Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

First-Aid Kit – TKI

#12 2013 / Evelin Stark

Service und Beratung aus prekären Verhältnissen für prekäre Verhältnisse.

Die TKI – Tiroler Kulturinitiativen/IG Kultur Tirol sind seit ihrer Gründung 1989 Anlaufstelle und politische Kraft für all jene in Tirol, die in der Kultur tätig sind – Vereine, AGs, Kollektive. Als solche kann man die Mitgliedschaft bei den TKI beantragen und damit deren Service nutzen. Strukturell sind die TKI ein Verein mit einem Vorstand, dem Kulturschaffende aus allen Richtungen angehören, und drei Mitarbeiterinnen, die sich zusammen 1,3 Vollzeitstellen teilen. Gefördert werden die TKI vom Land Tirol mit 75.000 Euro und der Stadt Innsbruck mit 11.000 Euro. Damit müssen Strukturkosten, MitarbeiterInnen und alle sonstigen Tätigkeiten abgedeckt werden. So viel mal zur Einführung.
Ein Grund bzw. Auslöser für diesen Artikel ist die Tatsache, dass MOLE (und alle anderen 120 Mitglieder der TKI) Anfang Juni diesen Jahres eine E-Mail zukam mit der Bitte um Überweisung des neu eingeführten TKI-Mitgliedsbeitrages, der im Zuge einer Generalversammlung beschlossen wurde. Es ist zwar keine große Summe (45 bzw. 110 Euro je nach Jahresbudget des Mitgliedsvereins), trotzdem fragten wir uns, wofür wir denn zahlen, wenn wir denn zahlen sollen. Also: Was haben wir eigentlich von unserer TKI-Mitgliedschaft? Und wie kommt eine subventionierte Interessensvertretung dazu, plötzlich etwas zu kosten, wo sie doch bis jetzt gratis war?

Finanziell geht’s uns in der freien Szene ja allen schlecht. Zumindest jammern wir alle dementsprechend. Befindet man sich also im Wettbewerb um öffentliche Gelder, schaut man schon ausnahmsweise auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus, um zu sehen, womit einem die „Konkurrenz“ eventuell was vom Kuchenstück wegnehmen könnte. Am schlimmsten ist das dann bei Ausschreibungen, die in einer öffentlichen Jurysitzung entschieden werden. Wo man zwar zuhören kann, aber nicht kommentieren darf. Derer gibt es im Kulturbereich in Tirol zwei – TKI Open, ein vom Land Tirol finanzierter jährlicher Topf für Kunst- und Kulturpojekte, den die TKI betreuen, und stadt_potenziale, das Innsbrucker Äquivalent zu TKI Open.
In diesem Jahr gab es bei den stadt_potenzialen unter vielen anderen eingereichten Projekten auch eines von den TKI – fresh culture, ein Kulturfördertopf für Jugendliche, das einen Zuschlag von 10.260 Euro von der Jury bekam. Die Optik ist schief, auch innerhalb des TKI-Vorstandes gehen die Meinungen dazu auseinander. Sind wir am Ende auf der Spur eines neuen Kulturskandals?
Damit die werte Leserschaft am Ende nicht enttäuscht ist, hier gleich die Auflösung: Skandal gibt es keinen, aber neue Erkenntnisse. Die drei Mitarbeiterinnen im TKI-Büro – Anita Moser, Helene Schnitzer und Nicola Weber – drehen nämlich nicht den ganzen Tag Däumchen, wie vielleicht manche/r vermuten könnte. Eigentlich, so ist mein Eindruck, tun sie erstaunlich viel, wenn man bedenkt, wie wenig Arbeitszeit und Budget sie zur Verfügung haben. Das Problem ist, nur sie wissen das, nach außen dringt da äußerst wenig.
Bei der Vielzahl an Tätigkeiten wird das auch verständlich. Wofür immer Zeit sein muss, ist die Beratungstätigkeit für die Mitglieder. Dazu kommen: Einblick und Mitsprache bei kulturrelevanten politischen Entscheidungen zu schaffen; TKI Open, die jährliche Kulturförderausschreibung, zu organisieren und zu begleiten; Weiterbildungen und Workshops für Mitglieder zu organisieren, die zwar kostenpflichtig sind, aber wohl keine allzu großen Einnahmen für die TKI bedeuten; Vernetzungsarbeit – auch außerhalb Tirols mit der IG Kultur – zu leisten; die Kulturarbeit außerhalb Innsbrucks mit dem Programm „Kultur vor Ort“ zu unterstützen; die Innsbrucker Vereinsakademie, die diesen Herbst startet und Vereinen oft fehlendes Know-how in allen Bereichen zur Weiterbildung anbietet, mitzuinitiieren; fresh culture, einen Kulturfördertopf für Jugendliche in Innsbruck zu starten. Die Liste ließe sich noch erweitern. Da
verwundert es nicht, dass keine Zeit bleibt für Öffentlichkeitsarbeit.
Und dass es knapp ist mit der TKI-Kohle, verwundert auch nicht mehr. Ob die Mittel, zu denen gegriffen wird, um dagegen vorzugehen – Mitgliedsbeiträge, stadt_potenziale-Einreichung, prekäre Arbeitsverhältnisse – taktisch die besten sind, darüber lässt sich
bestimmt streiten. Wichtig ist jedenfalls, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, was die TKI leisten. Dafür räumen wir in dieser MOLE der TKI schon mal dreifachen Platz ein – mit dieser Vereinsvorstellung, einem Aufruf zu TKI Open und der TKI Glosse, einer weiteren Tätigkeit, in der sie seit zwei Jahren nicht für sich werben, aber auf kulturpolitische Um- und Missstände hinweisen.