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MOLEcafé

Lissie Rettenwander

#11 2013 / David Schreyer

> Samstag 22.06., 22:30, Stadtsaal Innsbruck
>> Lissie Rettenwander – Inside
>>> Albumreleasekonzert der Heart of Noise Vinyl Edition 01

1. Geographische und künstlerische Wurzeln?
Geographische Wurzeln sind wohl leichter zu beschreiben als künstlerische Wurzeln. Bei mir hängt jedenfalls alles zusammen und ist ineinander verwebt. Früh lernte ich das Musizieren und Singen von meinem Vater und das Zitherspielen von Leonhard Schipflinger in St. Johann, war also wohl schon als Kind und Jugendliche „Musikerin“. Und als solche habe ich mich durch Schulen, Berufsfelder, Unis, Milieus bewegt. Musik aus der Konserve hab ich kaum gehört. Da war mir Livemusik immer lieber, ob im Konzert oder im Proberaum oder im Wirtshaus. Aber jetzt alles der Reihe nach:
Geboren in Kitzbühel. Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof. Schon als Kind in der Familie gesungen und Zither gespielt (alpenländische Volksmusik: Mehrgesang und Hausmusik). Auftritte beim traditionellen Sängertreffen beim Stanglwirt in Going, bei Adventsingen, Messen, Hochzeiten, Musikanten „Hoangascht“ ...
Wenn bei der Feldarbeit allein: Lautes Singen von Spirituals und Worksongs (hatten wir zuvor in der Schule aus dem Buch „Komm sing mit“ gelernt) oder Improvisieren. Improvisieren auch auf der Zither, daheim in der Stube, auf dem hölzernen Tisch. Da klingt die Zither gut.
Ab 15 Schule in Innsbruck. Entdeckung der subkulturellen Musikszene. Häufige Konzertbesuche, bleibende Eindrücke: UK-Subs, Diamanda Galas, Fred Frith (ich glaube, das war nicht live, sondern ein Film im Cinematograph) ...
Schreiben von Songs auf der Gitarre. Zufällig E-Gitarre geschenkt bekommen. Proben in den Proberäumen der Workstation.
Nach der Schule, als Skilift-Kassa-Kraft: Singen durch die Sprechanlage und bei der Betriebsfeier am Berg. Als Kellnerin: Singen mit Stammgästen nach Mitternacht. Als Au-pair in Kalifornien: Songs schreiben auf der Westerngitarre. Letztere ist verschollen. Als Raft Guide: Musizieren am Lagerfeuer und gelegentliches Singen auf dem Boot, Songwriting „on the road“ (im Zug, an der Haltestelle im Kopf ...)
Zurück nach Innsbruck: Großes Interesse an zeitgenössischer Kunst (Kunstraum Innsbruck). Der Innsbrucker Künstler Herbert Fuchs (mittlerweile in Wien lebend) veranstaltet mein erstes Solo-Konzert im Café Corso in Innsbruck. Im Laufe der Jahre Mitglied verschiedener Bands: Tantegert, Alm, Die Behörde, Lissie & Bobby. Parallel laufendes Soloprogramm. Auftritte im Musik- und Kunstbereich. Live-Filmvertonungen.

2. Was ist das eigentlich: „gute Musik“?
Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Ich höre mir eigentlich Musik nur in einer Aufführungssituation an. Denn die Performance, die Aufführungsmethode, die Präsenz der MusikerInnen, das gefällt mir. Besonders wenn etwas für mich Neues dabei ist, an der Performance oder an der Musik.

3. Wo in Tirol würden Sie gern mal spielen?
Landestheater bzw. Kammerspiele
 
4. Welches Konzert würden Sie nicht mal um viel Geld ansehen?
Da fällt mir nichts ein.

5. Mit wem würden Sie gern zusammen spielen?
Mit einem Orchester im Prozess des Stimmens seiner Instrumente.

6. Musikempfehlung?
John Cage 4’33’’,
schlecht besuchte Live-Auftritte

7. Was machen Sie während des Musizierens mit Ihren Beinen?
Wenn es das Instrument und die Schuhe erlauben, mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.