Geschrieben von: Renate Plieseis
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Kritik
“Come closer if you want!”
Black Elk & Carusella in der PMK, oder: von der Überwindung der Distanz.
Ein Glück für all jene, die gestern in der PMK waren - das Gastspiel von Black Elk aus den USA und Carusella aus Israel geriet nämlich zu einem Highlight des Innsbrucker Konzertherbstes. Und verantwortlich dafür war einzig und allein die Vorband.
Carusella, als Support erst ganz kurz vor Beginn der Show angereist, schlossen unmittelbar an ihre Equipment-Aufbauphase einen hochenergetischen Gig an. Von der Autobahn auf die Bühne. Wobei das eigentlich nicht ganz stimmt, aber dazu später.
Das junge Duo aus Tel Aviv hat im wahrsten Sinne des Wortes Power und schüttelt diese gleich von Beginn an locker und räudig aus dem Ärmel. Tamar Aphek spielt Gitarre und singt, sie ist in ihrer Körpersprache und ihrem Spiel gleichermaßen in sich gekehrt wie extrovertiert. Nicht die schlechteste Mischung, wie ich finde. Ihr Bandkollege Guy Shechter (drums, voc) übernimmt da schon eher den Part des Sprachrohrs nach außen, zum Publikum hin. So rät er den Zuhörern “Come closer if you want”, und damit erklärt sich auch die Kraft und der Sog des Carusella-Gigs. Das Duo steht nämlich mitten im Zuschauerraum, eine Bühne im eigentlich Sinne gibt es nicht. Zwangsläufig ergibt sich Körperkontakt, der Output des Duos steht in direkter Wechselwirkung zum Publikum. Energie und Ausdruck erreicht den Hörer unmittelbar.
Und was die Musik selbst angeht: man könnte Begriffe wie Harcore, Pop und Noise nennen. Man könnte sagen, Carusella klingen verschroben und gleichzeitig irgendwie catchy. Man könnte sagen, sie haben als Duo ihren Stil gefunden, er ist funktional noisig. Und man könnte sagen, ihre Musik ist aufs Wesentliche reduziert.
Black Elk, als eigentlicher Hauptact des Abends angekündigt, gingen nach dem Soundgewitter von Carusella fast schon ein bisschen unter. Auch, weil die Bühne wieder die übliche Distanz zwischen Musikern und Zuhörern herstellte. Nichtsdestotrotz: Black Elk agierten druckvoll und waren gestern Nacht eine zornige Viererbande.

(Foto: Emanuel Tomasini)