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Das Revival der Künstlerstadt Klausen: Kunst boden_nah

Die Apostelkirche, das Gerichtsgebäude, das Scheidlehaus am Postplatz, das Ferrarihaus, der Bibliothekseingang, der Garten Nössing, die Hair Lounge, der Pater Hügel, öffentliches Grün, das Klausner Ladele ...

Die Apostelkirche, das Gerichtsgebäude, das Scheidlehaus am Postplatz, das Ferrarihaus, der Bibliothekseingang, der Garten Nössing, die Hair Lounge, der Pater Hügel, öffentliches Grün, das Klausner Ladele ... Wir befinden uns in Klausen im Südtiroler Eisacktal, ungefähr auf Halbweg zwischen Brixen und Bozen. Die mittelalterliche Stadt, auf Italienisch auch Chiusa genannt, war immer schon bekannt als Durchreise- und Handelsstadt. Doch nicht nur deshalb war Klausen seit eh und je ein Begriff. In die heute 5.000 EinwohnerInnen zählende Kleinstadt waren gar einige KünstlerInnen und DichterInnen verliebt und hielten sich auch des Öfteren im malerischen Städtchen auf – der bekannteste unter ihnen dürfte Albrecht Dürer sein. Und genau da setzt das von einer Gruppe junger KlausnerInnen initiierte Projekt an: die „alte“ Idee der Künstlerstadt soll nicht verloren gehen. Die Initiative Kunst boden_nah greift das Bedürfnis der Stadt auf und lässt die Idee wieder aufleben: „Das zeitgenössische Non-Profit-Galeriekonzept Kunst boden_nah will eine Drehscheibe für junge KünstlerInnen schaffen, die verrückte Ideen haben und einen Platz suchen, diese Ideen umzusetzen und ihre Arbeit in einem ungewöhnlichen Raum und Rahmen zu präsentieren und den Leuten näherzubringen. Weg von der traditionellen kommerziellen Kunst und der Interpreten-Galerie soll unsere Stadt zu einer Plattform für aufstrebende zeitgenössische Kunst werden“, so der Initiator und Klausner Jungunternehmer Andy von Lutz. An keinen bestimmten Raum gebunden, stellt die Initiative regelmäßig jeden ersten Freitag im Monat Kreative vor. „Wir besetzen für die Ausstellungen leerstehende, ungenutzte Räumlichkeiten und Orte, zweckentfremden sie. Um abwechslungsreich zu bleiben, dauern die Ausstellungen zwei, drei Wochen.“ Wenngleich die Stadt auch klein ist, birgt sie dennoch unzählige Winkel, Ecken und Plätze, welche die emsige Gruppe um Andy von Lutz nützen und besonders jungen Kreativen zur Verfügung stellen will: „KünstlerInnen haben heute oftmals nicht so leicht Zugang zu kommerziellen Galerien. Gleichzeitig ist bei den BesucherInnen die Hemmschwelle niedriger, beispielsweise in ein leerstehendes Geschäftslokal zu gehen.“ Letztendlich ist das Projekt auch
bestrebt, das Publikum zu überraschen, es zum Denken anzuregen, zu provozieren, doch vor allen Dingen dazu einzuladen, die Freude an Kreativität zu genießen. Seit im September 2012 in der Klausner Oberstadt die Apostelkirche mit David Duzzis Die Ruhe besetzt wurde, haben bisher des Weiteren Jasmine Deporta, Benno Plunger, Thomas Grandi, Bettina Blasbichler, Hannes Pasqualini und Hartwig Thaler Fotoarbeiten, Urnenschleudermaschinen, Erhobenes, Designtes, Gehacktes und Spielerisches installiert und ausgestellt. Neugierig geworden? – Die nächsten Termine wären, immer am ersten Freitag im Monat, wohlgemerkt: im Juni Andi Widmann, im Juli ein Überraschungsgast, im August Riccardo Rizzo, im September Dave Messner.