival unterdotiert ist, werden doch die Festspiele in Salzburg mit 56.000 Euro und in Bregenz 100.000 Euro pro Veranstaltung subventioniert. Erl hingegen müsse mit 36.000 Euro pro Veranstaltung auskommen. Wir haben nachgezählt: Im Sommer waren es 25 Veranstaltungen, daraus ergibt sich ein Subventionsbeitrag der SteuerzahlerInnen von 50 Euro pro Karte. Immer noch eine stattliche Summe und den tiefsten Orchestergraben der Welt gibt es zur Hälfte aus öffentlichen Geldern oben drauf. Wie gesagt, man gönnt sich ja sonst nichts.

Marty Huber ist Sprecherin der IG Kultur Österreich