Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Ein Beitrag zur Tischkultur

#11 2013 / Johann Eder

Thomas Berktold fertigt aus französischem Porzellan Unikate an, die Freude machen sollen.

Essgeschirr, Vasen, Kerzenhalter und vieles andere mehr produziert Thomas Berktold in seiner Werkstatt in Innsbruck. Das Besondere daran: Er ist einer der wenigen, die Porzellan frei auf der Töpferscheibe formen. Die feinste der keramischen Massen wird im Normalfall gegossen, wodurch identische Massenware entsteht. Bei Berktold ist jedes Produkt ein handgefertigtes Einzelstück und jeder Handgriff das Ergebnis jahrelanger Erfahrung.
Das Material zu bezwingen, wie der autodidaktische Töpfer aus eigener Erfahrung weiß, kann mehrere Jahre dauern. Der Werkstoff ist weniger plastisch als etwa Ton, dafür bringt er andere Eigenschaften mit, aus der sich eine ganz besondere Formensprache ergibt. Die Stabilität und Transparenz des Rohstoffes aus Limoges machen die feinen Arbeiten, die man im Sortiment des Tirolers findet, überhaupt erst möglich.
Von der Ideenfindung bis zum Verkauf der fertigen Ware macht Berktold alles selbst. Mindestens 30 Stunden pro Woche verbringt er in seiner Werkstatt, wo jedes Teil von ihm selbst gefertigt wird. Vom „Erdklumpen“ zum Endprodukt sind es viele Einzelschritte, die jeder für sich die Hand eines geübten Fachmannes erfordern. Alleine die Entwicklung eines neuen Gebrauchsgutes dauert in der Regel mehrere Monate. Jeder Gegenstand muss in Bezug auf seine Sinnhaftigkeit und seine Funktionalität im Alltag geprüft werden. „Ein Geschirr zum Beispiel muss einiges können und vielseitig sein“, erklärt Berktold. Dabei gehe es nicht nur darum, was der Gegenstand kann, sondern ebenso darum, was der Gegenstand mit einem mache. Ein einfacher Teller könne dazu beitragen, ein tieferes Bewusstsein für die Ess- und Tischkultur zu entwickeln, der Prozess der Nahrungsaufnahme solle verlangsamt werden, weshalb das Essen und Trinken aus handgefertigten Gefäßen Sinn mache.
Berktold sieht seine Arbeiten nicht als Kunst-, sondern als Gebrauchsgegenstände: „Ich möchte, dass die Menschen das Handwerk sehen und über den Verkauf meiner Produkte meine Arbeitszeit entsprechend vergütet wird.“ Dennoch muss jeder Gegenstand innerhalb einer knapp bemessenen Zeitspanne fertig sein und die Effizienz der Arbeitsabläufe immer wieder durchdacht werden. Im Gegensatz zu maschinell erzeugter Industrieware, bei der kaum Arbeitszeit zu Buche schlägt, ist die Arbeit bei Einzelanfertigungen der Hauptkostenfaktor in der Produktion.
Zu Beginn seines Töpferdaseins überraschte ihn, wie viele Menschen, quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, sich für sein spezielles Handwerk interessierten. Mittlerweile bietet Berktold seine Waren mehrmals im Jahr auf Töpfermärkten im In- und Ausland feil, auf denen es nicht nur um den Verkauf, sondern auch um das Gespräch mit dem Endverbraucher geht. Wenn er gerade nicht
unterwegs ist, versucht er, mit seinen Händen und „einem Batzen Erde etwas Sinnvolles zu machen“ und empfängt Interessierte in seinem Schauraum im Viaduktbogen 132.