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MOLEcafé

Crème fraîche dans la culture Innsbruckienne

#12 2012 / Evelin Stark

Der junge Pariser Cyprien François ist „le Directeur“. Als Leiter des Institut Français d’Innsbruck hat er in den letzten drei Jahren einiges über die Tiroler Kultur gelernt, was ihm nicht immer leicht fiel.

Das erste Institut Français Österreichs ist das Institut Français d’Innsbruck. 1946 eröffnet, war es damals wohl mehr eine politische als eine kulturelle Einrichtung: Frankreich hatte in der Nachkriegszeit Vorarlberg und Tirol als Besatzungszone in ihrer Verantwortung und – so heißt es auf der Website des Instituts – um eine positive Erinnerung an die Franzosen zu hinterlassen, wurde von General Béthouart das Institut Français in Innsbruck eröffnet, das sich seither der Vermittlung der französischen Sprache und Kultur widmet. Ein weiteres Institut befindet sich in Wien. Finanziell wird der Innsbrucker Stützpunkt nicht nur vom französischen Staat, sondern auch von der Stadt Innsbruck und dem Land Tirol unterstützt. Das Jahresbudget beträgt 200.000 Euro. Die Leitung des Instituts wechselt regelmäßig – manche bleiben nur ein Jahr, andere sind bis zu sechs Jahre oder länger in Innsbruck. Somit hätte François, der derzeitige Leiter, jetzt Halbzeit. Drei Jahre Innsbruck hat der junge Mann schon auf dem Buckel, und eigentlich spürt er schon, wie der Fön ihn weitertreibt. Doch ein Jahr bleibt er der Stadt noch erhalten. Grund genug, um einmal mit ihm über seine Sicht der Tiroler Kultur zu sprechen.

Nach Aufenthalten in Düsseldorf als Attaché an der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Französischen Botschaft und in Moldawien als Generalsekretär der Alliance française de Moldavie kam der junge Pariser Politikwissenschaftler und Musikliebhaber 2010 im zarten Alter von 30 nach Innsbruck um das Institut Français zu übernehmen. Seitdem hat sich einiges getan – nicht nur, dass das Institut von seiner Residenz am Innrain, die aus finanziellen Gründen verkauft werden musste, in das Länderzentrum der Uni Innsbruck in der Claudiana in die Innsbrucker Altstadt zog, sondern unter anderem auch, dass es ein eigenes Festival gibt, die Fête de la Musique, ein Eintagesfestival, das die Straßen Innsbrucks mit Live-Musik bespielt und seit drei Jahren im Juni stattfindet. „Es war uns ein Anliegen, ein richtiges Stück Frankreich nach Innsbruck zu bringen, also nicht nur als Kooperationspartner anderer Veranstalter zu agieren, wie etwa beim Literaturfestival Sprachsalz oder dem Internationalen Film Festival Innsbruck.“
Mit „uns“ meint François sich und seine Mitarbeiterin Pauline Kaltenbach, die schon vor seinem Dienstantritt am Institut gearbeitet hat und ihm seit seiner Ankunft eine starke rechte Hand ist. Neben den beiden Praktikantinnen bilden sie das Institutsteam.
„Seit ich angekommen bin, hat sich die Kulturpolitik in Innsbruck für uns sehr geändert und gut entwickelt“, erklärt François. „Der politische Wille, dass die Stadt lebendiger wird, hat sich gewandelt. Vor drei Jahren war es beinahe undenkbar, auf der Straße Konzerte zu veranstalten, aber inzwischen ist es kein Problem mehr.“

Und was macht das Leben in Innsbruck? Fühlt man sich als Franzose hier zu Hause? Gibt es so etwas wie einen culture clash zwischen Frankreich und Österreich? In gewisser Weise scheint es so zu sein: „Ich würde manchmal gern ein paar von den Dingen, die ich in der Arbeit lerne, im Privatleben vertiefen. Aber egal, wo ich hingehe, die Leute vergessen nicht, dass ich der Directeur des Institut Français bin, also werde ich diese Rolle nie los. Es scheint meine Identität zu sein. Das hat sicher auch mit der Größe der Stadt zu tun, in der man sich befindet“, erzählt er, und: „Was mir hier auffällt, ist, dass es wenig Raum für Entwicklung und Partnerschaft bei Kulturprojekten gibt. In Frankreich trifft man sich, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, darüber zu reden, welche Möglichkeiten es gibt, um dann gemeinsam den besten Weg dafür zu finden. Hier gibt es das selten. Die Leute hier sprechen über ihre Ideen und Projekte erst, wenn schon alles fixiert ist. Da ist kein Platz mehr für Bewegung und neue Ideen. Das finde ich schade. Ein Projekt lebt, das ist wichtig! Bei der Fête de la Musique machen wir es aber auf die französische Art: Wir haben es öffentlich gemacht, und dann sind Partner zu uns gekommen und haben gefragt, ob sie mitmachen können. Letztes Jahr habe ich bezüglich der Rechtfertigung der Subvention eine Warnung vom Land Tirol bekommen, weil das schlussendliche Budget dann plötzlich ganz anders war als vorgesehen. Wir haben es natürlich trotzdem gemacht, aber ich fand das sehr tirolerisch“, sagt er und lacht.
Trotz der Unterschiede und Hürden ist Innsbruck für Cyprien François die schönste Stadt, in der er je gearbeitet hat und er freut sich jedes Mal, Innsbruck wiederzusehen, wenn er von einer Auslandsreise zurückkommt. Ein Jahr noch, dann geht es für ihn weiter. Wohin, das weiß wohl nur der Fön.