Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

Kulturräume querdenken

#12 2013 / Johanna Klement

TKI-Glosse

Im Themenfeld der Kultur  klaffen Interessen, Meinungen und Emotionen bekanntlich weit auseinander. Das ist durchaus spannend und inspirierend – bringt aber auch so manche Schwierigkeit mit sich. Gerade abseits von größeren Städten, in den Regionen und kleineren Gemeinden werden die Widersprüche schnell sichtbar. Hier reibt ein Kulturverständnis von traditionsreicher Schönmalerei an eine Kultur der Kritik, Lust am Experiment und Querdenkertum. Abseits eines simplen Eventstils, der zielsicher den Geschmack der Mehrheit trifft, bleiben andere Facetten eines Kulturdenkens und -treibens meist unbeachtet. Kulturinitiativen in den Regionen stehen im Bemühen, diese Situation anzureichern, allein da.
Die Problematik beginnt bereits bei der Planung und Gestaltung von Programmen und Strukturen in der Gemeinde, zu der üblicherweise keine Kulturschaffenden herangezogen werden, und mit denen Vorstellungen und Bedürfnisse eines alternativen Kulturbetriebs von vornherein ausgeklammert werden.
Während die Gemeindekultur ihren Platz findet, sind die Möglichkeiten für kleinere Initiativen, Räume zu bespielen, eher rar, nicht zuletzt etwa durch die Mietkosten. Selbst wenn gebaut wird, zeigt sich nicht nur, dass Kulturraum im Vergleich zu Wohn- und Gewerberaum, Geschäfts- und Verkehrsfläche einen untergeordneten Rang einzunehmen hat, sondern auch, dass sich alle Kultur dann oft in größere, neue Mehrzweckbauten einpacken lassen muss, die von der kleinen Ausstellung bis zum Jahresevent alles spielen. Gerade der Mehrzweckcharakter wirkt sich auf so manche Veranstaltung atmosphärisch dann auch weniger günstig aus.
Eine reizvollere Option für Kulturinitiativen ist die Adaptierung von nicht mehr genützten Räumlichkeiten. Verbunden ist dies aber oft mit langen und mühsamen Behördenwegen einerseits und mit größerem finanziellen Aufwand anderseits. In der Alltagsrealität bliebt den Kulturschaffenden oft nicht viel anderes übrig, als sich in gegebene Strukturen einzufügen und sich der Aufgabe zu stellen, mit schwierigen räumlichen Situationen umzugehen. Ihre Einbindung in die aktive Gestaltung von Gemeindestrukturen wäre dabei oft eine lebhafte Bereicherung für so manche Situation im Ort. Doch QuerdenkerInnen haben den Ruf, unbequem zu sein – und so wird alles bei der alten, umständlichen Bequemlichkeit bleiben.