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Was ist Kultur

Allgegenwärtig. Das ist nicht nur Luft, sondern auch Kultur. Doch was ist Kultur? Keine einfache Frage, denn Kultur ist etwas Fließendes, und im ständigen Wandel der Zeit spiegelt sich Kultur in Kleidung, Essen und Sprache sowie in der Architektur, in der Kunst und in Bräuchen wider. Sie will uns Wissen über andere Welten, andere Länder und ihre Traditionen vermitteln – aber sie lässt uns den Blick auch auf das Eigene richten. Kultur ist das, was wir aus dieser Welt machen. Und deshalb ebenso wichtig wie Luft.
Kultur finden wir an jeder Straßenecke, und heutzutage gibt es auch viele Kulturangebote für Erwachsene und Kinder. Leider konzentrieren sich aber nur wenige auf die Interessen von Jugendlichen. Zu alt fürs süße Kindertheater, zu jung für viele Abendveranstaltungen und zu unerfahren für komplexere Darbietungen stehen Teenager oft in einem Kultur-Niemandsland, aus dem viele vielleicht nie mehr ausbrechen werden.
Diese Gefahr sehen auch KulturpolitikerInnen. „Je früher man mit Kultur konfrontiert wird, desto besser“, meinen sowohl Uschi Schwarzl und Mesut Onay von den Grünen als auch die Kulturlandesrätin Beate Palfrader im Interview. Denn nur so könne ein Bewusstsein für Kultur bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben. Stadträtin Patrizia Moser bringt einen weiteren wesentlichen Faktor ins Spiel, wenn sie auf die Rolle der erwachsenen Bezugspersonen hinweist. In der Realität seien es meist entweder die Eltern oder die Lehrpersonen, die Jugendlichen Wege zur Kultur aufzeigen würden – doch diese Wege müssten attraktiv und spannend sein, denn sonst bekommt Kultur rasch das Etikett „langweilig“ umgehängt.
Dass Jugendliche Kultur brauchen, aber auch dass Kultur Jugendliche benötigt, scheint klar. Doch welches sind die Kulturorte und wie gelangt man zu ihnen? Und was sagen Jugendliche selbst über das weite Feld der Kultur? Unsere Umfrage unter 112 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 ergab, dass die meisten mit dem Begriff Kultur Musik und Kunst sowie Literatur und Theater verbinden. Bekannt ist, dass Innsbruck über zahlreiche kulturelle Einrichtungen wie Museen, Theater oder Kinos verfügt. Die Diskrepanz zwischen Kennen und Nutzen ist jedoch auffallend. Denn nur knapp jede/r Zweite besucht tatsächlich kulturelle Einrichtungen. Immerhin 23% der Befragten nutzen ein- bis zweimal pro Woche ein Kulturangebot in ihrer Nähe. Besonders ansprechend finden sie dabei Kinobesuche, Konzerte und Theatervorstellungen. Wenig beliebt sind Museen oder Ausstellungen, da diese oft als ermüdend empfunden werden. Der Großteil der Befragten erlebt Kultur vorrangig mit der Schule oder der Familie, manchmal auch mit Freunden. Nur wenige besuchen Kulturveranstaltungen alleine, in der Gruppe sei es um einiges unterhaltsamer und interessanter. Im Rahmen der Umfrage wurde auch sichtbar, dass sich die meisten Jugendlichen mehr Konzerte und Kinos in Tirol wünschen. Kurz: Die Jugendlichen brauchen Orte, an denen sie gemeinsam mit ihren Freunden Spaß haben können.
Das Leokino ist dafür ein sehr gutes Beispiel, weil es Interesse bei der Jugend weckt, unterhaltsame, aber doch anspruchsvolle Filme zeigt.
Seit Jahrzehnten werden Städte durch Kunst und Kultur von Jugendlichen aufgewertet. Gleichzeitig gewinnen junge Menschen dabei an Kulturangeboten – eine echte Symbiose. In unserer Landeshauptstadt mag es zwar Angebote geben, doch wer über den Tellerrand der Tiroler Berge blickt, entdeckt, dass attraktive Kultureinrichtungen für junge Leute keine Seltenheit darstellen.
In Salzburg versucht vor allem der Verein akzente, Kultur für Jugendliche spannend zu machen. Hier werden Jugendliche selbst tätig, spielen Theater, adaptieren Stücke oder werden im Rahmen von musik mobil – einem Bus voller Instrumente – zu GestalterInnen ihrer eigenen Musik. Ähnliches passiert in Stuttgart, bei Radio Burgholzhof produzieren und moderieren Teenager ihre Sendungen selbst. Das Jugendradio Burgholzhof kann man sogar im Internet hören. Raus auf die Straße hingegen muss man in Salzburg, wenn man sich die Salzwand ansehen möchte. Dabei handelt es sich um Flächen, die für Graffiti-Bemalungen freigegeben werden. Die Stadt Salzburg bietet für die Jugendlichen sogar Sprayer-Workshops an. Man trifft sich, hat die Möglichkeit sich kennenzulernen und sein Graffiti-Wissen auszutauschen.
Jugendliche haben oft wenig mit Politik zu tun, aber in Stuttgart hat die Robert Bosch Stiftung mit der Hilfe des Renitenztheaters eine politische Kabarettwerkstätte für Jugendliche eröffnet. Die Jugendlichen haben dort die Möglichkeit, ihre selbst geschriebenen Texte mit der Hilfe von professionellen Kabarettisten zu bearbeiten. Durch die Arbeit an den Aufführungen erfahren die Jugendlichen, wie sehr Politik unseren Alltag beeinflusst und wie man mit ihr produktiv umgehen kann.
Einblicke in die Politik müssen jedoch nicht unbedingt aus dem Kabarett kommen. Auch das direkte Gespräch mit PolitikerInnen ist aufschlussreich, zumal, wenn sie in Kulturausschüssen sitzen und Kulturressorts leiten – und dabei sogar selbst literarisch tätig sind. Wie Beate Palfrader, die als Tiroler Kulturlandesrätin von ihren beiden Gedichtbänden erzählt, die sie um die Jahrtausendwende veröffentlichte. „Kultur“, so die Landesrätin, „ist kein Luxusartikel, sondern etwas, das jeder Mensch braucht.“ Sie selbst habe in ihrer Jugend mit Leib und Seele Theater gespielt, später begründete sie den Kulturverein Hopfgarten mit. Aus ihrer Sicht ist das Kulturangebot für Jugendliche in Tirol sehr vielfältig und attraktiv. Palfrader verweist auf das Kulturservice, das Landesjugendtheater sowie den Tanzsommer, der wie der Theaterverband laufend Workshops für Jugendliche veranstaltet. Auch das Musikschulwesen und das Internationale Filmfestival Innsbruck würden viele Jugendliche anziehen. Nicht weniger als 200.000 Euro werden jährlich vom Land Tirol für die Vermittlung von Kultur an Schulen aufgewendet.
Ein ganz auf Jugendliche zugeschnittenes Projekt planen die Innsbrucker Grünen um Uschi Schwarzl und Mesut Onay. Nach dem Vorbild der Stadtpotenziale geht es bei Meinungsmacher darum, Jugendliche für Kultur zu animieren, auch dafür, sich für ihre eigenen Ideen einzusetzen und ihr selbst erarbeitetes Konzept einer unabhängigen Jury zu präsentieren. Das Budget dafür soll bei etwa 50.000 Euro liegen und wäre somit ein guter Grundstein, um etwas Großes zu schaffen und viele Jugend-Kulturprojekte umzusetzen. Vielleicht könnte so aus Jugend und Kultur doch noch ein Paar werden – denn zurzeit finden Jugendliche das Kulturangebot eher nicht so cool. Wenn sie es überhaupt kennen. Dieses Problem ist auch Stadträtin Patrizia Moser bewusst, die feststellt, dass Jugendliche oft mit nicht altersgerechter Kultur konfrontiert werden. Die Folge ist, dass etwas eigentlich Vielfältiges, Schönes und Anregendes dann als langweilig, zu hoch und zu schwierig empfunden wird.



Kulturtagebucheinträge

Tief in unserem Inneren hatte doch jeder den Wunsch, Kultur auf eine vielfältige Weise zu erfahren. Bei der Ausstellung Musik aus der Dose hat jeder die Chance dazu. Man kann dort nicht nur alte Instrumente anstarren, sondern sie auch benutzen oder sich mithilfe einer einfachen Spielbox als Komponist seiner eigenen Melodie versuchen. Außerdem zeigt die Ausstellung, wie stark sich der Musikgeschmack seit der Erfindung der ersten „Instrumente“ verändert hat. (Philipp)

Voices ist eine Sammlung von Stücken, in denen teils musiziert, teils gesprochen wird. Es geht darum, wie unsere Stadt, wie Innsbruck klingt. Aufnahmen von ganz alltäglichen Orten, wie zum Beispiel dem Bahnhof oder einer Küche, wurden zusammengefasst, Musik dazu komponiert und literarische Texte geschrieben. Die Produzenten sind die Autorin Carolina Schutti und der Komponist Ralph Schutti. Mir gefällt die Idee dieser Sammlung recht gut. (Antonia)

Im Leokino sahen wir heute En el nombre de la hija. Der Film handelte von Manuela, einer jungen Kommunistin aus Ecuador, die einige Zeit bei ihren Cousins und den konservativen Großeltern verbringt. Hier muss sie lernen, dass Protest unter Kindern nicht unbedingt gut funktioniert und man sich auch anpassen muss. Der Film fühlte sich entgegen meiner Erwartung nicht sehr lange an, denn die ernsten Themen wurden gut durch die Kinder aufgelockert. Das Ende des Films ließ einen vor einer Frage stehen, die es für jeden selbst zu beantworten gilt, was mir gefiel. (Matthias)

Heute kam die Erzählerin Jana Raile. Sie erzählte uns einige Geschichten und Märchen. Am besten gefiel mir das vom Bauern, seiner Tochter und dem König – das Mädchen war so klug, dass sie immer ihr Ziel erreichte. Gegen Ende der Stunde erzählte Jana Raile noch von ihrem Leben – sie ist 43 Jahre alt und schon seit 20 Jahren Erzählerin! Mir gefiel diese Stunde gut, denn sie war unterhaltsam und Jana hat passende Märchen für unser Alter ausgesucht. (Daniela)



Die Bürgermeisterin im Interview


Wie würden Sie Kultur definieren und was bedeutet Kultur für Sie persönlich?
Christine Oppitz-Plörer: Kultur ist für mich eine sehr wichtige Bereicherung des Lebens. Sie hat mit Hören, Sehen und Selbst-aktiv-Werden zu tun. Für mich ist Kultur sozusagen der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Kultur ragt auch über die Grundbedürfnisse hinaus. Sie fördert den menschlichen Geist und ist eine ganz hohe Stufe des Zusammenlebens. Kultur trägt zur Entwicklung von Menschen jeden Alters bei und ist das, was in einer Gesellschaft unverzichtbar ist.
 
Wie wichtig finden Sie es, dass Jugendliche mit Kultur konfrontiert werden?

Dies ist unverzichtbar für mich und ich würde mir wünschen, dass es gerade in den Schulen mehr Angebote gibt, an denen man auch aktiv teilnehmen kann. Wie zum Beispiel Schultheater, da kann man Geschichte unterbringen, da kann man Deutsch unterbringen, da kann man Teamfähigkeit beibringen. Das sind alles Sachen, die man auf diese Art und Weise sonst nur schwer erlernen kann und die aber nachhaltig sehr wichtig sind. Außerhalb ist das Angebot sehr groß, wird jedoch noch fast nicht in Anspruch genommen.

Inwiefern haben Sie in Ihrer Jugend Kultur erlebt und was hat sich seitdem am Kulturangebot für Jugendliche verändert?

Es hat sich seitdem sehr viel verändert. Gerade im Bereich der kleineren Theater oder der sogenannten freien Szene, wo es auch im öffentlichem Raum Kunst und  Kultur gibt. In meiner Jugend hat es nur die großen Theater und die Konzerte gegeben. Die kleineren Angebote waren jedoch noch lange nicht so ausgeprägt wie heute.

Welche Kultur-Angebote in Innsbruck speziell für Jugendliche finden Sie besonders attraktiv?
Das Treibhaus gehört da natürlich dazu, aber es gäbe auch kleinere Theater, die vielleicht eher noch einen Zugang zu Jugendlichen finden. In den großen Einrichtungen wie dem Landestheater hängt es von Saison zu Saison ab, was gerade für ein Stück oder Konzert angeboten wird, ob dieses für Teenager interessant ist oder nicht. Sonst auch die freien Einrichtungen wie die p.m.k. oder Die Bäckerei in der Dreiheiligenstraße – um nur zwei aus einer ganzen Liste an Angeboten zu nennen.

Wie würden Sie Kultur definieren und was bedeutet Kultur für Sie persönlich?
Christine Oppitz-Plörer:  Kultur ist für mich eine sehr wichtige Bereicherung des Lebens. Sie hat mit Hören, Sehen und Selbst-aktiv-Werden zu tun. Für mich ist Kultur sozusagen der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Kultur ragt auch über die Grundbedürfnisse hinaus. Sie fördert den menschlichen Geist und ist eine ganz hohe Stufe des Zusammenlebens. Kultur trägt zur Entwicklung von Menschen jeden Alters bei und ist das, was in einer Gesellschaft unverzichtbar ist.

Wie wichtig finden Sie es, dass Jugendliche mit Kultur konfrontiert werden?
OP: Dies ist unverzichtbar für mich und ich würde mir wünschen, dass es gerade in den Schulen mehr Angebote gibt, an denen man auch aktiv teilnehmen kann. Wie zum Beispiel Schultheater, da kann man Geschichte unterbringen, da kann man Deutsch unterbringen, da kann man Teamfähigkeit beibringen. Das sind alles Sachen, die man auf diese Art und Weise sonst nur schwer erlernen kann und die aber nachhaltig sehr wichtig sind. Außerhalb ist das Angebot sehr groß, wird jedoch noch fast nicht in Anspruch genommen.

Inwiefern haben Sie in Ihrer Jugend Kultur erlebt und was hat sich seitdem am Kulturangebot für Jugendliche verändert?
OP: Es hat sich seitdem sehr viel verändert. Gerade im Bereich der kleineren Theater oder der sogenannten freien Szene, wo es auch im öffentlichem Raum Kunst und  Kultur gibt. In meiner Jugend hat es nur die großen Theater und die Konzerte gegeben. Die kleineren Angebote waren jedoch noch lange nicht so ausgeprägt wie heute

Welche Kultur-Angebote in Innsbruck speziell für Jugendliche finden Sie besonders attraktiv?
OP: Das Treibhaus gehört da natürlich dazu, aber es gäbe auch kleinere Theater, die vielleicht eher noch einen Zugang zu Jugendlichen finden. In den großen Einrichtungen wie dem Landestheater hängt es von Saison zu Saison ab, was gerade für ein Stück oder Konzert angeboten wird, ob dieses für Teenager interessant ist oder nicht. Sonst auch die freien Einrichtungen wie die PMK oder die Bäckerei in der Dreiheiligenstraße – um nur zwei aus einer ganzen Liste an Angeboten zu nennen.



Die 5d des BORG Innsbruck
Katharina Aigner, Anna Anranter, Lisa-Maria Auböck, Katharina Auer, Zuhra Begic, Gülcan Bozok, Ilayda Dogan, Raphael Eichler, Helin Erdem, Elias Felderer, Gülsüm Gökkurt, Eva Greier, Benedikt Haid, Denise Haidacher, Magdalena Hintner, Simon Hirschberger, Antonia Kanzian, Sarah Mildner, Magdalena Neurauter, Eva Penz, Sebastian Pichler, Linda Plunser, Elena Redl, Daniela Rimml, Esma Sahan, Jovana Scepina, Michael Siding, Anna Springeth, Matthias Staudacher, Yasemin Stöpp, Blasko Tomic, Philipp Wander, Daniel Zöhrer
Lehrer: Jens Nicklas