Medium für kulturelle Nahversorgung Tirol
MOLEcafé

In dieser Welt kann man sich gar nix wünschen

Online 2013 / Katrin Jud

Die Krux mit der Kulturpolitik

Die MOLE lud am Mittwoch dem 24. April 2013 in Kooperation mit der TKI, der Kulturbackstube Die Bäckerei und Radio Freirad zu einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Landtagswahl ein. Der Anlass: Die untergeordnete Rolle die der Kunst & Kultur in der politischen Diskussion zugeordnet wird. Das Thema: Zeitgenössische Kunst und Kultur sind wesentlich für gesellschaftliche Entwicklung, weil…
Am Podium spürten diesem bewusst gewählten Halbsatz der Kulturhistoriker, Autor und Künstler Bernhard Kathan, Julia Mumelter vom Kulturlabor Stromboli, Andrei Siclodi – Leiter des Künstlerhauses Büchenhausen, Evelin Stark – Stv. Leiterin des IFFI und Leiterin des IFFI Campus, Jürgen Tabor- Kurator im Taxispalais Innsbruck und die Dozentin für „Cultural Studies“ an der FH Kufstein - Verena Teissl nach, moderiert von Benedikt Sauer.

Die zeitgenössische Kunst wurde vorgestellt, als System der Freiheit, als Blick von außen, als eigene Sprache die nicht nur Gegenwart abbilden sondern Zukunft herstellen und Vergangenheit verändern kann, als Möglichkeit und Potenzial eine aktuelle Welt im Umbruch neu zu denken. Zusammenfassend: Zeitgenössische Kunst und Kultur als grundlegend kritische Diskurse, die es erlauben mit geschärftem Blick gesellschaftliche Vorgänge zu analysieren und aufzudecken, und dadurch ein dezidiert demokratiepolitisches Instrument darstellen.
Das klingt sehr schön, in der Theorie. In der Praxis sieht es anders aus, zeitgenössische Kunst und Kultur sind Freizeitgestaltung bzw. Minderheitenprogramm, Kulturarbeit ist Privatsache und der Kulturproduzent Bittsteller bei eingerosteten Förderstellen. Auswirkungen hat diese Tatsache auch - und vor allem - auf die Qualität, das Selbstbewusstsein und damit einhergehend den viel beschworenen kritischen Geist des Künstlers, der sich in finanzielle Abhängigkeiten begibt. 
Und irgendwo in diesem Konglomerat aus Unvereinbarkeit von Kunsttheorie und Kulturpraxis steht die Forderung nach einer aktiven Kulturpolitik, nach fähigen PolitikerInnen, die Akzente in der Förderung setzten ohne den kulturellen Pluralismus zu beschneiden, in Absprache mit den KünstlerInnen. Gefordert werden PolitikerInnen und politische VertreterInnen die sich interessieren, die aber gleichzeitig aufgrund ihrer Profession von vorneherein einen Stempel als „blöde Würsteln“ tragen, sodass sich das Erklären künstlerischer Inhalte sowieso nicht lohnt. Der Kern der kulturpolitischen Forderungen ist daher sehr profan: „Wir wollen/brauchen mehr Geld“. In der sich aufbäumenden Diskussion um tatsächliche und fiktive Zahlen, sowie die Intransparenz des Budgets gingen leider auch vielversprechende Wortmeldungen wie z.B. zur Entwicklung eines partizipativen Kulturplans, maßgeschneidert auf die historische Entwicklung und die Bedürfnisse der Kunst- und Kultur Region Tirol, unter. 
Im Publikum saß ein recht ansehnlicher Teil der Innsbrucker Kunst- und Kulturszene, gespickt mit Wahlkampfkandidaten und VertreterInnen der öffentliche Hand, namentlich Thomas Pupp von der SPÖ, Gebi Mair von den Grünen und Benedikt Erhard, stv. Abteilungsleiter der Kulturabteilung des Landes Tirol, die sich und ihre Meinungen präsentierten, wie im übrigen das Publikum auch, mehr als dass sie auf die Fragestellung eingingen.
Wenn die Förderung der Kunst der Kommunikation nicht aufgestockt wird, nützt auch die Initiative der TKI nichts, die eine Liste an Forderungen an die wahlwerbenden Parteien formuliert, und beim MOLE Cafè zum Wünschen aufgerufen hat, mit dem Ergebnis: Mehr Geld, kompetente Ansprechpartner, Subvention von Pluralismus und Streitkultur. Der Link zur Forderungsliste findet sich in der Fuußzeile des Beitrages.
Die Kunst hat ihre eigene Sprache, und die KünstlerInnen auch sowie die Politik und Wirtschaft und das kann ruhig so bleiben. Doch wenn das Gespräch gesucht wird, ist eine Annäherung abseits von Zahlenspielen und Vorwürfen sicher nicht verkehrt.
Fazit: Weiter wünschen oder eben gar nix mehr wünschen.

Zum Nachhören gibt es die Podiumsdiskussion am Samstag den 27. April zwischen 11.06 und 13.00 Uhr auf Radio Freirad (105,9 MHz).