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MOLEcafé

Jaime Tapia

#12 2013 / Robert Gander

Ein Vogelkopf, ein Neugeborenes, ein Krokodilschwanz und die Augen einer Eule. Aber vielleicht sind es auch ganz andere Sachen, die auf seinen Bildern in einem Formenrausch voller Details zu sehen sind. Das sei nicht so wichtig, meint Jaime Tapia, für ihn bedeuten die Formen zwar alle etwas, sie sind Zeichen und Symbole in einer von der Mayakultur geprägten Bildsprache, aber wenn die Leute Homer Simpson darin erkennen, ist das auch okay.
Tapia nimmt die Formen und macht „einen Salat daraus“, wie er sagt. Er verwendet sie wie Elemente und Bausteine, um seine Bilder zu konstruieren. Sie lösen sich perspektivisch auf und können auch mal auf dem Kopf stehend funktionieren. Vorbilder gibt es einige, neben Picasso nennt er vor allem Dalí („Er spielt nicht nur mit Formen, sondern mit dem Kopf“) und den surrealistischen chilenischen Filmemacher Alejandro Jodorowsky, Kultregisseur von El Topo (1970). Weniger bekannt ist, dass Jodorowsky auch als Comicautor arbeitet, Bücher im künstlerisch-therapeutischen Bereich verfasst und Tarotkarten legt, alles Bereiche, mit denen auch Tapia kokettiert. Unverkennbar sind aber die Einflüsse und die Symbolik aus der Mayakultur, wobei Tapia hier auch auf eine tradierte Form zurückgreift, nämlich Frederick Catherwoods grandiose Ruinenzeichnungen der wiederentdeckten Mayastätten, die er 1839–41 anfertigte. Tapia kombiniert diese Symbole und Formen recht intuitiv mit seiner Interpretation von mesopotamischer, ägyptischer oder Freimaurersymbolik, mit psychedelischen und schamanistischen Bildwelten. Als nächste Formensprache will er jene der mittelalterlichen Buchmalerei aufgreifen und sie mit der bestehenden Symbolik verweben. Vielleicht rührt dieser Wunsch daher, dass sein Vater mit Büchern arbeitete. Tapia wuchs in Chetumal, einer 140.000-Einwohner-Stadt an der Ostküste Yucatáns, in Mexiko auf. Dort widmete er sich vor allem Comics und Murals (Wandmalereien).
Seinen aktuellen Stil und die Technik, bei der er die Zeichnung auf Papier macht, sie digitalisiert, am Computer bearbeitet und koloriert, dann ausdruckt und wieder mit Hand korrigiert, fand er erst vor etwa sechs Jahren, jener Zeit, als er der Liebe wegen nach Österreich kam. Dass er zurzeit keine Murals macht, ist eher Zufall. Jedenfalls suche er auch in Tirol eine Wand.
Ende September stellt Tapia seine fotografischen Arbeiten zusammen mit zwei weiteren Fotografen aus Südamerika (alle drei sind Teil des Künstlerkollektivs El Colectivo) in den Innsbrucker Rathausgalerien aus. Fotografie ist neben Zeichnung seine zweite Leidenschaft. „Mein Traum ist es, Fotojournalist zu sein. Ich finde die Reaktionen der Menschen interessant. Ich liebe die Menschen.“ Aber auch seine Zeichnungen sind bald wieder in einer Ausstellung zu sehen, allerdings muss man dafür nach Mexiko fahren. Jaime Tapia ist von November bis März dort.