Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Klangbäder

#12 2013 / Katrin Jud

Exotische Klangkörper für gestresste Menschen

Ansitz Pischl in Telfs. Wir besuchen den Instrumentenbauer  Roderick O. Pischl, sitzen auf Baumstämmen und trinken Wasser aus Marmeladegläsern. Neben uns sein vollbepackter Wagen, aus dem er ab und an etwas heraus- und wieder hineinklaubt, denn er ist auf dem Sprung zu einem Klangbad. Gleich nebenan befindet sich die Werkstatt, voll mit Fertigem, Halbfertigem und Geplantem. Pischl baut seit circa 13 Jahren Instrumente, vorwiegend aus seinem Lieblingswerkstoff Holz, und beinahe alles macht er selbst. Früher war er Glaser, Bühnentechniker, Dekorateur, Requisitenhersteller und hat Lichtinstallationen und Glasskulpturen hergestellt. Seit 2010 widmet er sich unter der Marke Dubious Instruments ausschließlich seiner Leidenschaft für selbstgebaute Instrumente. Das Prinzip seiner Arbeitsweise heißt: Tüfteln. Was mit Holzkisten oder Kürbissen, fellbespannt und mit Saiten versehen, begann, ist inzwischen zu einem Unternehmen geworden, das sich ausgefeilten und ausgefallenen Tonkörpern widmet.
Neben E-Gitarren sind Pischls Spezialitäten das Monochord, das KoTaMo und die Körpertambura. Das Monochord bezeichnet einen rechteckigen Klangkörper, auf den mehrere Saiten gespannt und alle auf den gleichen Ton gestimmt sind. Das KoTaMo ist eine Verbindung aus Koto (japanische Zither), Tambura (indische Laute) und Monochord.
Während das Instrument frei im Raum steht, werden Vorder- und Rückseite bespielt. Die Körpertambura hingegen funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie das Monochord. Sie ist mit 28 Saiten bespannt und der Korpus auf der Rückseite gewölbt, um sich dem Körper besser anzuschmiegen. Denn die Körpertambura wird auf jemandem gespielt und dient durch die Vibration der Klangheilung. Energetische Blockaden sollen gelöst und die körpereigenen Heilungskräfte aktiviert werden.
„Es war eher Zufall, dass ich auf diese exotischen Instrumente gekommen bin“, sagt Pischl. Freunde brachten Djemben oder Coras aus Afrika mit oder er sah irgendwo ein Instrument, das ihm gefiel. Diese Musikinstrumente wurden und werden dann einfach nachgebaut. Einen Zugang zu den relativ unbekannten Klangkörpern schafft der Autodidakt durch regelmäßig veranstaltete Klang- bzw. Gongbäder mit der Klangenergetikerin Andrea Pühringer. Außerdem hält er Selbstbau-Workshops ab, in denen ein Instrument eigener Wahl hergestellt werden kann. Verwendet werden Eschen-, Fichten-, Ahorn- und Nussholz sowie eine eigens hergestellte Öl- und Hartwachsmischung.
Das aktuellste Projekt ist eine E-Gitarre mit allen technischen Spitzfindigkeiten, von denen GitarristInnen nur träumen können. Alle sichtbaren Teile sind handgefertigt, nur das Innenleben nicht, denn „Elektroniker bin ich noch keiner“, schmunzelt Pischl. Eigentlich ist er ein Entwickler, kein Mann großer Worte, „ich mache es einfach“. Auf Anfrage führt er auch Reparaturen durch, von der Lackierung über Bundierung bis hin zur Mechanik.