Die Grönholmmethode (Jordi Galceran), Kellertheater Innsbruck, So. 11. April 2010; Regie: Susanne Altweger
Dekia, so der Name eines schwedischen Möbelhauses, lädt zum Vorstellungsgespräch. Im Besprechungszimmer hat man dabei wohl bewusst an Dekoration gespart. Kühl und klassisch – der Boden rot, was an Möbeln verfügbar weiß oder aus Glas, Lamellen an den Wänden, die man hoffentlich nur aus Büroräumen kennt. Vier Flaschen Wasser auf dem Tisch, vier Gläser. Vier Bewerber. Drei Bewerber? Auf alle Fälle nur eine Stelle zu vergeben. Die vierte Runde im Wettbewerb um den kaufmännischen Direktor eines multinationalen Konzerns. Und genau dieser Konzern bleibt die Leerstelle im Stück, er verbirgt sich hinter blinkenden Ordnern, hinter psychologisch ausgetüftelten Aufgaben, hinter kurzen Gesprächen am Handy. Entpersonalisiert, anonym. Die vier bleiben auf sich gestellt, bleiben im Ungewissen, in welcher Versuchssituation sie sich wiederfinden. Man sieht sich gezwungen, jedes Spielchen mitzumachen, mag der Einsatz noch so hoch sein; doch sind sie gezwungen? Die Türe bleibt unversperrt, es steht jedem frei, zu gehen und somit die Bewerbung zurückzuziehen. Dieser Satz, Drohung und Rettungsanker zugleich, ist nicht zuletzt für die Bewerber ein Indiz dafür, dass dieses Einstellungsgespräch etwas anders als gewohnt ablaufen wird; auch für das Publikum wird damit klar, dass die Grönholm Methode psychologischen Experimentiercharakter hat. Und einen passenderen Raum könnte das Stück wohl kaum finden – in der Enge des Kellertheaters wird das Besprechungszimmer zu einem fast autonomen Mikrokosmos; dass dieser sich auf irgendeinem Stockwerk eines Bürokomplexes befindet, ist kaum mehr vorstellbar.
Jordi Galceran, zeitgenössischer spanischer Dramatiker, spart nicht an Kritik – die Wirtschaftswelt bekommt ihr Fett weg (auch mal ohne Überstrapazierung eines Wirtschaftsjargons à la Controller oder Retail Manager), ein wenig Gesellschaftskritik da, ein wenig Kritik an Formaten wie Castingshows und Big Brother dort. Geht der Text zwar nie wirklich in die Tiefe, bleibt er doch mit überraschenden Wendungen effektreich und kurzweilig. Das Stück lebt weniger vom Text als von eben diesen Einfällen und nicht zuletzt vom treffend besetzten Ensemble – Johann Nicolussi als Fernando Porta, Walter Ludwig als Enrique Font, Julia Kronenberg als Mercedes Degás und Florian Eisner als Carlos Bueno, denen das Zusammenspiel so leicht gelingt, dass sie sich das Lob für ihre durchgängige Figurenzeichnung teilen müssen. Regie führte Susanne Altweger, das adäquat strenge Bühnebild und alltagsgrauen Kostüme entwarf Alexia Engl.
Fraglich bleibt, warum die Namen nicht geändert wurden – es ist anzunehmen, dass ein multinational agierender Konzern auch in deutschsprachigen Regionen Mitarbeiter sucht, der spanische Ursprung des Stückes ist belanglos.
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