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MOLEcafé

„Ich glaube an mein eigenes Werk.“

#11 2013 / Roman Stelzl

Seit 30 Jahren arbeitet Lois Hechenblaikner an seinem Gesamtwerk.

Seit 30 Jahren arbeitet Lois Hechenblaikner an seinem Gesamtwerk – ein Teil desselben ist es, dem Ski-Tourismus den Spiegel vorzuhalten. Für viele ist der Tiroler Fotograf ein Nestbeschmutzer. In Wahrheit erfindet Hechenblaikner nichts. Er dokumentiert die blättrige Fassade der Tourismusindustrie. Sein Werk ist ebenso vielfältig wie die Natur, die er abbildet. Und das, was ihr mit Après-Ski-Hütten oder planierten Skipisten angetan wird: turmhohe Stahlbauten in der unberührten Landschaft, Unterhaltungs-Kolosse aus Licht, Holz und Gummi zur Massenbelustigung, Hunderte leere Bierflaschen, die Tirols weiße Skipisten dunkel färben, festgefrorene Schneestreifen, die im Frühling zwischen grünen Wiesen nichts als ein paar verirrte Touristen zurücklassen.
Hechenblaikners Fotografien haben über die Jahre hinweg einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er zeigt die Ski-Welt, die nicht annähernd so heil ist, wie sie sich gibt. Der Alpbachtaler, der selbst in einem Tourismusbetrieb aufgewachsen ist, tritt dem Ski-Tourismus und seinen unmittelbaren Auswirkungen unverblümt entgegen. Er will eine Realität aufzeigen, die andere nicht bemerken können oder wollen. Eine Welt, in der sich die Gier der Menschen und die Reinheit der Natur diametral entwickeln, in der der Preis für das Eingreifen in das klassisch unberührte Bild der Tiroler Berge ein hoher ist.
„Mich interessiert der Wechsel von der Landwirtschaft zur Gastwirtschaft. Es geht mir um die Gäste der Après-Ski-Lokale, die oft mit hinterlistiger Bauernschläue abgefüllt, bewirtschaftet und entwürdigt werden“, sagt Hechenblaikner. Während seine Arbeit hierzulande bestenfalls ignoriert wird, wird sie in Rest-Europa hoch geschätzt. „In Österreich herrscht ein professionelles Wegschauen. Meine Kunst läuft auf einer ganz anderen Betriebstemperatur. Deshalb platziere ich meine Arbeit im Ausland. Das ist ein beharrliches Weitermachen. Ich glaube an mein eigenes Werk.“ In Deutschland etwa arbeitet Hechenblaikner mit dem Bayerischen Rundfunk oder der Wochenzeitung Die Zeit zusammen. Seine bis dato größte Einzelausstellung Intensivstationen war bis vor kurzem im alpinen Museum in Bern zu sehen. Seine Fotobücher Hinter den Bergen und off piste sind vergriffen. Das 2012 erschienene Druckwerk Winter Wonderland ist im Buchhandel erhältlich.
Wir beschreiben die Arbeit Hechenblaikners mit drei  während der Ski-WM in Schladming entstandenen Aufnahmen. Im Februar blickte er tief in das Innere der 400 Millionen Euro teuren Seifenblase. „Schladming war voll von zweitklassiger Architektonik. Überall standen diese Werbehäuser herum. Wie Alpenleichen, die von einem Dorf ins nächste gekarrt werden“, erzählt Hechenblaikner. Die Aufnahmen sind „ein Mosaikstein“ in seiner Arbeit. Dieser lässt sich nahtlos in sein über all die Jahre entstandenes Lebenswerk einordnen.