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MOLEcafé

Martin Mitterruzner

#12 2013 / Andreas Schwarz

An der Tafel der Ritter vom hohen C

Immer wieder trug der Wind über den Innenhof hinweg seltsam schöne Töne zu mir herüber. Mein Nachbar Martin Mitterrutzner übte für seine Auftritte am Tiroler Landestheater, und er übte täglich. Mit dem Singen verhalte es sich wie mit dem Sport, man müsse die Stimme ständig trainieren, meint der aus Hall in Tirol stammende 29-jährige Tenor.
Heute lebt Mitterrutzner in Frankfurt am Main und ist Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, die 2013 bei den begehrten International Opera Awards in der Kategorie Best Opera Company reüssieren konnte.
Singen war für Mitterrutzner immer schon ein Lebensthema, eine Art Berufung. Nur mit echter Leidenschaft gelinge eine Karriere als Berufsmusiker, und als Beginn einer solchen sei Tirol kein schlechter Ort und die Zeit am Tiroler Landestheater hat Mitterrutzner in bleibender, liebevoller Erinnerung. Besonders der Zuwendung Brigitte Fassbaenders verdanke er viel, hat sie ihn doch ans TLT geholt und beständig gefördert. Dennoch komme irgendwann der Zeitpunkt, an dem neue Chancen ergriffen werden wollen, was als klassisch ausgebildeter Opernsänger in Tirol in vielen Fällen bedeutet, sein Glück im Ausland zu versuchen. Seit der Spielzeit 2011/12 zählt Mitterrutzner nun zum Ensemble der Oper Frankfurt. Ob ihm der Umzug schwer gefallen sei? Tirol bleibe seine Heimat, und diese zu verlassen sei nie ganz einfach, und dennoch sei Frankfurt ein spannende Stadt, in der er sich auch wohlfühle, und deren renommiertes Opernhaus nicht zuletzt ausschlaggebend war, den Umzug in Kauf zu nehmen. Hier konnte er schon in  vielen, auch größeren Rollen des lyrischen Tenorfaches überzeugen. Als Vorbilder nennt Mitterrutzner den großen Fritz Wunderlich, Luciano Pavarotti und Juan Diego Floréz. Und ja, Wunschrollen gebe es natürlich auch, so etwa diejenige des Nemorino in Donizettis L’elisir d’amore oder, wenn sich die Stimme noch etwas weiterentwickelt, die des Canio in Leoncavallos Pagliacci.
Warum überhaupt Opernsänger? Er liebe auch Musik abseits der Klassischen, seine Stimme sei aber  am besten für ebendiese geeignet. Zudem faszinieren die komplexen harmonischen Zusammenhänge und die damit verbundenen technischen Herausforderungen für die SängerInnen. Einen Spitzenton genau zu treffen sei ein unbeschreibliches Gefühl, trotzdem das Singen natürlich nicht nur einen Wettkampf der Ritter vom hohen C darstellt.
Als noch jungem Menschen ist Mitterrutzner die Zukunft der Oper ein wichtiges Anliegen. Man müsse junge Leute für das Musiktheater gewinnen, und die Basis für ein dahingehendes Interesse könne, wenn nicht im familiären Umfeld ohnehin gefördert, nur durch den Musikunterricht an den Schulen geschaffen werden. Und hier liege einiges im Argen.
Mitterrutzner, der zwischenzeitlich auch in Bukarest und Zürich gastierte, als Liedsänger Erfolge feiert und zuletzt als Ferrando in Così fan tutte bei den Salzburger Festspielen 2013 zu erleben war, wird weiterhin das tun, was ihm am meisten Freude bereitet: Singen. Vielleicht einmal auch den Canio.