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MOLEcafé

Dantes Reise durch die Hölle

#12 2013 / Marco Opoku

Der Innsbrucker Programmierer Gerhard Moser wagt sich mit einem Brettspiel in die analoge Welt.

In Zeiten boomender Singlehaushalte, bevorstehender Releases der neuen Spielkonsolengeneration, der beobachteten und aufgezeichneten Vereinsamung unter den Augen und Kommentaren tausender Sozialer-Netzwerk-FreundInnen und herrschender (Anti-)Rauchergesetze in der örtlichen Gastronomiestätte persönlicher Wahl, was ist naheliegender, als ein Brettspiel zu konzipieren? Klassisch mit Würfel, Fragen, Spielbrett, Taktik und Gnadenmünzen; basierend auf Dantes Göttlicher Komödie, selbstverständlich; mit Höllenkreisen, Selbstmordbäumen, Luzifer; verbunden mit dem Wunsch unter Lachen, Feilschen, Freunden eins auszuwischen oder ihnen zu helfen das Grauen zu überwinden und schlussendlich das Fegefeuer zu erreichen.

Die Hölle, das sind die anderen (Mitspieler, du selber und die jeweiligen Entscheidungen)
Nicht gemochte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, Ex-Lieben (die dem Bekanntenkreis vertraut sind), politikausübendes Personal, Kontrollorgane der herrschenden Exekutive, Transportvereinigung, Religion usw. werden in die Hölle geschickt. Und sie bleiben in dem für sie vorgesehenen Höllenkreis. Dafür müssen Multiple-Choice-Fragen beantwortet, Ungetüme bezwungen und Ablassmünzen verteilt oder gehortet werden. Dass das alles auch ohne abgeschlossenes Literatur- oder gar Theologiestudium geht, dachte sich der Tiroler Autor, Webprogrammierer und Gelegenheitsmusiker Gerhard Moser vor einigen Jahren und begann mit seiner ganz persönlichen Reise. Das Spiel setzte nicht auf Vorkenntnisse, sondern auf Kommunikation, so Moser. Es gilt, die Mitspielenden zu überzeugen, warum und aus welchen Gründen eine bestimmte Person in den ausgewählten Höllenkreis gehört und welche Sünden denn nun tatsächlich warum begangen wurden.

Help me, I’m in hell
Durch den Copyrightdschungel, den Vorfinanzierungsdämonenwald, die ablehnenden und skeptischen Zurufe der SünderInnen, NeiderInnen und KetzerInnen um ihn herum hat er sich bereits gekämpft. In endlosen Spielrunden plante und konzipierte er selbst, balancierte aus und überwand Hürden. Nun steht Moser kurz vor dem own private purgatory dank InternetunterstützerInnen des Startnext-Projektes Dantes Reise durch die Hölle. Ein paar mehr sind noch nötig, circa drei Viertel der erforderlichen Last sind getragen.

In league with satan
„Hätte ich vorher gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich es wahrscheinlich bleiben lassen, aber nun bin ich stolz und hoffe, dass die letzte Hürde genommen werden kann“, meint Moser. „Auch gibt es ja noch die weiteren Bücher zum Fegefeuer und zum Himmel, also Fortsetzungen des Spieles sind bereits angedacht und im Planungsstadium. Eingelesen und recherchiert wäre bereits.“
Dann bleibt nur zu hoffen, dass der spielerische (Alp-)Traum umgesetzt werden kann und viele Leute ihre Freizeit und die damit verbundenen sozialen Pflichten in der Hölle verbringen. Ohne in Ohnmacht zu fallen, wie Dante es in der literarischen Vorlage zu tun pflegt.