Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

GAP Glurns Art Point

Klein, fein, im Dreiländereck Italien-Österreich-Schweiz gelegen, knapp 900 EinwohnerInnen und eine Stadt (bestätigen die Stadtmauern) – das ist Glurns. Paul Flora stammt von dort, und nur fünf Schritte von seinem Geburtshaus entfernt steht das Atelierhaus des Kulturvereins Glurns Art Point, kurz GAP, der 2012 ins Leben gerufen und Mitte 2013 vom alten Sitz in einem Stadel in den ehemaligen Glurnser Pfarrsaal umgesiedelt wurde. Der zeitgenössischen Kunst die Chance geben, sich im Vinschgau zu etablieren – das ist die Vision, die die Mitglieder zusammengeführt hat. GAP bietet neuen Ideen, Perspektiven und ungewohnten Formen der Kunst Raum und den Menschen kulturellen Austausch.

Die Kerngruppe des Vereins umfasst KünstlerInnen und Kreative aus den verschiedensten Bereichen, wie jenen der Bildenden Kunst, der Musik, des Designs und der Literatur, die europaweit angesiedelt sind – auch das gibt die Möglichkeit für einen Informations- und ortsspezifischen Projektaustausch. Mit dem Atelierhaus will GAP vor allem junge KünstlerInnen ansprechen und ihnen Raum und Möglichkeit geben, künstlerisch zu arbeiten, ihre Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. Der 200 Quadratmeter große Raum soll vor allem ein Ort der Kommunikation sein, ein Ort des Meinungs- und Erfahrungsaustausches, ein Ort der Aktivität, der Diskussion und des Zusammentreffens verschiedener Arten des künstlerischen Schaffens. Kunstschaffende aus allen Ländern der Welt sind willkommen, sich für kürzere oder längere Zeit im offenen Atelierhaus einzuquartieren, das Ambiente der kleinen mittelalterlichen Stadt und ihre Menschen zu entdecken, im Arbeits- und Ausstellungsraum zu schaffen, sich zu entfalten und auszutauschen. Deshalb und da die Räumlichkeiten vorwiegend jungen, aufstrebenden KünstlerInnen vorbehalten sind, werden die Spesen minimal gehalten. Somit sind sie auch unabhängig, das heißt: Die GastkünstlerInnen kreieren ihren Tagesablauf und ihre freizeitlichen Beschäftigungen anhand ihres eigenen Budgets. Die symbolischen Beiträge, die sie abgeben, dienen zur Spesendeckung laufender Kosten wie Wasser, Gas, Strom. Die Initiative wird außerdem von Marketing Glurns, der Autonomen Provinz Bozen sowie privaten Sponsoren finanziell unterstützt. Dennoch liegt das Ziel von GAP darin, das Atelierhaus autonom zu betreiben und somit auch autonom zu verwalten.
Nächster wichtiger Termin für den Kulturverein wird der Tag der Zeitgenössischen Kunst am 5. Oktober sein, an dem italienweit Galerien, Museen und Ateliers ihre Tore öffnen. GAP wird sich an dem Tag mit dem multimedialen Serien-Self-Portrait GAP Artists behind the Scenes beteiligen: In einem fünfstündigen Live-Stream (17–22 Uhr) werden im Atelierhaus Einblicke in die Individualität und das private Leben der in Südtirol und Europa verstreuten Personen hinter GAP gezeigt. Was ansonsten nicht von Relevanz ist, wird an diesem Tag offen dargelegt: das tägliche Leben, Banalitäten inklusive Trauer, Freude, Missgeschick, Wiedersehen. Was es sein wird, weiß nicht einmal die Person selbst. Sammelpunkt der verstreuten Leben ist die Projektion im Atelierhaus, wo die Gruppe der KünstlerInnen für gewöhnlich physisch anwesend und aktiv ist. In diesem Sinn ist diese Performance sinnbildlich für das Gesamtbestreben und Ansinnen des Vereins Glurns Art Point: eine Gemeinschaft, die sich und andere gegenseitig fördert, ohne eigene Ziele und die persönliche Entwicklung aus den Augen zu verlieren – wohlwissend, dass Fortschritte als EinzelkämpferIn kaum zu erreichen sind. Ein Mikrokosmos ohne räumliche oder ethnische Grenzen.